Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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Hufe Im Feuerbad)s Bernhardinerhund

Mit einer Tafel


Das l)ier reproduzierte, im Bepfs der Modernen Galerie Beinrid) D)ann!)aufer~
München bepnälicpe Gemälde eines lebensgroßen Bernhardinerhundes (Böhe 137,
Breite 112 cm) bedeutet im fflerk von Anfelm Feuerbad) eine Seltenheit, obwohl
bereits Ailgeyer in dem Katalog feines Feuerbad)-Ulerkes eingehend auf das Stück
Bezug nimmt. Danad) ift das Bild vom Künftler für eine befreundete Familie in Rom
beftimmt gewefen, obwohl es fpäter in den Befit) einer bekannten Darmftädter Privat-
fammlung kam. Das Bild hat alle Vorzüge der Feuerbach[chen Palette, ift al prima
gemalt und von einer Lebendigkeit des Ausdrucks, die dem Schöpfer fo vieler klaffifd)-
romantifcher Szenen alle Ehre mad)t. Feuerbad), der — wie man zumal aus feinen
3eid)nungen weiß — immer ein fd)arfer Beobad)ter der Natur gewefen ift, hätte ähn-
lichen Aufgaben, wie fie diefe 'Cierdarftellung zeigt, wahrfd)einlid) nod) viel ftärkere
Reize abgewinnen können, wenn diefe Begabung fid) mehr an das Leben felbft
gehalten hätte, wie es fo manches Bild der erften Epod)e des Künftlers verheißungs-
voll erkennen läßt. Daß aber gerade der „Römer“ Feuerbach Freude an einem folchen
Motiv gefunden, wie es das lner abgebildete, erftmalig veröffentlichte Stück zeigt,
das wie gefagt im Rahmen des Gefamtoeuvre eine Ausnahmeftellung beanfpruchen darf,
ift doppelt bemerkenswert.

Die Würzburger Älabaftermadonna
Mit einer Tafel Von GEORG LILL

Im Fränkifd)en Luitpold-Mufeum zu Ulürzburg findet fid) ein ganz hervorragendes
fcüerk aus der Gruppe von frühgotifchen Madonnen, die Fritj cüitte unter dem be-
zeichnenden Namen „Mutter der viel fd)önen Minne“ zufammengefaßt hat1- In der
wiffenfd)aftlid)en Literatur pat fie noch nicht die entfprechende ülürdigung gefunden;
denn UI. Pinder l)at fie nur hed) an einem Banfe unter mehrfacher entftellender Cünd)e
gekannt und würdigen können2.
Die Figur, 118 cm pod), ift fd)on aus einem in Deutfd)land ganz ungewöhnlichen
Material verfertigt, nämlich aus einem gelblichen Alabafter mit fchwarzroter Äderung,
tllenn fie aud) vollrund gearbeitet ift, fo ift die ganze Figur doch auffällig flach-
gedrückt mit vernad)läffigter Rückfeite. Aufrecht fteht die göttliche Jungfrau da,
die linke Büfte kräftig ausgebogen. In der gefenkten Rechten pielt pe ein Szepter;
der Kopf ift fanft nach links geneigt. Grotj der ftarken Ausfd)wingung der Büpe
kommt diefe Bewegung faft nur in der Innenzeichnung zur Geltung. Die blockmäßige
Gefcploffenpeit wird durch die Art, wie das Kind auf dem Arm fitp, fowie den ge-
rafften Mantel, der in wenigen Röhrenfalten faft bis auf den Boden gleitet, auf der linken
Seite gewahrt, wie dann auf der rechten die ruhige Linie durch den in parallelen
Linien hinhaltenden Saum und die läffig herabhängende Band erzielt wird. Da-
durch erhält pe bei aller reichen Bewegtheit doch einen feften Umriß. Diefes vorpeptig
Abwägende in der Geftaltung fpriept fid) aud) in der ganzen Faltendrapierung aus;

1 Die Skulpturen der Sammlung Schnütgen in Köln, Berlin 1912, S. 38.
2 Mittelalterliche Plaftik Ulürzburgs, füürzburg 1911, S. 142 und Caf. LII.

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