Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

Page: 170
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1927/0192
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
PARIS
Die meisten modernen, periodisch im Hotel
Drouot stattfindenden Versteigerungen sind
sogenannte ventes composees, die von mehre-
ren marchand-amateurs beschickt, oft be-
kannte Namen nur als Aushängeschild benut-
zen und dunkeln Zwecken dienstbar sind, wie
dem, den Preis für einen Künstler öffentlich
in die Höhe zu treiben — oder auch, ihn zu
verderben. Anders die Versteigerung Nor 6-
ro. Die Sammlung, die hier auf den Markt
kam, zeugte von wahrer Kennerschaft und
bot ein homogenes Ganzes, das weniger auf
Namen als auf Qualität hin angelegt war. Da-
her ein bemerkenswert scharfes Anziehen der
Preise für repräsentative Bilder zeitgenössi-
scher Meister. Ein Stilleben von Vuillard kam
auf 3iooo Frs., „Der Angeklagte“ von Rou-
ault, ein Ölbild, auf 35 ooo Frs., von Bonnard,
„Halbakt einer jungen Frau“ auf 44 ooo Frs.,
„Junges Mädchen mit Tasse“ auf 34ooo Frs..

Begehrt waren auchNeoimpressionislen. Gross’
„Dorfball“ brachte 3oooo Frs., eine Stam-
bullandschaft Signacs 20 ooo Frs. DerGesaml-
erlös für 116 Nummern betrug etwa 1 Mil-
lion Franken. (Vgl. hierzu die Liste in den
Versteigerungsergebnissen dieses Heftes. Die
Schriftleitung.) Ds

EIN UNBEKANNTER TIZIAN
Im Wiener Kunsthandel ist ein unbekanntes
Frühwerk von Tizian aufgetaucht, ein Halb-
figurenbild einer Madonna mit Kind, das noch
stark von Giorgionc beeinflußt ist und zeitlich
der „Zigeuner-Madonna“ im Wiener Kunst-
historischen Museum nahe steht. Das Bild,
das infolge seines ausgezeichneten Erhaltungs-
zustandes ein ungewöhnlich gutes Beispiel für
die Farbigkeit des frühen Tizian bietet, ist in
Mischtechnik ausgeführt und mißt 64x5ocm.
P-N


Paul Slevogt Blühender Birnbaum
Versteigerung der Sammlung Leon Lewin am 12. April durch Paul Cassirer, Berlin
loading ...