Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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Sammlungen
Die Uätigkeit der amerikanifdjen
Mufeen
Huf der vor kurzem ßattgefundenen Jabres-
verfammlung der Hssociation of Hmerican Hrt
Directors wurde bekannt gegeben, daß zur 3eit
nicht weniger als dreißig neue Mufeen in den
Vereinigten Staaten in der Entßebung begriffen
oder eben eröffnet worden find. Rechnet man
dazu, daß feit mehreren Jahren unter der Lei-
tung der American Federation of Hrts eine Hrt
„Volkskunßbod)fd)ule‘ in Form von Cüander-
Husftellungen felbft ganz kleine Orte auffud)t,
fo wird es klar, mit welcher Intenptät hier
Kräfte an der Arbeit find, die von dem ttlert,
ja der Notwendigkeit künftlerifdjen Einfluffes
auf das Leben der Nation vollkommen durch-
drungen find.
Sie alle wiffen aud), daß es vor allem darauf
ankommt, die beranwadbfende Generation zu
gewinnen, und deshalb findet man vielfad) be-
fondere Veranftaltungen für die Jugend, fei es
in Form eigener Jugend-Kunftzentren, wie z. B.
in Bofton oder in fpeziellen Abteilungen inner-
halb der Mufeen, wie es fold)e ja aud) in den
bießgen öffentlichen Bibliotheken gibt. In ihnen
werden fogar Kinder von klein auf für Kunft-
werke intereffiert.
Diefes Land, das trotz feines Kommerzialismus
und „Dollarismus“ einen geradezu erftaunlichen
Fonds von Entbupasmus und reinßen uneigen-
nützigem Dienens für die Gemeinfcbaft und
die 3ukunft aufweiß (Eigenfcbaften, die ja,
merkwürdig genug, da und dort wenigßens
pd) gerade aud) in feinen gewaltigen „Indußrie-
kapitänen“ regen und diefe zu den großartigßen
Stiftungen, freilich nod) feiten genug für die
Kunß, veranlaßen), kann eben deswegen immer
auf eine genügende 3abl von Perfönlid)keiten
rechnen, die bereit find, aud) gegen nur geringe
Entfd)ädigung, Stellen einzunebmen, in denen
pe diefem inneren Drange zu folgen vermögen.
(Ind fo zeigt es pd), daß pd) unter den Mu-
feumsleitern und -beamten meiß Leute beßnden,
die an Arbeitsfreude und Bewußtfein von der
Bedeutung ihres öQirkens ihresgleichen fuchen.
Sie fühlen pd) nicht fo febr als Verwalter eines
Inßitutes, noch weniger als Konfervatoren von
Gegenftänden, die, aus früheren Seiten über-

kommen, nun aufbewahrt und gefcbü&t werden
müßen, nein, pe pnd geißige Führer innerhalb
ihrer Stadt.
So kommt es, daß die Tätigkeit der meißen
amerikanifchen Mufeen eine erßaunlid) weite
und rege iß. Sie pnd eben 3entrum geißig—
künftlerifcben Lebens, und fo manche haben
auch z. B. mupkalifche Vorführungen in ihr
Programm aufgenommen. Dabei würde man
fehlgehen, wollte man glauben, felbß den großen
Inftituten wie dem Metropolitan Mufeum in
New York oder dem Mufeum of Fine Arts in
Bofton ßünden unbefcßränkte Mittel zur Ver-
fügung. Im Gegenteil! Obwohl gerade diefe
zwei Inßitute als Ausnahmen eine ganze Reihe
von bedeutenden Stiftungen zur Anfcbaßung
neuer Kunftwerke ihr eigen nennen, pnd pe
gerade in ihren adminiftrativen Einnahmen
äußerß befcbränkt, und doch follten diefe die
weitausgreifende und weitfchauende Cätigkeit,
die erftrebt wird, pd)ern. So beruht pe eben zu
einem guten Ceil auf dem Opferwillen der Beften
der Nation, der böcbße Anerkennung verdient.
üm das Bild der Cätigkeit biepger Mufeen an
konkreten Beifpielen vorzuführen, was ja am
leid)teften verfteben läßt, welche Rolle diefe
Inßitute im gaushalt der Städte und der ganzen
Nation fpielen, fei hier etwas näher auf das
New Yorker Metropolitan Mufeum als
das größte der Staaten eingegangen und fodann
auf dasDetroiter Institute of Arts als einer
von reinftem Idealismus geleiteten Anftalt in
einer der großen Provinzßädte, das für uns
Deutfche auch noch durch die Verbindung, die
es mit Dr. tü. R. Valentiner unterhält, und den
ümßand, daß es durch den Ankauf von neueßer
deutfcber Kunß eine die gewöhnlichen Grenzen
weit hinter pd) laßende Anteilnahme am inter-
nationalen Kunßleben gezeigt hat, naturgemäß
befonderes Interefje für Deutfd)land beptzt.
3um Schluß feien dann kurz nod) mehrere
andere Mufeen mit ihren Neuerwerbungen wäh-
rend des vergangenen Jahres angeführt.
Im Metropolitan Mufeum, New York,
gab es während des zweiten Ceiles des De-
zember, im Januar, Februar und März u. a. die
folgenden vollkommen freien Vorträge und
fonßige Veranftaltungen:
17. Dezember: Das Mufter in Gegenßänden des
täglichen Lebens.

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