Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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Joos de Momper Die Landschaft mit der Burg
Aus der Ausstellung der Galerie Dr. Gottschewski-Dr. Schaffer, Berlin
DAS FLÄMISCHE LANDSCHAFTSBILD
VON ALFRED SCHARF
Noch vor wenigen Jahren stand im wesentlichen die holländische Landschafts-
kunst des 17. Jahrhunderts im Mittelpunkt des kunstgeschichtlichen Interesses.
Die stilistische Entwicklung, in Holland durch eine Fülle bezeichneter und da-
tierter Werke gesichert, ist dagegen in Flandern recht widerspruchsvoll, die
wissenschaftliche Erforschung des Gebietes erst in den Anfängen. Charak-
teristika der holländischen Malerei wie die Tonigkeit und das Helldunkel ent-
sprachen der Sehweise des Impressionismus ^ das Zurücktreten der künstlerischen
Handschrift hinter die Darstellung der Objekte, wie wir sie etwa bei Jacob van
Ruysdael finden, kennzeichnet die Vorliebe für das Inhaltliche. Demgegenüber
ist das rein Artistische der flämischen Landschaften zu betonen. Vor dem
Effekt der Mal weise vergißt man häufig den gemalten Vorwurf.
Eine erste umfassende Übersicht über das weite Gebiet suchte die retrospektive
Ausstellung des Brüsseler Museums, die im vorigen Jahre stattfand, zu geben.
In mehr als vierhundert Bildern waren die wichtigsten Meister der Landschafts-
malerei von Patinir bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vertreten. Ein Zeichen
der neuerlichen Schätzung der flämischen Malerei sind die bedeutsamen Aus-
stellungen der flämischen Kunst des vergangenen und dieses Jahres. Die meisten
— so Bern, Budapest, London — führten die Landschaftsmalerei nur im Rah-
men einer Gesamtschau in wenigen charakteristischen Werken vor, während
das Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin seine in letzter Zeit mit glücklicher
Hand vermehrten Bestände zeigte. Hier muß auch die Kollektivausstellung Joos
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45 Der Cicerone, XIX. Jahrg., Heft 22
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