Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

Page: 746
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1927/0774
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
SAMMLER UND MARKT

DIE SAMMLUNG VICTOR HAHN
In nur 100 Exemplaren als Privatdruck her-
gestellt, bilden die beiden großen Bände, die
die Schätze dieser Sammlung umfassen, eine
besondere Kostbarkeit für den Kunstfreund
und Bibliophilen. Adolph Donath hat die
Katalogisierung des vielseitigen Bestandes mit
vorbildlicher Akribie besorgt und sich dabei
des Rates der besten Berliner und auch aus-
wärtigen Kenner erfreuen dürfen. Das impo-
sante doppelbändige Werk, dessen insgesamt
i5o Tafeln in Großquart in hervorragend
schönem Kupferdruck hergestellt wurden,
wird vom Herausgeber sehr klug eingeleitet,
wobei man die Kürze der Ausführungen zu-
gleich als besondere Würze goutiert. Donath
erzählt bei dieser Gelegenheit auch Amüsan-
tes über den Sammler Hahn, der verhältnis-
mäßig spät begonnen hat und sozusagen aus
einem bescheidenen Kunstschwärmer ein tem-
peramentvoller Kunstsammler wurde, zumal
er das große Glück hatte, in einer Zeit kau-
fen zu können, wo in Deutschland durch die
furchtbare Krise der Inflation jeder Wertbe-
griff schwankend geworden war.
Die Vielseitigkeit der Objekte spiegelt das
weite Interessengebiet des vortrefflichen
Publizisten Victor Hahn wider. Unter den Ar-
beiten in Ton gibt es ein Original des Ghi-
berti, unter den Holzskulpturen Werke von
Tilmann Riemenschneider und Hans Leinber-
ger. Die Abteilung der italienischen Bronzen
aber hat in Deutschland kaum ihresgleichen.


Taburett. Mesopotamien, 12. —15. Jahrh.
Gr. 21x17,5 cm) / Kat.-Nr. 27 der Auktion der
Slg. Skalier bei P. Cassirer-Berlin am 13. Dezember

Da gibt es Arbeiten von Riccio, Michelangelo,
Bandinelli, Sansovino, Roccatagliata und vie-
len anderen. Die Bilder sind nicht zahlreich,
aber von erlesener Qualität. Spinello Aretino,
Neri di Bicci, Baldoviftetti, Lorenzo di Credi,
auch der Greco-Freund Clovio sind neben an-
deren gut vertreten. Dann besitzt Hahn Ge-
mälde des Hans von Kulmbach, A.Benson und
als Hauptstück den Rembrandt, ehemals in der
Oldenburger Galerie. Einen besonderen Schatz
dieser Sammlung bilden endlich noch die
Werke der Kleinkunst, die Möbel und Tex-
tilien. Hier haben die italienischen Stücke das
Übergewicht, was man dem Dichter des ,,Ce-
sare Borgia“ wohl nachempfinden kann, der
diese Sammlung nicht museumsmäßig zusam-
menbrachte, sondern in erster Linie aus dem
Wunsch heraus, sich mit Schönheit zu um-
geben. Es bleibt schließlich nur das Bedauern,
daß viele, die es am meisten angeht, kaum je
in den Besitz dieser beiden wundervollen
Bände kommen werden, weil 100 Exemplare,
auf den Erdball verteilt, gar zu wenig sind.
Biermann
DEZEMBER-AUKTION BEI P. CASSIRER
Mit, der Sammlung Oskar Skalier, Berlin,
die am i3. Dezember bei P au 1C ass i r er ver-
steigert wird, kommt eine der wertvollsten äl-
teren Sammlungen persischer Keramik,
vornehmlich des i3. und ift. Jahrhunderts,
unter den Hammer. Die Ergebnisse dieser Ver-
steigerung werden deshalb besonders interes-
sant sein, weil ähnliche Kollektionen bisher in
Berlin öffentlich nicht zum Ausruf gekom-
men sind. Dr. Ernst Kühnei hat als kenntnis-
reicher Spezialist diesen Teil der Skallerschen
Sammlung, der 177 Nummern umfaßt, kata-
logisiert, beschrieben und mit einem Vorwort
versehen. Offenbar ist der Sammler vor Jah-
ren durch sein besonderes Interesse für die
impressionistische Malerei zu den koloristi-
schen Reizen orientalischer Fayencekunst hin-
geführt worden. Die Anfänge seiner diesbe-
züglichen Sammlertätigkeit runden sich aber
erst 1923 durch die Erwerbung der von Dr.
Draeger nach Berlin gebrachten Kollektion
persischer Fayencen ab. Das Gesamtgebiet die-
ser Abteilung hat der Bearbeiter in folgende
Einzelgruppen zerlegt:
1. Unglasierte Keramik aus Mesopotamien
(Nr. 1 bis 11); 2. Fayencen aus Raqqa (Nr. 12
bis 27); 3. persische Lüsterfayencen des i3.
Jahrhunderts (Nr. 28 bis 54); 4- sogenannte
Minai-Fayencen aus Raghes (Nr. 55 bis 74);
5. persische Fayencen des 11. bis i4- Jahrhun-

746
loading ...