Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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KUNST -LITERA TUR

HANS MEYER: BÖHMISCHES PORZEL-
LAN UND STEINGUT. Leipzig, Verlag K.
W. Hiersemann
Nachdem die Hauptfäbriken und die bedeu-
tendsten Künstlerpersönlichkeiten namentlich
der Barock- und Rokokozeit schon mehr oder
weniger ihren Homer gefunden haben, erfor-
dert auch die Produktion des ig. Jahrhun-
derts wie auf den anderen Stoffgebieten des
Kunsthandwerks eine zusammenhängende Dar-
stellung. Dafür ist das Beispiel von Deutsch-
Böhmen — die tschechischen Landesteile sind
an dieser Produktion nur in bescheidenem
Umfange beteiligt — besonders glücklich ge-
wählt, da hier keine alte Tradition zu ver-
drängen war. Als Tochtergründungen von
Thüringen beginnen die ersten Anfänge in
den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts und
nehmen in der Biedermeierzeit einen stau-
nenswerten Aufschwung, zum Teile im An-
schluß an Wien, zum Teile im heftigen Kampf
gegen diese staatliche Fabrik. Was wir bis-

her über das böhmische Porzellan wußten,
beschränkte sich auf kleine Kreise und war
recht unvollkommen. Das Buch des Prager
Historikers Ottokar Weber vom Jahre 189^4
gibt sich noch weniger als die Publikationen
von Stieda über Thüringen, die ihm als Vor-
bild dienten, die Mühe, die Erzeugnisse selbst
zu charakterisieren, ja nur überhaupt aufzu-
suchen. Um so erfreulicher ist der schöne
Band, den uns jetzt Hans Meyer in opulenter
Ausstattung bietet. Meyer ist von Haus aus
kein Kunsthistoriker oder Museumsmann, son-
dern Chemiker an der deutschen Universität
in Prag; aber seit rund einem Menschenalt.er
befaßt er sich mehr wie sonst jemand mit
diesem Sondergebiet und hat hier auch eine
Sammlung zusammengebracht, die von kei-
nem Museum in Böhmen — die anderen Mu-
seen haben sich um diese Porzellane bisher
noch wenig gekümmert — auch nur annä-
hernd erreicht, geschweige denn übertroffen
worden wäre. Und die besondere Vorliebe für


Edvard Munch Im Garten
Aus der Munch-Ausstellung der Galerie Flechtheim-Düsseldorf

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