Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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Ausheilungen
Berlin
Aquarelle, 3eid)nungen und Graphik von Eric!)
Qeckel führt die Galerie Goldfchmidt &
K3 all er ft ein vor. Der Künftler hat in feinen
neuen Arbeiten zwar keinen erfdbütternden Fort-
fdjritt zu verzeichnen, indeffen läßt fid) gerade
im Aquarell eine bedeutungsvolle Entwicklung
zur Klarheit und Sammlung der Linien und Farb-
töne beobachten. — Eine erftaunliche Frifche in-
deffen atmen die Aquarelle Erid) Klaskes in
der Gutenberg-Buchhandlung. Es ift, als
habe ihm diefe Cechnik neue Auflöfungsmöglid)-
keiten des Stofflichen geboten, das er hier mit
fchwungvoller Kraft bemeiftert.
Ein weniger bekannter Gaft in Berlin ift der
Königsberger Akademieprofeffor Carl Älbrecht,
dem die Euphorion-Kunftljandlung eine um-
faffende Kollektivausftellung widmet. Klir flehen
vor dem merke eines feinkultivierten Meifters,
der tatfächlich weiß, was Malen heißt. Male-
rifd)es Empfinden und fleißiges Studium haben
[ich hier glücklich zufammengefunden. Bei alle-
dem aber fehlt es doch an der Stärke der Perfön-
lichkeit. Mit den feinen Anklängen an Choma und
Crübner vermochte fid) der Künftler nicht zu
einer packenden Eigenart emporzufchwingen.
Klas wir bewundern, bleibt das überaus deli-
kate Fjandwerk uncj die liebevolle Verfenkung in
die malerifchen Elemente der Natur.
In der Bibliothek des Kunftgewerbe-
mufeums haben die oftpreußifchen Gra-
phiker eine kleine Anstellung eröffnet. Es
fprid)t aus diefen Arbeiten eine frifche Schaffens-
freude, die ohne Entgleifung in Extravaganzen
fid) einfach und aufrichtig auszudrücken weiß.
Da ift z. B. Sebba, ein bemerkenswertes Calent,
das ganz verinnerlicht aus der eigenen Liefe
fchöpft. Einen phantafievollen Einfallsreichtum
verbindet Gertrud Lerbs mit ihrer malerifchen
Cechnik. Mit impreffioniftifcher Gewandtheit tritt
Kau mann auf, während F)einr. molf f bei vie-
lem Stimmungsgehalt akademifd) bleibt. Sturlj-
kopfs illuftrative Derbheit fetjt fid) in zahlreichen
Blättern durd). Frifche Strichführung zeigt Erd-
mann und ftimmungsvolle Phantafie Olleffei.
Enger an die Natur klammern fid) Grün und
Marie Seeck. Keine überragenden Kräfte find
hier am Oderk, aber doch ein erquicklich gutes
Können. Curt Bauer.

Düffeldorf
Am 10. Januar ift in den Räumen des Kunft-
vereins für die Rheinlande und Odeftfalen zu
Düffeldorf die von diefem und den ftädtifchen
Kunftfammlungen vorbereitete Ausftellung
von Klerken alter Kunft aus Privatbefifc
eröffnet worden. Im Gegenfafj zu der viel-
beachteten erften Ausftellung im Januar 1921 hat
man fid) diesmal nicht auf die alte Malerei be-
fchränkt, fondern aud) Schöpfungen der Plaftik
und des Kunftgewerbes herangezogen. Eine
befondere Anziehungskraft, auch für verwöhntere
Kunftfreunde, bildet diesmal eine Sammlung von
etwa 50 FJandzeichnungen erfter deutfcher und
niederländifcher Meifter. Vertreten find auf ge-
fieberten, größtenteils unbekannt gebliebenen
Blättern u. a. F)ans Baidung Grien, Peter
Brueghel d. Ä., Paul Bril, Albert Cuyp, G. Metfu,
A. und KI. van der Velde, CI. P. Berchem,
öd. Buytewed), J. Jordaens, A. Brouwer, Jan Fyt,
KI. Fjollar und viele andere. Die Ausftellung
bleibt bis zum 15. Februar geöffnet
Hannover
Die Galerie v. Garvens ftelit eine große
3ahl neuer Arbeiten von Otto Dix aus, Aqua-
relle und Ölbilder zumeift, außerdem einige
graphifche Blätter, fo daß fid) ein rundes Bild
des Kiefens des Malers ergibt. Ein gut illu-
ftrierter Katalog läßt P. F. Schmidt zu Klorte
kommen, der mit lebhafter Sympathie für das
ftärkfte Calent feiner Dresdener Sezeffion wirbt.
Der gemeinfame Charakterzug (im eigentlid)ften
Sinne diefes Odortes!) der Dixfd)en Kunft ift ihre
unerbittliche Klahrhaftigkeit. Soweit hier die
fubjektive Erlebnis- und Produktionsrid)tung
des Künftlers in Betracht kommt! So fehr auch
das intenfive Ringen um den Stil fid) in dem
Klechfel zwifchen fcharf betonenden und plafti-
fd)en Formungen und andererfeits weich ver-
fließender Fläd)enhaftigkeit bezeugt, fo wenig
ift damit ein Nachlaßen oder Anfpannen der
perfönlichen Energie angedeutet. Nein: aus dem
malerifd) Verhängten, wie aus dem plaftifcb
hervorgehobenen Leben fpricht die gleiche un-
abläffige Einteilung auf das unbedingt Klefent-
lid)e. Klohl mag das Eigentliche des Lebens
von anderen als Dix auf anderem Gebiete ge-
jucht, gefunden werden. Dod) darf man nicht
leugnen: von allen denen, die wie er um die
Klefens-Sd)au der Scheußlichkeiten modernfter
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