Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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So erhält man aus dieser Schau den Eindruck
einer sich parallel zu den großen mitteleuro-
päischen Kunstströmungen entwickelnden
Kunst. Von der hohen Qualität der schwe-
dischen Kunst, in der insbesondere die im-
pressionistische Richtung Meister von großem,
internationalen Ruf hervorgebracht hat, be-
kommt man jedoch nur Weniges zu sehen.
Poglayen-Neuwall
PERSONALIA
DER NEUE GENERALDIREKTOR DER
PREUSSISCHEN STAATSMUSEEN
Wie durch die Presse bereits bekannt ge-
worden, wird an Stelle des am i. Oktober in
den Ruhestand tretenden Geheimrat Ritter
von Falke der Posten des Generaldirektors
der Staatsmuseen mit Geheimrat Prof. Dr.
Waetzoldt, bisher Vortragender Mini-
sterialrat im Kultusministerium, besetzt
werden. Die Gesamtheit der Museumsdirek-
toren, vertreten durch Herrn von Falke, hatte
den Minister um diese Ernennung gebeten
und auch Wilhelm von Rode hatte sich die-
ser Ritte mit Nachdruck angeschlossen. Wir
glauben, daß keine bessere Wahl getroffen
werden konnte. Wilhelm Waetzoldt ist ein
Kunstgelehrter von europäischem Rang, ein
Geist von feinster Kultur, innig verbunden
den wirkenden Kräften unserer Zeit. Er wird
in seinem neuen Amt, zu dem er einen ge-
schulten Geschmack, einen achtunggebieten-
den Ruf als Gelehrter und die Kunst der
Menschenbehandlung mitbringt, die große
Aufgabe vorfinden, die Museen in höherem
Maße zu Instituten der Volksbildung zu ma-
chen, als es bisher geschehen ist.
Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir
in der Ernennung Waetzoldts das Zeichen für
die Beilegung des leidigen Museumskriegs er-
blicken, der unendlichen Schaden nach jeder
Richtung hin gestiftet hat. Wir würden dies
aus vollem Herzen begrüßen. Alfred Kuhn
Am 22. Dezember 1926 verstarb in Erlangen
der Staatsoberbibliothekar Dr. OttoMitius,
der sich mehrfach und mit Glück auch auf
kunstgeschichtlichem Gebiete betätigt und vor
allem die Dürer-Forschung durch eigene Bei-
träge bereichert hat. Auf diesem Gebiet war
er sowohl Mitarbeiter der Monatshefte für
Kunstwissenschaft, als auch des Cicerone (Dü-
rers Schloßhofansichten, XV. Jahrgang 1923).
Eine größere Arbeit erschien außerdem über
den gleichen Gegenstand unter dem Titel
,,Dürers Schloßhofansichten und die Cadolz-
burg bei Nürnberg“ im Verlag von K. ITierse-


Per Mansson Neapolitanischer Fischer
Ausstellung der Wiener Sezession
mann, Leipzig. — Der Tod dieses vielseitigen
und verehrten Gelehrten sei an dieser Stelle
nachgetragen im Anschluß an eine Gedächt-
nis-Publikation, die soeben die Bibliothek der
Universität Erlangen herausgebracht hat.
In Bozen ist Mitte Januar dieses Jahres einer
der letzten Tiroler Heimatkünstler, Benedikt
Schinle, gestorben, der einmal der Lehrer
des ermordeten österreichischen Thronfolgers,
des Erzherzogs Ferdinand gewesen war und
dessen Werke nicht nur historische, sondern
mehr noch religiöse Motive behandelten. r
Mit dem kaum 36jährigen Arkadij Mat-
wejewitch Pappe hat die Ermitage in
Leningrad einen ihrer tüchtigsten Mitarbei-
ter verloren. A. Pappe, geb. 1891 in Peters-
burg, war Schüler Karl Volls, A. L. Mayers
und Hugo Kehrers, seine Spezialität war die
niederländische und holländische Malerei. Auf
diesem Gebiet arbeitete er auch in der Ermitage,
wo er den neuen Katalog der Gemälde der hol-
ländischen Schule vorbereitete. Zahlreiche
Aufsätze veröffentlichte Pappe in ausländi-
schen und russischen Zeitschriften. Eine grö-
ßere, fast vollendete Arbeit über K. Saftleben
wird die Ermitage voraussichtlich aus dem
Nachlaß Pappes herausgeben. PE
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