Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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RUNDSCHAU

DIE ANHALTISCHE GEMÄLDEGALERIE
IN DESSAU
Seit dem 17. September 1927 ist Deutschland
um eine Gemäldegalerie reicher. Planvolles
Handeln und glückliche Umstände haben ein
überraschendes und vortreffliches Ergebnis ge-
zeitigt. Glückliche Umstände: Erstens brachte
die Auseinandersetzung mit dem herzoglichen
Haus den Staat Anhalt in den Besitz bedeuten-
der Kunstschätze. Zweitens konnte ein Ge-
bäude, wie zu einer Galerie geschaffen, käuf-
lich erworben werden, nämlich das Palais
Reina, von Ignazio Pozzi 1823 erbaut, zugleich
in der Architektur das Beste, was Dessau aus
dem Klassizismus besitzt. Planvolles Handeln:
Zwei Männern wird dieses nicht unbedeutende
Museum verdankt, dem Staatsminister Müller
und dem Landeskonservator Grote. Müller hat
die Verhandlungen mit dem Herzoghause schon

mit dem Gedanken an eine zu schaffende
Staatsgalerie geführt. Grote hat alle die dem
Museumsdirektor zufallenden Aufgaben der
Auswahl und Anordnung der Gemälde mit
Geschick gelöst. Auch ein kurzer Katalog liegt
schon vor. In zarten Tönen sind die Räume
verschiedenartig behandelt, im Nacheinander
der Saalflucht eine feine Harmonie, die
Schmidt vom Bauhaus angegeben hat.
Für den Kunsthistoriker ist der Gemäldebesitz
des Landes Anhalt keine Überraschung. Das Go-
tische Haus in Wörlitz hatte durch seine alten
Niederländer und die Reihe prachtvoller Cra-
nachs immer guten Klang, und die Amalien-
Stiftung barg Ungewöhnliches neben viel Ge-
wöhnlichem, nur freilich in einer Anordnung,
die es dem Laien unmöglich machte, das wirk-
lich Gute herauszufinden. Die Räume im Goti-
schen Haus waren zudem dunkel und die Bil-


Petrus Christus Gemäldegalerie Dessau Kalvarienberg
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44 Der Cicerone, XIX. Jahrg., Heft 21
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