Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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DIE NEUERWERBUNGEN DER NEUZEITLICHEN
GALERIE IM MUSEUM WALLRAF-RICHARTZ
VON ALFRED SALMONY


In Heft 1 des Jahrganges
i 924 wurde im Cicerone
mitgeteilt, daß Hans F.
Secker die Nachfolge
Alfred Hagelstanges ge-
tätigt, des Mannes, der,
nachdem er Köln von
dem Festungsgürtel mit-
telalterlicher Gesinnung
in Kunstdingen befreit
hatte, plötzlich starb1.
Heute wissen wir, daß
Secker sein Erbe ist. Er
konnte in fünf schwie-
rigen Jahren arbeiten,
das heißt sein bißchen
Etatsgeld im Rahmen
seiner Kompetenzen aus-
geben und vor allem
Stifter und Freunde um
sein Museum scharen.
Die Verhältnisse sind
nun einmal in Deutsch-
land so, daß kein Institut
aus dem Vollen wirt-
schaften kann wie vor
dem Kriege. Wer aber
— womöglich mit eige-
ner Erfahrung im »Kot-
ten« (ein heimischer Aus-
druck, gelinde gesagt
für Unterstützung = erbitten) — Seckers gesammelte Neuerwerbungen sieht,
wird ihm neidvoll einen Rekord zuerkennen. Der neue Direktor hat es auf
diese, für die Stadt fast allzu vorteilhafte Art durchgesetzt, der Galerie ein Ge-
sicht zu geben.
Die Ausstellung beginnt ihren Befugnissen entsprechend mit einer typisch
kölnischen Miniatur um 1420. Kokett, liebenswürdig und von untadeliger Er-
haltung. Dann kommen die Meister des Spätbarock. Die nördlichen Nachbarn
Kölns sind in dieser Zeit besonders interessant. Antwerpen bildet ein pracht-
volles Zentrum mit gewaltiger Kunstproduktion und mit einer feuchtfröhlichen

Kölner Miniaturist von etwa 1420

Kreuzigung

Vgl. A. Salmony, Die neue Galerie des 17. bis 20. Jahrhunderts im Museum Wallraf-
Richartz in Köln. Mit 8 Abb. Der Cicerone, XVI. Jahrg., Heft 1.

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