Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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RUNDSCHAU

ZUR NEUORDNUNG DES BADISCHEN
LANDESMUSEUMS
Die Einrichtung des Badischen Landesmuse-
ums im Karlsruher Schloß ist nunmehr be-
endet; nach siebenjähriger, durch die Nöte
der Inflation gehemmter Arbeit, ist Deutsch-
land um ein repräsentatives Museum reicher
geworden.
Ob man ein Schloß als Museum einrichten
kann, ist ja ein Problem; ein Museum, das
weder als Behausung eines Privatmannes noch
als Wohnsitz eines Fürsten wirken darf, soll
seinem Inhalt nur als würdiger Rahmen die-
nen, der den Wert des Inhalts hervorhebt
ohne ein besonderes Interesse zu beanspru-
chen: weil nämlich in einem Museum die
Dinge zu ästhetischer Betrachtung und wis-
senschaftlicher Bearbeitung aufbewahrt wer-
den, stört in seinen Räumen der Eindruck
der Wohnlichkeit.

Das Karlsruher Schloß mit seiner Rokoko-
Louis-Seize und Weinbrenner-Inneiiarchitek-
tur ist als Museumsbau recht geeignet: die ob-
jektive Strenge, die wir für die Ausstattung
von Sammlungsräumen verlangen müssen, ist
schon deshalb überall gewahrt, weil in keinem
von den Sälen und Zimmern sich ganz hohe
Qualität der Aussattung dem Beschauer un-
mittelbar auf drängt. (Die großen Festsäle wer-
den nicht als Ausstellungsräume verwendet.)
Natürlich stehen die antiken Sammlungen vor
dem klassizistischen Hintergrund besonders
gut.
Auch die Struktur des Schlosses paßt für den
neuen Zweck: Säle und Zimmer sind nicht all-
zu groß, die Beleuchtungsverhältnisse günstig,
und ein Rundgang war mit geringfügigen bau-
lichen Veränderungen herzustellen.
Aber auch ein anderer, ideeller Grund recht-
fertigt die Einrichtung des Museums im


Erster Saal der italischen u. griechischen Bronzen. Dekoration
um 1780. Sopraporten von Feuerbach
Badisches Landesmuseum, Karlsruhe
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