Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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Gillis van Coninxloo Landschaft mit Parisurteil
Flämische Landschafts-Ausstellung der Galerie Dr. Gottschewski-Dr. Scliäffer, Berlin
de Mompers in Chemnitz erwähnt werden, die einen der entwicklungsge-
schichtlich bedeutendsten Meister in neuem Lichte zeigte. — Diesen Aus-
stellungen reiht sich nun die Schau flämischer Landschaften des 16. und
1 7. Jahrhunderts, die die Galerie Dr. Gottschewski-Dr. Schäffer in Berlin
dieser Tage dem Publikum zugänglich gemacht hat, würdig an. Sie enthält in
etwa 130 Bildern und 30 Zeichnungen aus deutschem und ausländischem
Privatbesitz und aus den eigenen Beständen der Firma, ergänzt durch Stücke
aus dem Kunsthandel, meistens auf Ausstellungen noch nicht gezeigte Werke,
durch deren Auswahl allein die Ausstellung Sinn und Bedeutung erhält.
Die Entwicklungsgeschichte der flämischen Landschaftsmalerei ist mehr als die
der holländischen durch den Widerstreit phantastischer Formen und porträt-
artiger naturnaher Ansichten gekennzeichnet. Das Verbundensein und das Ab-
rücken von der Natur legt die Stellung der einzelnen Meister innerhalb dieses
Konfliktes fest, nicht ihre Bedeutung für den geschichtlichen Ablauf, der sich
bisher nicht eindeutig fixieren läßt.
Die flämische Landschaftskunst ist von der Lokalfarbigkeit nie losgekommen.
Pieter Brueghel zieht seine Hauptwirkung aus dem Nebeneinander hell leuch-
tender Farbflächen. Und selbst so tonige Landschaften wie die Brouwers oder
T eniers’ verzichten nicht auf den Effekt eines kräfti g auf leuchtenden Blau oder Rot.
Wogegen in Holland einKünstler wie Averkamp verglichen mitGoyen eine singu-
läre Erscheinung darstellt, die sich in die flämische Kunst gut einfügen ließe.
Im 15. Jahrhundert war die Landschaft Hintergrund, Folie für die großfigurige,
figürliche Aktion des Vordergrundes. Ein Nachklang dieser bildlichen Auffassung
ist noch in der ausgestellten, bezeichneten Madonna der Catherina van He-

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