Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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Frühe Frankenthaler Porzellanfiguren
Versteigerung am 28-/29. Oktober bei Hugo Helbing, München

SAMMLER UND MARKT

DIE SAMMLUNG PEARSON
Ein Wort noch über diesen prachtvoll ausge-
statteten, von Emil Waldmann bearbeiteten
und klug hevorworteten Katalog, bevor am 18.
Oktober die kostbaren Bilder dieser Samm-
lung auf der Versteigerung bei Paul Cassirer
in alle Winde zerstreut werden.
Dieser Katalog wird nämlich seinen wissen-
schaftlichen Wert behalten, auch wenn die Bil-
der längst neue Liebhaber gefunden haben,
einmal durch den einheitlichen Charakter, der
dank dem feinen Kunstgefühl dieses in Paris
verankerten Engländers die 74 Bilder zu einer
lebendigen Illustration der französischen Ma-
lerei gemacht hat (gleichgültig, ob dabei ein
volles Jahrhundert, nämlich das zwischen
Poussin und Corot übersprungen ist), nicht
minder auch, weil jedes der hier beschriebe-
nen und wissenschaftlich kommentierten Wer-
ke in einem erstklassigen Lichtdruck reprodu-
ziert ist. So ist diese an sich gar nicht große
Zahl an Gemälden in einem Katalog von statt-
lichem Volumen und vorbildlicher Ausstattung
für alle Zeit fixiert worden und bei der ho-
hen Qualität der Stücke kann man ein gewis-
ses Bedauern nicht unterdrücken, daß gerade
solche Einheitlichkeit gesprengt werden soll.
Denn welche Qualität der Objekte im Einzel-
nen bei aller Vielseitigkeit des Aspektes im
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Ganzen! Auch gewisse Meister zweiten Grades
erscheinen hier groß wie die Führer, weil der
Kennerblick das Beste wählte. Und dann diese
Perlen klassischer Kunst. Nicht zu reden von
den beiden Claudes oder den bereits von Waa-
gen in England bewunderten Poussins, aber
wann sind solche Corots, solche Courbets
neben den Impressionisten der 70 er Jahre je
auf einer deutschen Auktion gewesen (Maß-
stab der Qualität etwa der hier reproduzierte
köstliche kleine Puvis de Chavannes!) Und da-
zu die Fülle der Trouvails: Wer kannte einen
solchen Lepine, solchen Philipp Rousseau wie
dies saftige Stilleben mit Schinken, solchen
Lebourg, um nur ein paar Dinge zu nennen,
die jenseits der großen Dokumente liegen, die
wie die prachtvoll ausgesuchten Monets, Pis-
sarros, Sisleys (diese besonders beachtlich!),
die Malergeneration nach 1870 in sehr starken
Exponaten zeigen. Daß Manet und Renoir feh-
len, ist im Sinne des programmatischen Auf-
baus der Sammlung zu bedauern. Für dieses
Fehlen entschuldigt aber der hohe Rang der
übrigen Objekte. B
BERLIN
Am 1. November kommt bei Lepke die Samm-
lung Frau Anna Goldschmidt, Wien,
zur Versteigerung. Da gibt es zunächst Sil-
berarbeiten, vorwiegend Wiener Erzeugnisse
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