Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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KOKOSCHKA / H INDEM ITH / SCHLEMMER
(ZWEI BÜHNENGESTALTUNGEN) VON WILL GROHMANN
Bühnengestaltungen, die den gegebenen Tatbestand erschöpfen, d. h. zwingend
zu einer neuen einheitlichen Wirklichkeit umformen und dem Zuschauer die
Richtung des Miterlebens vorschreiben, gibt es trotz gelegentlicher Annähe-
rungsversuche zwischen Theater und Bildender Kunst erstaunlich wenige. Die
Bühne sieht nicht mit Unrecht im Maler den Outsider, der ihre Gesetzmäßig-
keit negiert, der Maler im Theater das Unkünstlerische schlechthin, das Sinn-
bild des Kompromisses, eine Summe, kein Ganzes. Es ist natürlich nicht da-
mit getan, wenn hier oder dort eine prominente Persönlichkeit eingeladen
wird, Skizzen zu machen5 der Künster kann nur dann der Bühne nützen,
wenn er wochenlang mit im Theater lebt und ebenso vertraut mit der Auf-
gabe ist wie der Regisseur, mit ihm als dem schöpferischen Vermittler eine
Person wird. Gelingt diese Verbindung, dann ist das Resultat für das Theater
meist ebenso aufschlußreich wie für den betreffenden Künstler.
Den Text zu »Mörder, Hoffnung der Frauen« schrieb Kokoschka 1907, Hinde-
mith komponierte das Schauspiel 1920. Stuttgart führte die Oper in der In-
szenierung von O. Schlemmer auf (1921), Dresden in der O. Kokoschkas
(1922). Schlemmer hatte bereits seit 1910 sich mit Bühnengestaltung und
Bühnentanz beschäftigt, Kokoschka hatte vorher nur bei der Aufführung seiner
Dramen im Dresdner Albertlheater (1917) mitgewirkt. Beide begnügten sich
nicht mit Entwürfen, sondern machten die Aufführung mit, wollten ein Gan-


O. Kokoschka Mörder, Hoffnung der Frauen
Bühnenrahmen und Bühnenbild, Opernhaus Dresden Photo: U. Richter, Dresden


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