Bund Deutscher Kunsterzieher [Hrsg.]
Kunst und Jugend — N.F. 5.1925

Seite: 92
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sormen) bereichern*) oder dajz sie (koirstrulMv) von
innen heraus zunächst das Astgerüsl enlwerfen und
an dieses dann Zweige und Blätler ln nakürlicher
Weise anreihen. Da es den Klndern ein Bedürfnls
zu sein scheint, alles, was sie von einem Baume wil-
sen und an ihm sehen, zum Ausdruck zu bringen, so
gestatke man ihnen gern, auch alle elnzelnen Blälker
eines Baumes zu zeichnen, rvle es die belgegebene

Zeichnnng emes elfjährigen Knabcn zeigt (Abb. ti).
Auf seinen Pfadfinderwanderungen in die Donau-
auen halle er eine Zitlerpappel gesehen, die ihm be-
sonders gefiel. Zunächst zeichnete er die sehr gut be-
obachtete Staiiimesteilung und Becnstelung, nn
welche er dann mit einem ivahren Bienensleibe die
einzelnen Blällchen anfügte. Zu Lause murde noch
das Ganzie mit Wasserfarben übermalt.

Die Schulbücher und wir Zeichenlehrer

Bon August ArensmeIer, Zeichenlehrer am Realgymnasium in Barmen.

Das schmückende Zeichnen erhält mit Necht im
Zelchenunlerrlcht mebr und mehr Beachlung, und ln
diesen Blättern lst schon manche Anregung veröffent-
licht worden. Aber wir mlissen wohl beachten, daß
üer Schmuck nie alleln skehl, kelne Berechkigung für
stch hat, sondern immer in engster Bezlehung zu elnem
Gegeiistand, ihn vielfach durchdrlngl und veredelt.
Der Schmuck und oie zum Geschmack gesteigerte
Form ist dem Gegenstand nicht aufgenöligt sondern
auS diesem als materialechte Eigenschaft enlwlckell.
Darauf haben wir zu achten und vor allem, es genügk
nlcht, dasz wlr geschmackblldende Aufgaben nur auf
dem Zeichenbogen anfertigen lassen, sondern es müssen
auch einige gute Arbeiten ausgefüyrt werden, noch
besser alle, denn jetzt erst tritt die Arbeit ln die volle
Wirklichkelt.

liln den oberen Klassen hatte ich in den letzten 3ah-
ren auch üen Buchschmuck zu gestalten versuchk, und
zwar den Buchdeckel, das Borsatzpapier und das
Titelblatti ich lietz den Schülern msistens freien Splel-
raum in der Wahl des Buches, um den Neigungen
enlgegen zu kommen. Hier bot sich die willkommene
Gelegenheit, Schrist, Schmuck und Bild zur Einheit
zu gestalten unter Beachtung des elnhaltes und
Lharakters. Die Ausführung stand ebenfalls im Er-
messen der Schüler, alles stand bereit: Farbe, Tusche,
Slempel, Linol usw. Selbstverständlich war vorher In
Schrlrt und Druck lustlg gearbeitet worden, und der
Buchschmuck sollke der krönende Abschlutz sein.
Manch schöne Arbeit sah ich entstehen und ich
habe oft darüber nachgedacht, wle nun eins vrauchbare
Arbeit ins Leben geleitet werden könnte. Da kamen
mlr die Schulbücher in den Sinn.

