Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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platz sichern. Wenn auch das Werk Wilhelm Trübners, von unserem heutigen
Standpunkt gesehen, Untiefen mancherlei Art aufweist — als Ganzes ist die
künstlerische Leistung großartig und magistral. Sie zum ersten Male in vollem
Umfange aufgezeigt zu haben, ist das Verdienst der Basler Schau.
Es wird eine wundervolle und lobenswerte Aufgabe der Nationalgalerie sein,
nun ihrerseits eine umfassende, lückenlose Gedächtnisausstellung zu versuchen.
Erst damit wäre Wilhelm Trübner in Deutschland sein Recht geworden.
NACHWORT DES HERAUSGEBERS
Der Aufsatz über Wilhelm Trübner aus der Feder unseres Basler Mitarbeiters
trifft seiner Tendenz nach unbedingt den wesentlichen Punkt. Der »Fall Trüb-
ner« ist heute — zehn Jahre nach dem Tode des Meisters — so wichtig für
die deutsche Kunstgeschichte geworden, daß er allein durch die mutige Basler
Ausstellung nicht klargestellt werden kann. Ein Beurteiler wie Meier-Graefe,
der sich in dieser Materie einigermaßen auskennen dürfte — seiner Initiative
dankt dieersteJahrhundertausstellungBerlin i 90 6 bekanntlich ihre Entstehung —
glaubt z. B., daß der junge Trübner nicht nur europäisch als allerwichtigste An-
gelegenheit besteht, sondern in mancher Flinsicht selbst Leibi übertrifft, mit dem
ihn bisher eine oberflächliche Betrachtung viel zu sehr identifizierte. Freilich
ist Trübner keine literarische Angelegenheit wie etwa Thoma, der Zeit seines
Lebens immer »Erzähler« war. Hier besteht vielmehr ein Fall reiner Kunst.
Im besonderen ist im Hinblick auf die Basler Ausstellung zu sagen, daß eine Aus-
stellung in Berlin unter der Ägide der Nationalgalerie das Bild der Basler Gedächt-
nisschau in mancher Beziehung schon deshalb intensivieren könnte, weil der für
Basel nicht mobilisierte deutsche Privat- und Museumsbesitz ganz andere Reserven
bereit hält. B


WilhelmTrübner Postillon, vonvorn.1901
0,92 x0,70 m Weimar, Museum

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