Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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malerifcßen Epoche, als Craditionsüberwinder und üradtionsbegründer. Man wird, wenn
es einmal einen Gefamtüberblick über [ein Lebenswerk zu fcßaffcn gilt, nur zur Klar-
[tellung [einer Bedeutung gelangen können, wenn man den öQeg weiter verfolgt, der
ßier in Kürze vorgezeigt wurde. tOollte man Roßlfs nicßt [o einfcßätsen, [o würde
man fiel) bald dazu genötigt feßen, in die[em Maler und [einem Cüerke lediglid) eine
Epi[ode von möglicßerweife gar nur anekdoti[d)er Bedeutung fe[tzu[tellen. Ein kurzer
Blick aber nur über [ein Leben und Schaffen läßt folcße öCIertung als ab[urd erfeßeinen. —
Neben dem reinen Maler lebt in Cßriftian Roßlfs noeß der Erzäßler und Fabulierer.
Von expreffioniftifeßer Ernftßaftigkeit bis zu derb-groteskem Humor reid)t ßier die Skala.
Das Bäuerifcße erwei[t [icß nod) in ißm lebendig; [eine erdige tUelterfaffung mad)t in
Bildern, Aquarellen, grapßifcßen Blättern bucklige Sprünge. Seine Grapßik i[t ein ßier
nid)t zu er[d)öpfendes Kapitel. Es exi[tieren zaßllofe Platten — Linoleum, Holz — mit
zumei[t nur wenigen Abzügen, die fa[t durchweg mit frei ßineingebraeßter Farbe zu
Originalen weitergeftaltet werden. (Gier wird [ie lediglid) als koloriftifd)es Mittel be-
nutzt!) Der Druck gefeßießt mit [o primitivem Handwerkszeug, wie es nur ein Roßlfs
fiel) ausdenken kann. Vielen Blättern ift ein bis zur Einfältigkeit eindeutiger Ausdruck
eigen —, viele find voll von ßöcßftkultiviertem, differenzierteftem Geift.
3u guter Lefet wurde dem Siebzigjährigen nod) das Glück zuteil, daß fiel) die Frau
zu [einem oft bis zur Einfiedelei einfamen Leben gefeilte. Durd) maneße von [einen
tllerken geßt ein Aßnen davon, wie [einem Dafein neben vielem aueß dies zu lange
mangelte: von liebender Fürforge umgeben zu [ein. Nun kann er, von der [orgenden
Creue des öüeibes und von der vereßrenden Liebe der Freunde [eines Menfcßentumes
und [eines Scßaffens umgeben, diefes aus tiefften Bitterniffen zu ßöcßfter Erfüllung
emporgefeßaffene Dafein zu Ende fd)reiten —, ein ftärkfter 3euge dafür, daß wir
Menfcßen uns nur ganz —, oßne Vorbeßalt zum feßöpferifeßen Leben als der einen
und einzigen Ällmacßt bekennen lernen müffen, um aller Leiden, üngewißßeiten und
Qnvollkommenßeiten Herr und Meifter zu werden.

Carl Maximilian Mattem / Ein Ulürz-
burger Kunftfdjreiner des 18. Jaßrßunderts
Mit vier Abbildungen auf zwei Tafeln Von HEINRICH KREISEL
Begünftigt durd) die rege Bautätigkeit der Bifcßöfe kam in (üürzburg im 18. Jaßr-
ßundert ein befonderer Möbelftil zur Ausprägung, der das typifeße RJürzburger
Möbel von anderen gleichzeitigen Erzeugniffen deutfeßer Möbelkunft durch eine
gewiffe Scßwere der Proportionen, verbunden mit eigenwilliger Pßantaftik der Siet-
formen, unterfeßeidet. Da die Meifternamen diefer Blütezeit (Oürzburger Möbelbaus
jedoeß noeß faft völlig im Dunkel liegen — von 3ufcßreibungen beftimmter ÜJerke an
einzelne Kunftfcßreiner gar nießt zu reden —, [oll ßier der Verfud) gemaeßt werden,
der künftlerifcßen Cätigkeit eines prominenten Vertreters diefer 3unft gereeßt zu werden,
Carl Maximilian Matterns1.
„C. Marx Mattem, Bürger und Scßreinermeifter, war mit tüeib von Scßillingsfürft
naeß lüürzburg gezogen und katßolifdß worden“2. Anfcßeinend ßatten aueß ißn die

1 Er|te Erwähnung des Meifters bei J. B. Stamminger : „tüürzburgs Kunftleben im 18. Jahrhundert,
fflürzburg 1893“. Dann bei Lohmeyer: „Die Briefe Balth. Neumanns an Friedrich) Carl v. Schönborn“,
Saarbrücken 1922 und bei Sedlmaier-Pfifter: „Die Fürftbifchöflicbe Refidenz in Cüürzburg“, München
1923. Jedoch konnten dort noch keine beftimmten Arbeiten Mattem zugefchrieben werden.
2 Stadtarchiv öQürzburg, Ratsprot. 1742 S. 147. [Mitget. v. G. H- Lodener, GQürzburg.]

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