Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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Abb. l. Rob. van t’Hoff. Haus in Huister Heide bei Utrecht. 1915
Vorderansicht mit überdeckter Belonterrasse. Erste Verwirklichung des heute in Holland
herrschenden Stiles. (Aufgenommen August 1926.) G.
ÜBER DAS VERHÄLTNIS VON MALERISCHER
UND ARCHITEKTONISCHER GESTALTUNG
(MIT EINER EINFÜHRUNG ZUR STIJLBEWEGUNG, HOLLAND)
VON THEO VAN DOESBURG
Unser Bemühen, die Leser mit den verschiedenen Quellen des neuen Bauens bekannt zu
machen, legte uns nahe, auch Theo van Doesburg, den Mittelpunkt der Stijlbewegung
ums Wort zu bitten. Das Verdienst des Doesburgschen Kreises, der die eigentliche
Kernzelle der holländischen Bewegung bildete, besteht in dem Willen, auf jedem
Schaffensgebiet zu den elementaren Grundfragen zurückgegriffen zu haben. Wir
haben hier nicht zu fragen, wie weit dies erreicht wurde oder wie unsere eigene
Stellungnahme dazu ist. Wir haben hier nur die Konstatierung zu unterstreichen, daß die
Stellungnahme Doesburgs unbeirrt und früh erfolgte: Ij)17 — also zu einer Zeit, in
der man in Deutschland etwa das Poelzigsche Schauspielhaus plante. ■—- Wer die längst
vergriffenen ersten Stijljahrgänge durchblättert, findet darin die Namen, die heute
das Schild Hollands bilden, Oud, Bietvelclt, Mondrian usw. Man wird erkennen, daß
der Weg vom italienischen Futurismus nach Holland führt (Severini kommt in einer
Folge von Aufsätzen über die »Peinture d’avant - garde« gleich im ersten Jahrgang
zu Wort und seine und Boccionis Bemühungen um eine »vierte Dimension« in der
Malerei bilden wohl den Grundstock zu Überlegungen, die heute noch nicht abge-
schlossen sind). Neben diesen Leuten finden wir gleich zu Beginn des Stijls die Archi-
tekten Bobert van t’Hoff (Abb. 1) und Jan Wils (Abb. 2), die den Einfluß Lloyd
Wrights sehr früh — 191J und iyiy — selbständig umzuwandeln wußten; ferner
die Maler: Van der Leck ■— Vorgänger Mondrians — und den Ungarn Huszar, der
heute noch in Holland lebt, als einer der ersten bewußt Beklame mit den Mitteln
abstrakter Gestaltung verband und Architektur und Beklame als neue Einheit sah
(vgl. Kursaal und Theater in Scheveningen).
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