Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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DIE BEKEHRUNG DES PAULUS BEI RUBENS
VON E. KIESER
Nach dervonR.Oldenbourg eingehend geschilderten Periode der »Rückbewegung
zum Klassizismus« tritt Rubens mit den Jahren 1616 —17 in das erste Stadium
des eigentlichen Hochbarock. In der Zeit der Kreuzaufrichtung (Antwerpen)
war eine erste Welle freieren Stils mit ein paar unheimlich eruptiven Bildern
vorhergegangen, dann war jene Disziplinierung und Bändigung unter strenge
Formgesetze erfolgt, wo bei scheinbarer Erkaltung des Gefühls die Kunst des
Rubens sich zu den typischen und zugleich ganz persönlichen Formen ver-
dichtete, die fortan seine Welt ausmachen. Die Bande strengerer Form lösen sich
dann rasch wieder und mit einer entspannteren, bewegteren und beweglicheren
Darstellungsform werden nun in den folgenden Jahren kaum übersehbare
Bilderreihen aus allen Stoffkreisen bewältigt. Zu gunsten freier Tektonik ge-
ballter Massen und drängender Bewegungszüge wird das Formideal der Jahre
1612 —14, die sorgfältig gebaute, schön bewegte, in sich geschlossene Gruppe
(Kreuzabnahme, Antwerpen) aufgegeben. Beibehalten und teilweise gesteigert
wird aber die vollplastische Körperlichkeit, so daß nun hochwogige Rhythmen,
laute und dröhnende Klänge die Bilder erfüllen. Bevorzugte Themen und
Glanzleistungen dieser Epoche sind Jagden und Schlachten. Das Thema der
»Bekehrung Pauli« gehört seit jeher in diese Kreise, auch Rubens hat es da-
mals aufgegriffen und verschiedene Lösungen sind auf uns gekommen, die ein-
mal im Zusammenhang betrachtet werden sollen.

Abb. 1. Rubens

45 Der Cicerone, XIX. Jahrg., Heft 21

Bekehrung Pauli
Speyer, Gemäldegalerie
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