Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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durd) ironifd)e Reklination diefe 3u9cbörigkeit, und befreit pd) durd) diefelbe Sach-
lichkeit von ihr, die ihr Lafter ift. Er nimmt ihre Prahlerei, ihren Kitfch, ihre Sctyneidig-
keit mit auf, — und alles kommt als Schrei von der glatten Leinwand zurück.
Es war eingangs die Rede vom Klaßizismus, vom Linienftil, vom Mafd)inellen und
Primitiven, und der 3ufammenl)ang damit wird Manchem nun vielleicht nicht recht er-
pd)tlid) fein. Und doch iß in diefem Bild von Otto Dix von Alledem etwas enthalten, fo
wenig es etwa klaßiziftifd) oder primitiviftifd) ift. Die fatirifche Stofflichkeit tritt allein
fdjarf heraus, in fie ift das Übrige einverfchmolzen. Die polemifcße Umkehrung betrifft
aud) die Äusdrucksformen, fo daß etwa die pmple Art der Aufpeilung hier ohne alle
Kindlichkeit (wie bei einem Rouffeau) ift, vielmehr zu einem 3ug des dargeftellten
Cypus und feiner egoiftifchen Überheblichkeit wird. Vom ftiliftifchen Gepräge her be-
trachtet, bleibt aud) ein Kunßwerk wie diefes jedod) der gefamten Situation der Formen-
fprache zugehörig; und man kann fagen, daß Dix nicht diefe fo höchß bezeichnende
gefchmeidige Sd)arfrandigkeit und emaillierte Glattßächigkeit der Charakteriftik haben
könnte, wenn er nicht vom vereinfachenden, ftraffenden Linearismus des neuen Stils
berührt wäre. Und daß er nicht durch feine Darftellungsweife das Mecßanifcße fo
wirkfam herauszuholen, fo pcßer zu treffen wüßte, wenn ißm nicht von der Mafcßine
her ein Geiß der Präzipon und der metallifchen Eindeutigkeit zugekommen wäre. Aud)
diefer Verismus ift dem von der Mafd)ine ausgelöften Klaffizismus trot} allem bluts-
verwandt.
Ein neues Grünewald-Dokument
Mathias Grünewald auf dem Reid)enberg im Odenwald 1529
Von KARL MORNEWEG (Erbach im Odenwald)

err Cd. K. 3üld) hat im Jahre 1917 in feinem Äuffatj: „Grünewald oder Grün?“ in Bd. 40,


N. F. 5, des „Repertoriums für Kunßwißenfchaft“, S. 127, den Nachweis erbracht, daß .Matbis,

X X der Maler“, unter dem Grünewald verßanden wird, im Nachfommer 1532 im Odenwald, in
Dienften des Grafen Eberhard XIII. zu Erbach geßorben ift. —
„Meißer Matbis, der Maler“, iß aber auch von dem Vetter des Grafen, dem Schenken Va-
lentin I., FJerrn zu Erbach, befcbäftigt worden. Diefer war, wie Graf Eberhard, ein erfahrener
Kriegsmann, den der Pfälzer Kurfürß zu mancher Gefandtfchaft verwendete und ihm im Bauern-
krieg Stadt und Burg Heidelberg, mit allem ihm Klertvollen anvertraute, während Graf Eberhard
als Feldoberßer die pfälzifcben Lande gegen die Bauernfcharen verteidigte. — Valentin war un-
vermählt geblieben und lebte, an den Ereigniffen des Cages eifrig teilnehmend, mit feiner gleich-
falls ledigen Scbweßer ttlalpurgis im Schloße zu Erbach im Odenwald, das er nach dem Code
feines Vetters, des Schenken Erasmus, mit dem 1503 die obere Linie des Haufes Erbach erlofcb,
1515 von Eberhard, dem haupterben, zum ttlobnfit) erhalten hatte1.
Als ihm nun von feinem Vetter die ihnen gemeinfame Burg Reichenberg im Odenwald2
mit dem gleichnamigen Amt, der uralt-erbachifchen 3e°t Reichelsheim mit 14 Orten 1529 allein
überlaßen worden war, da regte pcb auch in ihm die Bauluß, welche Graf Eberhard in feinem
Schloße zu Fürßenau mit fo gutem Gefcbmack betätigt hatte. —
Schenk Valentin machte die Burg Reichenberg zwar nicht zu feinem dauernden Klobnfitj, tat
jedoch alles dazu, fiel) dort zu vorübergehendem Aufenthalt, mit feiner Scbweßer, recht behaglich
einzurichten. 3unä(hß wurden Mauern und Core, Stallungen und andere Gebäude bergeßellt und
ein Brunnen gegraben. In Heidelberg holte man drei Klagen Hausrat. Ein Darmßädter Schreiner
machte Bettßellen und diejenige des Burgherrn wurde mit einem Himmel von Cuch verfehen. Auch

1 Simon, Gcfd)id)te der Grafen zu Erbad) und ihres Landes. S. 370 ff.
2 Daf. S. 121. — Morneweg, Quartalbl. d. Ijifl. Vereins f. Seifen, 1889, S. 69—78. — Sd)äfer, Kunftdenkm. im Größt).
Seifen, Kreis Erbad), S. 220 f.

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