2ch stellte also die Aufgabe, Buchdeckel für Schul-
bücher zu entwerfen; vielen schlen diese Aufgabe
doch recht absonderlich zu sein, wie überhaupk das Zu-
nächstllegende immer als absonderlich angesehen wlrd.
3ch wollte einen Bersuch machen, und ich war nicht
gleich enttäuscht, als die Arbelt anfangs nicht recht
in Flutz liommen wollle7"Mi Schlusse der Doppel-
stunde konnte Ich jedoch gute Ansätze und Reen fin-
den, ein Erfolg des Wekteifers, der inzwischen rege
geworden war. Einlge zeigten ganz überraschende
Lösungen, zum Teil von Schülern, welchen das reine
Nakurzeichnen nichk so rechk llegk; hier waren sie im
Fahrwasser und konnten stch zur Geltung bringen.
3ch war schllstzlich froh, elnmal diese Aufgabe gestellt
zu haben, und einlge Entwürfe waren wert, prakkisch
ausgeführk zu werden. Bon dieser Zeit an verfolgke

»I Slehe nuch R. Roth«: Kindertiuuliches Zeichne», Seite Ivti
und lüü.

mich der Gedanke: Wle lst es möglich, dle Schlller
bei der Ausstattung der Schulbücher Heranzuzlehen,
durch Entwürfe, Zeichnungen und Drucke? Der Ein-
zelne vermag nichk viel, aber meine dlnregiiiig will
die Kollegen und Kolleginnen fllr diesen Vedanken
warm machen.

Werfen wir einen Blick auf das heutige Buchge-
werbe. Der moderne Vuchschmuck steht auf einer
sehr hohen Stufe; Hlnhalt, Schrift, Vlld, Schmuck,
Borsatz uiid Elnband werden wieder ivle In den
alten Zelken in Einklnng gebrachl. Bedeulende
Schrift- und Vuchkünstler statlen die Bücher in einer
Weise aus, datz man seine hells Freude daran hal:
solche Bücher sind innen und autzen gleichwertlg; ja
das Asutzere soll schon die geistlge Einstellung vor-
bereiten und fördern. 2ch empfehle jedem, der diese
Zellen liest, die Schulbllcher an seiner Anskalk von
diesem hohsn Standpunkk zu bekrachlen, vor allem
das Lesebuch, das mir zunächst am Herzen llegt. Bei
uns sind die Einbände ftir alle Klassen dle gleichen,
ebenso Borsätze und Titslbläkter, und die Ausdrucke:
Sexta, Oulnta usw. zeigen die verschledenen Klasse»
an. Datz der (Znhalt verschieden Ist und sein mutz, er-
schelnt iedem selbstverskäiidlich; bedeukende Schulmän-
ner und Kenner des Deukschlums haben lhn ausge-
wählt und zusamniengetrageii. Die Gleichförmigkeil
der Einbände isk ein Widerspruch, das Aeutzere mutz
der entsprechenden Skufe angepatzt seln. und wenn
die Schüler gesiiegen sind, so mutz das Lesebuch auch
äutzerlich als ekwas ganz neues erscheinen. Wer
kennt nicht die lustigen Borsahpapiere, die duräz ihre
Farben Frohsinn ausströmen? Kinder slnd autzer-
ordentlich für Farben empfänglich, haben wir älteren
nicht zu wenig Farben In unserer Zugend gehabk?
Darum Farben in die Borsahpapiere: Maiengrllii,
Sommersonne und Herbstrot, oatz sie ln die Kinder-
herzen strahlen, unvergetzlich. Das ist schöner als
ein einförmiges und totes Papier, wie ich es hier
sinde. Das Tltelblatt. Es soll knapp und klar an-
oeuken, welchen stnhalt und Lharakker das Buch hat:
eln schöner Spruch wirkt wie ein liebes Willkominen,
man kann lhn hler gut anwenden und wird gerne ge-
sehen. Statt dessen ist das ganze Blakl bedruckt, das
Auge sieht ein Blelerlei und sindet keine Nuhe. Hier
stehen die Namen der Milarbeiler, der Berleger usw.
das alles gehört nicht hierher: damil will lch nichk im
gsrlngsten den MSnnern enkgegeiikrelen die In aus-
gezelchneter Welse den Znhalk ausgewählt und zusam-
mengestellt haben; die Angaben sollen an anderer
Stelle stehen, damit das Tilelblalt eine Eingangs-
pforte werde mit frohem oder ernsten Willkoini».
Dann habe ich unsere Lesebücher durchblälkerl und
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