Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 2.1891

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erlaubt ist, die Gesimse über die Basis Überhängen zu lassen. Eine
zu weit ausladende Basis wird sich weniger dem Auge unangenehm
bemerklich machen, als ein schweres überhängendes Haupt-Gesimse.
Gin solches an einem Bücherschränke oder ähnlichem Kastenmöbel,
welches zu weit ausladet, läßt den Schrank oben überhängend er-
scheinen und ein weit ausladender Sockel wird nicht im Stande sein,
diesen Fehler auszugleichen. Eine Vorsicht, welche beim Entwerfen

Ausgefübrt von Gebr. Armbrüster, Frankfurt a. M.

eines Schrankgesimses sehr gut angebracht ist, ist die, es an der Ecke
zu betrachten, wo seine Projektion vergrößert ist. Zu diesem Zwecke
ist es rathsam, einen Schnitt des Gesimses im Winkel von ((50 ^
zeichnen. — Beim Entwerfen von Aufsätzen sind Kunsttischler häufig ge-
neigt, Effekte durch Anhäufung von Gesimsen, Kehlstößen, geschwun-
genen Profilen und schmalen leisten
erreichen zu wollen. Dadurch geht
aber die schöne Kontrastwirkung,
welche durch das Einführen eines
rechteckigen oder quadratischen Theiles
zwischen zwei Gruppen von Gliedern
entsteht, völlig verloren.

Wenn ein zu einem beliebigen
Möbel passender und geeigneter Auf-
satz gezeichnet werden soll, so würde
zu bedenken sein, daß die Gesimse
sofort schwerfällig erscheinen, wenn
sie in einem Giebel geführt werden.

Ein solcher Giebel in Form eines
Tempeldaches sieht außerordentlich
schwerfällig aus; ist derselbe hingegen
nur in Form eines sogenannten Auf-
satzes angebracht, so gewährt er wie-
derum in der Seitenansicht einen dürf-
tigen Anblick. Diesen Uebelständen
sucht der offene Giebel zu begegnen
und darum sind die letzteren auch die

Aeöev Sie NeHanSkung orientalischer -G-
Teppiche.

n den meisten Fällen wird der große Fehler begangen, die geknüpften
orientalischen Teppiche — meist schlechthin mit „Smyrna-Teppich" be-
zeichnet — gleich vom ersten Tage der Ingebrauchnahme an mit
scharfen Besen zu kehren; dies ist grundfalsch; denn hierdurch wird die
wolle zerrissen, zerzaust, und binnen kurzer Zeit werden durch Abkehren des edlen
Materials diese kostbaren Teppiche völlig ruinirt.

Die allein richtige Behandlung solcher orientalischer Teppiche ist folgende:
Während der ersten drei Wochen werden die, durch das Betreten der Tep»
piche sich bildenden, Wollslocken durch tägliches Kehren mit gewöhnlichen Borst-
besen entfernt; wenn nöthig, ist eine Nachlese mit der Hand vorzunehmen.

Durch s—-^wöchentlichen täglichen Gebrauch werden die Woll-Schlingen
(Knoten) sestgetrcten, die Wollfaser hatte Zeit, sich zu beruhigen und das Flocken-
bilden wird nach und nach fast gänzlich aufhören. Das tägliche Kehren mit dem
Borstbesen wird fortgesetzt und wird jetzt, nachdem das Flockenbilden nahezu auf-
gehört, ein (je nach dem Verkehre in dem betr. Raume zu bemessendes) ein- oder
zweimaliges wöchentliches Kehren des Teppichs mit einem Ruthen- oderpiassavabeserr
zu empfehlen sein. Das Kehren hat nie gegen, sondern stets mit dem Striche zu,
geschehen. Alle 6—8 Wochen ist der am besten über eine Stange zu hängende
Teppich auf der Rückseite kräftig zu klopfen, zu welcher Prozedur glatte, starke
Haselnußstöcke am geeignetsten sind. Nach dem Klopfen ist der Teppich auf Rück-
und Vorderseite gut abzukehren.

Dienstboten, welche nicht gehörig instruirt werden, kehren natürlich so lange^
auf dem Teppiche herum, als überhaupt etwas abzukehren vorhanden ist und da ist es
denn natürlich, daß der theure Teppich binnen kurzer Zeit unansehnlich, struppig wird.

Wie überall in der Welt, so auch hier.
Nicht durch den Gebrauch, sondern durctz
den Mißbrauch werden selbst die wider-
standsfähigsten Gegenstände ruinirt.

