Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

Page: 1096
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1923/1122
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Direktionszeit Feylner zu fuchen. Das wären vor allem Gruppen wie „Die gute Mutter“ und ib>r
Gegenftück, die Keffelflicker, Buchbinder, die fpanifchen Mufikanten ufw. Von hier aus betrachtete
erweift [ich auch die gegen FJofmann gekehrte Meinung 5eufers, daß die große Gruppe der Reiter-
[chladbt im Münchner Nationalmufeum nicht von K. G. Lüde herrühre, als zutreffend; noch weniger
freilich von Lanz, der über das Nebeneinanderftellen von Figuren zu einer wirklichen kompofitio-
nellen Bindung von 7 Berittenen, wie ße hier geleiftet ift, nie vorgefchritten ift. FJier liegt offenbar
ein Kupferftich (etwa Rugendas?) zugrunde.
ttlie die Perfönlichkeit Lincks, fondert [ich auch die künftlerifche Leiftung Melchiors mit voller
Deutlichkeit ab. Man würde fie aber eher fchrnälern als [teigem, wenn man ihm — woran übri-
gens auch Oeufer nicht denkt — [amtliche der in Negativformen in Frankenthal aufgefundenen
Bildnisreliefs zufeßreiben würde. Sie find nach neuen Rusformungen abgebildet. Die meiften find
zu trocken und [dßwunglos für Melchior. Rber auch [ein Schüler Ohmacht kann für die Mehrzahl
von ihnen nicht verantwortlich gemacht werden.
In einer ganzen Reihe kleiner Ruf [äße werden wirt[cßaftliche, teeßnißhe und Markenfragen aus-
giebig erörtert — kurz, wertvolles Material für eine ftraff nach einfachen und einheitlichen Ge-
fießtspunkten aufzubauende Gefcßicßte der Manufaktur dargeboten. In einem eignen Kapitel wird
dann fcßließlich das Scßickfal der Straßburger und Frankenthaler Formen bis in unfere Cage verfolgt.
Dem Verfaffer des Buches gebührt Dank dafür, daß er [eine läng[t vergriffenen Frankenthaler
Einzelftudien mit neueren zufammen den vielen Freunden des Frankenthaler Porzellans wieder
zugänglich gemacht hat. Er hat manchen Irrtum berichtigt und der Forfchung durch [eine [charf,
aber leider etwas [chwer gedruckten Rbbildungen manches neue Material zugeführt. Rber es
darf ondererfeits nicht verfdjwiegen werden, daß es [ehr nützlich gewe[en wäre, wenn nun end-
ich einmal die Gefchichte der Frankenthaler Manufaktur auf nachprüfbare urkundliche Grund-
lagen geftellt und [tatt lofe aneinandergereihter Einzelunterfuchungen eben eine wirkliche Ge-
fehießte geboten worden wäre. Croß der verdienftvollen Rrbeit ßeufers bleibt alfo der dritte
Band des Fjofmannfchen Werkes noch immer zu wünfeßen.
3 u r Gefcßicßie der Kieler Fayencen
Von MAX SAUERLAN DT
In dem erften Jahrgang der neuen 3eit[chrift „Nordelbingen“ (Beiträge zur Fjeimatforfchung jn
Schleswig-FJolftein, FJamburg und Lübeck, herausgegeben von Ul. 5- Dammann, Flensburg und
5. Schmidt-Kiel) bringt K. F)üfeler-F)amburg einen Rrtikel: „Die Kieler Fayence-Manufakturen“,
deffen wefentlicßer Inhalt hier, da er an etwas abgelegener Stelle erfchienen ift, kurz wieder-
gegeben [ei. Neu ift zunächft die Feftftellung, daß in Kiel während der drei Jahrzehnte von 1758
bis 1788 nicht eine, [ondern vier Fayence-Manufakturen nacheinander beftanden haben. Von den
Erzeugniffen der beiden erften (Fabrik des Peter Graf 1758 und des Friedrich Niffen 1759—1760)
ift nichts erhalten, dagegen fand [ich im Magazin des Kieler Chsnlow-Mufeums aus der dritten
Manufaktur (betrieben von Johann Cobias Kleffel 1762/63) eine mit vollem Namen [ignierte Cerrine.
3ur Gefchichte der vierten Manufaktur, der die bekannten Kieler Fayencen angehören, werden
die folgenden neuen, durch Urkunden belegten Feftftellungen gemacht: gegründet wird das Unter-
nehmen 1763 im Ruftrage der großfürftlichen Regierung durch Cännich, der bis Rnfang 1766
alleiniger Leiter war und erft von Ende 1766 an einen gefchäftlichen Leiter neben [ich erhält.
Von 1766—1775 ift die Fabrik im Befiß einer Rktien-Gefellfcßaft (nicht, wie man bisher glaubte,
Eigentum zweier Kaufleute aus FJamburg) und endlich von 1775—1788 im Befiße des Kanzleirates
D. G. Kannegießer. Neue Rngaben finden [ich ferner zu der Buchwald-Leihamer-Frage. Das ge-
meinfame (Uandern der beiden Künftler erklärt [ich aus ihrer Verwandtfchaft: Leihamer war Buch-
walds Sdßwiegerfohn. Beide kamen 1768 nach Kiel und haben dort bis 1771 gearbeitet, nicht nur
bis 1769, wie Stöhr ßhreibt, dem der am 20. Februar 1769 genannte Ricßardi als Direktor galt,
während er tatfächlicß nur gefchäftlicher Leiter war. Nebenbei [ei noch erwähnt, daß wir hier
auch den Vater Leihamers, Johann Leihamer (aus Rmfterdam) kennen lernen. — Ruf Grund von
Kirchenbucßeintragungen, Polizei- und Gerichtsprotokollen find für die vierte Manufaktur 29 Rr-
beiter und Künftler urkundlich belegt; gleichzeitig kommt der Verfaffer mitFJilfe diefes neuen Ma-
terials zur Identifizierung einer Reihe von bisher unauflösbaren Malerfignaturen, deren Kenntnis
für Befißer von Kieler Fayencen fchon deshalb von Intereffe ift, weil dadurch eine genauere
zeitliche Begrenzung der einzelnen Stücke ermöglicht wird.

1096
loading ...