Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 3.1892

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Seite H8.

Zllustr. kunstgewerbl. Zeitschrift für „Znnen-Dekoration".

Zanuar-l)eft.

Much ein wichtiges -Wtück bei ^Wohrrungs-Minrichtung.

eitdem sich in neuerer Zeit auf dem Gebiete des häuslichen Lebens ein
bedeutender Umschwung vollzogen hat und in allen Kreisen das Streben
nach einer verfeinerten Lebensführung und erhöhtem Komfort zu Tage tritt, hat
es auch die Industrie alsbald mit Glück verstanden, sich dieses Streben dienstbar
zu machen und durch feinfühliges Eingehen auf die wachsenden Anforderungen
des Publikums sich ebenso dankbare als lukrative Absatzgebiete zu schaffen. Nicht
nur hat sich auf diese Weise das Produktionsgebiet und der Gesichtskreis bereits
bestehender gewerblicher Branchen bedeutend erweitert, sondern es haben sich darauf-
hin eine ganze Reihe von selbständigen Industriezweigen entwickelt, die schnell zu
entsprechender Bedeutung gelangt sind.

Was wir gesagt haben, gilt nicht an letzter Stelle von der Fabrikation des
Herdes, dieses altehrwürdigen Inventarstückes der Küche, das wohl als un-
entbehrlichstes Gebrauchs-
stück einer häuslichen Ein-
richtung gilt und mit dem
Wirken und Walten der
Hausfrau so streng verknüpft
ist, daß das Wort „ein häus-
licher Herd" von jeher als
der Inbegriff des häus-
lichen Wohlbehagens und
Komforts gegolten hat.

Mit dem Bedürfniß
nach feineren resx. schöneren
und künstlerisch ausgestat-
teten Häusern und Woh-
nungen konnten auch die
Küchenmöbel und in erster
Linie der Kochherd, diese
wichtigste Haushaltungs-
maschine, nicht Zurückblei-
ben. von Jahr zu Jahr
wurde mehr Werth auf die
Ausstattung des Kochherdes
gelegt; von den gewöhn-
lichen gemauerten massiven
Herden kam man auf die
außen wohl gefälligeren,
aber unpraktisch und vor
Allem unökonomisch kon«
struirten Fayence- oder por-
zellanherde, welche sehr
bald durch die beliebten
Erzeugnisse der Ersten
Darmstädter Herdfa-
brik und Eisengießerei
Gebrüder Roeder verdrängt wurden. Die Konstruktion dieser Herde ist wohl als
eine vollkommene zu bezeichnen. Nit äußerst wenigem Brennmaterial wird unge-
nrein viel geleistet und dies Alles auf einem verhältnißmäßig kleinen Raum. In
der Konstruktion der Herde hat sich denn auch in den letzten zs—20 Jahren nichts
geändert; dagegen ist in der äußeren Ausstattung umsomehr geschehen. Außer den
Herden mit schwarz lackirten Wänden und polirten Beschlägen fertigt obengenannte
Firma solche mit Marmor oder in beliebigen Farben emaillirt. Jedenfalls das
Schönste und dabei Solideste sind aber die Herde mit Majolikabekleidung (siehe
obenstehende Abbildung), welche in feineren Haushaltungen sich eines ungetheilten
Beifalles erfreuen. Diese Herde sind six und fertig aus der Fabrik zu beziehen,
also transportabel. Die Majolikabekleidung besteht aus einzelnen aufgeschraubten
Plättchen, welche ungemein hart und dauerhaft sind. Die Herde sind durch ein- !

faches Abwaschen rein zu halten, und die Malerei der Plättchen wird auf Wunsch
in jeder Farbe und Ausführung geliefert, von den beliebtesten sind stets eine An-
zahl Herde in dem reichhaltigen Musterlager der Fabrik vorräthig; ebenso alle
sonstigen Herde von dem kleinsten Haushaltungsherd bis zu den größten Hotelherden.

Das Hauptxrinzip bei der Konstruktion der Herde ist, dem Feuer einen stei-
genden Lauf zu geben, um hierdurch jede Ecke der Kochplatte gleichmäßig zu
erwärmen, ebenso den ganzen Bratofen von allen Seiten zu umspülen und dann
noch außer dem entsprechenden Wasserschiff einen Wärmeofen zu unterhalten. Dies
wird nicht nur bei kleineren Haushaltungsherden nur durch ein Feuer erzielt,
sondern auch bei den größten Hotel- und Restaurant-Herden werden alle Theile
durch ein verhältnißmäßig kleines Feuer bedient. Außerdem werden auch auf
Wunsch in allen über einen Meter langen Herden Wasserheizungen angebracht,

welche sich in der Praxis
vortrefflich bewährt haben,
jedoch nur bei größeren
Kerden ihre Anwendung
finden können.

In hohem Grade in-
teressant ist es auch, den Ge-
schmack und die Gebräuche
der verschiedenen Völker-
schaften an den Kochma-
schinen kennen zu lernen,
wie der Norden das Ein-
fache, Solide liebt, der Süd-
länder die reichere Dekora-
tion, Arabesken rc. Man
sieht hier eine Anzahl Herde,
bestimmt für den Grient,
mit einem eigens damit
kombinirten Geflügelbrater,
andere mit offenem Rost-
feuer (Rechaud), andere
wieder mit selbstthätigem
Bratspieße. Außer den
schmiedeisernen und guß-
eisernen Herden gibt es noch
solche in weißer und bunter
Fayence und, wie schon oben
erwähnt, in Majolika mit
vernickelten Beschlägen, das
Kunst- und Geschmackvolle
mit dem Soliden in har-
monischem Vereine, dann
Bratroste, Bratspieße mit
Uhrwerk, horizontal und
vertikal drehend, in allen möglichen Dimensionen, Konstruktionen und Ausstattungen,
Wärmeschränke und Spülkessel für Hotelküchen, Backöfen und viele andere praktische
Gegenstände zum Gebrauche in der Küche.

Auf allen Industrie- und Fachausstellungen, welche beschickt wurden, erhielten
die Fabrikate die ersten Auszeichnungen, so im Jahre Z87 7 auf der Spezialausstel-
lung für Heizung und Ventilation in Kassel die einzige höchste Auszeichnung für
Kochherde unter ca. 25 deutschen Ausstellern. Schließlich erwähnen wir die erfreu-
liche und interessante Thatsache, daß die Firma Gebrüder Roeder bis jetzt über
^50,000 Kochherde zum versandt gebracht hat.

Die Fabrikate genannter Firma sind durch jede renommirte Eisenhandlung
oder Spezialgeschäfte für Haus- und Küchen-Einrichtungen zu beziehen und an solchen
Plätzen, wo sich keine Niederlage befindet, wird direkt geliefert.


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