Bei richtiger Behandlung aber behalten,
die aus reellen Fabriken hervorgegangeneu
Knüpstexxiche ihr schönes „warmes" Aus-
sehen ans Jahrzehnte hinaus.

Abbildung Nr. 2S8. Meurrbörke und Geräthe

Von Paul Stotz in Stuttgart.

Nas Pokiren äesWaSaKers.

Nachdem das zu fertigende Stück vollen-

beliebtesten und mit Recht viel mehr angewendet, als die geschloffenen.
Diese gehören der Außenarchitektur an, sie schützen das Fenster vor
dem Wetter und haben ihre große Berechtigung dort, nicht aber in
Znnenräumen, über Thüren und Schränken. Je flacher ein Giebel,
desto leichter seine Wirkung; es gibt eine gewisse Grenze der Schwere
und Schrägung, über welche heraus und herein zu gehen nicht rathsam
ist, namentlich gilt dies für alle von den äußeren Ecken der Kehlung
aufspringenden Giebel, da die sichtbare Tiefe derselben durch das
Keberhängen zunimmt. Der solchen Aufsätzen oder Giebeln eigene,
für Möbel ungünstige Eindruck wird gemildert, ja manchmal ganz
vermieden, wenn die beiden ansteigenden Schrägen etwas von den
äußeren Ecken abrücken, so daß das Gesims vor der Erhebung erst
2 kurze Strecken horizontal läuft. Moderne Zeichner verwenden aus
Gründen der Sparsamkeit vielfach aus dünnem Holz ausgesägtes Hllofil-
werk zu Aufsätzen, namentlich bei wohlfeilen Möbeln, das, auf die
Gesimse gestellt, zwar nicht besonders reich wirken kann, jedoch den
Vorzug der größeren Leichtigkeit hat; auch kann es an den Seiten
ebenso gut angebracht werden, als vorn. Welcher Art jedoch solche
Aufsatzverzierungen und Gesimse immer sein mögen, das Auge muß
stets einen angemessenen Raum zwischen dem Ornament und der
Decke finden, denn in Zimmern, wie wir sie im Alltagsleben zu
finden gewöhnt sind, würde es auf den Bewohner fast durchweg be-
ängstigend wirken, wenn die Möbel oder auch nur die Verzierungen
derselben, bis fast an den Hllafond reichen würden und sich an diesem
zu stützen schienen. (Ztschr. f. Drechsler.)

HU

bet und möglichst recht sauber geschabt
und gefeilt ist, dann mit Bimstein unk
Wasser recht sauber geschliffen ist, schleift
man die zu xolirende Fläche mit Schachtel-
halm, den man vorher einige Zeit an ei-
nen feuchten Grt gelegt hat, damit er ge-
schmeidig wird, nochmals ab. Hieraus bereitet
man von gelöschtem Kalk und Wasser einen
Brei und reibt mit diesem die zu xolirende
Fläche tüchtig ab, wodurch eine reine, sein
matte Gbersläche entsteht, dann schleift man
mit weißer Wolle und feinem abgestäubtem
Alabasterpulver nach. Zuletzt nimmt man
sein geschabte und geschlemmte Kreide unk
venetiauische Seife, macht dieses mit Wasser zu einem mäßig steifen Teige an unk
reibt mit einem reinen wollenen Lappen die zu xolirende Fläche so lange tüchtig
bis sie warm wird und bis man sieht, daß der Alabaster die Seife eingezogen unk
eine seine Politur angenommen hat. vor dem jedesmaligen Aufträgen dieser
Polirmischung muß die vorhergegangene vollständig eingerieben sein, man kann
dieser Mischung auch etwas Federweiß zusetzen, es verleiht der Politur einen an-

Abbildung Nr. 26y. Vbevllchkgitiev von Gebr. Armbrüster.

genehm weichen Schmelz bezw. Glanz. Ebenso kann man den Alabaster, nachdem
er sauber geschliffen und mit Schachtelhalm abgerieben, mit weißgebranntem unk
pulverisirtem Hirschhorn xoliren, doch muß dann zuletzt noch mit einem Brei aus
venetianischer Seife und fein gepulverter und geschlemmter Kreide und etwas
Wasser mit einem reinen leinenen Lappen nachxolirt werden. Das oben ange-
gebene erstere Verfahren führt besser zum Ziel und läßt sich auf diese weise eine:
in jeder Beziehung zufriedenstellende Politur Herstellen.

Seite (78.

Zllustr. kunstg ew erb l. Zeitschrift für „Innen-Dekoration".

Dezember-Heft.
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