Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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Sammlungen — Äusftellungen

Kunfbandel eine Landfcbaft von Erich Hecke!
aus feiner Dresdner 3eit, aus dem Jahre 1909.
Fjaag
Das Mauritsbuis erhielt durd) die Herren
Brown einen Cbriftuskopf von Jan van Eyck
für ein Jabr als Leibgabe überwiefen. Das aus
dem Jahre 1440 datierende Gemälde wurde 1922
von den Eigentümern in England entdeckt. Es
bat eine auffallende Ähnlichkeit mit Jan van
Eycks Cbriftus im Berliner Mufeum. Die Behand-
lung des Bart- und Haupthaars ift dort natu-
ralijtifcber. An Stelle der Bruftinfcbrift »Rex
Regum“ befindet pd) auf dem Haager Gemälde
ein mit Edelfeinen eingefeijter Hemdfaum. H*
Mannheim
Wie wir hören, fcheidet der Direktor der Städti-
fd)en Kunfthalle, Dr. F. Wiehert, zu Ofern aus
feinem Amte. Es ift befcbloffen worden, feinen
Pofen unbefefjt zu laffen und den fellvertreten-
den Direktor, Dr. G. F. Hartlaub, mit der Leitung
der Kunfhalle und des Freien Bundes zur Ein-
bürgerung der bildenden Kunft zu betrauen. Mit-
geteilt fei noch, daß die im Mannheimer Schloß
bepndlicben faatlicben Sammlungen als Leih-
gabe in die Verwaltung der Stadtgemeinde
Mannheim übergegangen find. Die Gemälde-
galerie nebft Kupferficbfammlung wurde der
Leitung der Städtischen Kunfhalle unterfeilt.
Nürnberg
Wie wir dem 69. Jahresbericht (1922) desGer-
manifcben Mufeums entnehmen, fab pcb deffen
Leitung im vergangenen Jahr vor befonders
fchwierige Aufgaben gefeilt. Der Sturz der
Mark zwang zu größter Einfcbränkung und be-
einträchtigte in emppndiicher Form die Kauf-
kraft. Dies machte pd) um fo unangenehmer
fühlbar, als zu den vielen fd)on befehenden
Aufgaben des Mufeums noch eine kulturwid)tige
neue Aufgabe hinzugetreten if, nämlich die,
wertvolle deutfcbe Kunfwerke vor der Gefahr
der Abwanderung ins Ausland zu retten. Die
geleifete Arbeit war nicht vergebens, da im
vergangenen Jahr die Höcbßzabl an Befucbern
feit dem Befteben des Mufeums erreicht wurde.
Die Haupttätigkeit war der Fortführung der ürn-
geftaltung des alten Mufeums und der Um-
gruppierung und Neuauffellung der in ihm
untergebrachten kulturgefd)id)tlid)en Samm-
lungen gewidmet. Neugefcbaffen wurde eine
Münz - Scbaufammlung und eine Medaillen-
Scbaufammlung, eine eigene Abteilung der
Stangenwaffen, Schwerter und Dolche, eine neue
Gruppe von Denkmälern der Kleinplaftik und
ein Studentenzimmer. Die lange Flucht der
Räume nordwärts des großen Kreuzgangs wurde
vollkommen umgeftaltet, um dort die nach Fach-
gruppen auseinandergezogene Sammlung der
vorgefcbicbtlicben Denkmäler und die Abtei-
lungen der Denkmäler der Römerzeit, der Völker-

wanderungszeit und der Merowingifchen Epoche
aufzufeilen. Das im Jahre 1917 erworbene
Flötnerzimmer vom Jahre 1546 wurde bei den
bürgerlichen Wobneinricbtungen eingebaut. Be-
gonnen wurde mit der Anlage eines ländlichen
Friedhofes, dod) fehlt es hierfür noch an alten
charakteriftifcben Grabkreuzen. Im eifen Ober-
gefcboß des großen Wcfmbaufes am Kornmarkt
wurden Ausftellungsräume für grapbifcbe Kunf
und das ältere Scbriftwefen gefcbaffen. 3ur
3eit ift man damit befchäftigt, den früheren
Saal der präbiftorifcben Denkmäler in einen
Vortragsfaal umzuwandeln, um die Lehrgänge
für deutfcbe Kunf und Kultur wieder aufnehmen
zu können. In den kunft- und kulturgefcbicbt-
lichen Sammlungen gelang es vor allem, die
Abteilungen der primitiven und der barocken
Plaftik weiter auszubauen. Herbei wurde der
Grundfa^ verfolgt, kein Mittelgut, fondern nur
wirkliche Kunfwerke von qualitativ hochfe-
bender Art, welche die Eigenheiten einer be-
fimmten 3eit und Gegend in Äuffaffung und
Darfellungsform befonders markant zur Schau
tragen, zu erwerben. Bei den Neuerwerbungen
des Kupferf ichkabinetts lag der Hauptnachdruck
auf der Vermehrung der Sammlung alter Hand-
zeichnungen und der Ergänzung der Abteilung
der kulturgefcbicbtlicben Darftellungen. Die pnan-
zielle Lage des Mufeums muß trotj der auf-
opfernden Tätigkeit der Pfeger und tro£> mannig-
facher 3uwßndungen aus allen Kreifen des
Volkes als geradezu troflos bezeichnet werden.
Gleichwohl wird die Leitung der Anfalt den
Mut nicht verlieren und unentwegt an dem Bau
der Darfellung und Aufzeigung der deutfcpen
Gefd)id)te, Kunft und Kultur weiterbauen.
Ausfellungen
Berliner Äusftellungen
Bei Goldfchmidt & Wallerftein vertraute
Gefid)ter und neue. Die volle Wucht und Mafp-
vität, der die Moderne fähig geworden if, re-
präfentiert durch Schmidt-Rottluff, den man
jetjt gewiß allzuoft zeigt, der aber an Wirkungs-
kraft dabei nicht verloren hat. Im Aquarell ge-
winnt fein Komprefponsftil eine berbfbunt fun-
kelnde Saftigkeit, die zwar nicht die bärtefe
Ausformung feiner Möglichkeiten, aber tief er-
labend ift wie ein Stüde fchwer lachenden Landes
felbft, Energie mit Heiterkeit, Gewichtigkeit mit
Schimmer vermählend, ünter den Gemälden,
die naturgemäß unbedingter gefügt, von radi-
kalerer Intenfität der ümriffe pnd, ganz hervor-
ragend jenes Stüde mit zwei im Waffer fpülenden,
niedergebeuqten Wäfcberinnen. Die robuf zu-
fammengefaßten Körper mit den heftig ausfo-
ßenden Armen feben in letzter Einfachheit,
monumental gegen ein gewaltig erblautes Meer,
das pd) in drei lapidaren Wellen emporfuft.

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