Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

Page: 366
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1927/0388
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
der venezianischen Zeit, eine Hexenverbren-
nung von Lucas, in Logas Buch noch als Goya
aufgeführt, und ein Volksfest von dem auf
dem Kontinent so seltenen Bonington. Die
beiden letztgenannten Stücke wurden bereits
im letzten Heft abgebildet. K
BERLIN
Die Versteigerungen, die vom 17. bis 19. Mai
bei Cassirer stattfanden, standen nicht unter
dem ungünstigen Stern, den man ihnen nach
dem schwarzen Freitag prophezeit hatte. Für
das Berliner Publikum war es eine interessante
Erfahrung zu bemerken, welche hohen Preise
auch für Bilder bezahlt werden, die nicht die
augenblickliche geschmackliche und kunsthisto-
rische Schätzung besitzen. So hat man für ein
Zigeunerbild von Josef v. Brandt 5ioo Mark
gegeben, für ein Ernlebild von Adolf Lier
55oo Mark, für ,,Kühe“ von Voltz 44oo Mark.
Bei dieser Gelegenheit kann dann gleich er-
zählt werden, daß an demselben Tage bei
Bangel in Frankfurt a. M. eine Versteigerung
ähnlicher Meister war, bei der das gleiche
Preisniveau erzielt wurde. So für eine Szene
aus dem 3ojährigen Kriege von Josef v. Brandt
10000 Mark, für ein Bild von Otto Gebier
„Besuch im Stall“ i4 5oo Mark, für „Die Ver-
haftung des Reformators John Brown“ 22 000
Mark und für „Eine fröhliche Heimkehr“ von

Ludwig Knaus i4ooo Mark. Dies nur in Pa-
ranthese.
Die bei Cassirer sich anschließende Sammlung
Bejaczevich ergab sehr gute Preise für Möbel
und riesige für Samte, wie übrigens erwartet
wurde. Ein gotisches Stück mit Granatapfel-
muster wurde mit 5100 Mark bezahlt.
Der große Clou jedoch dieser Versteigerungs-
tage war die ost-asiatische Sammlung Walter
Bondy. Sie fand die gebührende Schätzung,
wie überhaupt zu konstatieren ist, daß der Ge-
schmack an ostasiatischer Kunst, besonders in
Berlin, in ständigem Steigen begriffen ist.
Vielleicht mag dies auf die außerordentlich
rührige und zielsichere Tätigkeit der ostasia-
tischen Gesellschaft zurückzuführen sein. Das
prachtvolle T’ang-Kamel, das wir unlängst
abgebildet haben, wurde mit 535o Mark be-
zahlt. Die drei T ang-Tänzerinnen mit 5ioo
Mark, das gesattelte T’ang-Pferd mit 1800
Mark. Es scheint, daß der größte Teil der
Waren in Deutschland, besonders in Berlin,
geblieben ist. K
BERICHTIGUNG
Zu der Tizians Bildnis des Alfonso d’Este be-
treffenden Notiz im letzten Heft dieser Zeit-
schrift (S. 333) sei berichtigend nachgetragen,
daß das Bild erstmalig von A. L. Mayer im
„Münchner Jahrbuch“ 1925 als Tizian ver-
öffentlicht worden ist. n


Cezanne Venus und Amor
Aus der Versteigerung der Sammlung Zoubaloff
bei Georges Petit, Paris, am 16. und 17, Juni
566
loading ...