Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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Jan de Cock Die Einsiedler Antonius und Paulus
Zu dem Aufsatz: »Vom Amsterdamer Kunsthandel« Bes.: Galerie Rothmann, Amsterdam

RUNDSCHAU

VOM STADTMUSEUM IN BAUTZEN
Im Bautzener Museum sind einige beachtliche
Neuaufstellungen vorgenommen worden. In
der kriegsgeschichtlichen Abteilung wurde eine
— rund 600 Objekte umfassende — Samm-
lung von Darstellungen Napoleon I., seiner
Familie und seiner Heerführer wirkungsvoll
aufgebaut. Sie kam als Stiftung des jüngst
verstorbenen Kammerherrn Werner von Hey-
nitz auf Weicha in den Besitz des Museums.
Ihr Wert besteht vor allem in ihrer ikono-
graphischen Reichhaltigkeit und in ihrer kul-
turhistorischen Besonderheit.
In der Abteilung für kirchliche Kunst erhielt
ein gotisches Holzkruzifix aus der Kirche von
Schönau a. d. Eigen bei Löbau einen würdigen
Platz nach gründlicher Wiederherstellung
(Reinigung und Imprägnierung) durch die
Museumswerkstatt. Es handelt sich um eine
ausgezeichnete Arbeit vom Beginn des i5.
Jahrhunderts, die den „weichen Stil'“ auf das
glücklichste repräsentiert. Das nahe zeitliche
Verhältnis zu dem kaum viel früher (etwa um
i4oo) entstandenen Ulbersdorf er Altar des
Museums kommt zu sinnfälliger Wirkung.

Besondere Bteachtung verdient eine Votiv-Sta-
tuette der Madonna mit Kind aus weißem ge-
brannten Pfeifenton, die i858 vor dem in-
neren Bautzener Reichentore ausgegraben
wurde. Das Figürchen ist eine charakteri-
stische Töpferkleinarbeit aus der ersten Hälfte
des i5. Jahrhunderts. Stilgeschichtlich lehnt
sie sich an das Fragment einer Katharinen-
Statuette an, das vor kurzem bei Ausgrabun-
gen in der Burgruine von Kirschau bei Baut-
zen zutage kam.
In der Gemäldegalerie sind drei bedeutsame
Beispiele bester deutscher Malerei des 19.
Jahrhunderts als Leihgabe ausgestellt. Zu-
nächst eine großartige Landschaft (Wildbach
im Prießnitzgrund) von Karl Christian Spar-
mann — bekanntlich eines Hauptschülers von
Caspar David Friedrich und Christian Claus-
sen Dahl — (geh. i8o5 in Hintermauer bei
Meißen; gest. 1864 in Dresden). Ferner ein
Werk Karl Blechens (geb. 1798 in Kottbus-
Niederlausitz; gest. i84o in Berlin). Dieser
noch bedeutendere Schüler Friedrichs und
Dahls war bisher nur ungenügend durch eine
kleine italienische Ölstudie auf Papier in der

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