Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 3.1892

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Verbreitet in allen Knlturstaaten. — Vertreter in Leipzig: Eduard Schmidt,
Querstraße zp — Erhältlich durch jede Buchhandlung des In- und Auslandes.—
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lich. Telegr.-Aor.: Verlag Koch, Darmstadt.

III. Jahrgang.

Darmstadt, im War 1892.

Mar-Heft.

Verkehr mit den "Handwerkern bei Einrichtung undMusfchmiickung

von Mtto Schulze, Köln.

on dem „gesellschaftlichen" Umgang bekommen schließlich Viele
einen Begriff, von dem Umgang mit „Menschen" schon
weniger — der Umgang mit Handwerkern, richtiger: ein
ersprießlicher Verkehr mit ihnen, ist
nur Wenigen eigen. Mag dieser
Ausspruch auch sonderbar klingen,
er ist darum nicht weniger wahr!
Air uns, die wir uns in erster Linie
der „Schmückung unseres Heims"
und seiner „wohlbehaglichen Aus-
stattung und Einrichtung" zuwenden
— zeitigen obige Worte fast eine An-
klage, die sich schon lange aus den
Werkstätten gegen uns erhoben haben
würde, wenn es bisher dazu nicht
an einem gewissen Muth gefehlt
hätte. — Handwerker dürfen sich in
gewissen Fällen überhaupt nicht mucksen, sie müssen ja froh sein, daß
"Mn ihnen noch direkt Aufträge ertheilt. — Ich habe mir hiermit die
Aufgabe gestellt, Thatsachen in Beleuchtung zu ziehen, die eine Besse-
rung, ja sogar eine Beseitigung dringend erheischen. So viele Museen
und Schulen, Handwerker-, Fortbildungs- und Aunstgewerbe-Schulen sich
bisher Mühe gaben, unter Aufwendung ungeheurer Mittel an Zeit,
Held und Araft, das Handwerk zu heben, die Aunst im Handwerk
uueder zu neuer Blüthe zu bringen durch: Heranbildung tüchtiger Hand-
werker und Zeichner, durch fortwährendes Handinhandgehen, durch steten
uegen Meinungsaustausch und Rath-Einholung und -Ertheilung,—- —
^us große fdublikum selbst hat es leider immer noch nicht gelernt, in
wichtiger, für beide Theile vortheilhafter Weise mit Handwerkern zu
verkehren. Einem Bekleidungskünstler wird oft für die bessere Heraus-
butzung des lieben „Ichs" manche kostbare Stunde geopfert — mit

einem Handwerker dagegen, der andere profane Dinge für das Leben
fertigt, haben wir schon viel weniger Zeit übrig, und der mehr Be-
güterte läßt vielfach seine Gnade erst durch Dritte für sie leuchten. Der
Hauptgrund hierfür liegt darin, daß sogenannte „Werkstattsbesuche" so
selten geworden sind. Atelierbesuche gehören zur Tagesordnung, weil

Modesache-nur selten bleiben mal Hobellocken am Meide oder

Eisenspähne an einem Rocke hängen, und wie oft hätte die Ursache
solcher Anhängsel mit dazu beitragen können: etwas mehr Individualität
als Nüchternheit und Geschraubtheit in unsere Wohnungen zu bringen.
Und wenn wir noch so viel Aesthetik getrieben, so und so viel Rezepte
für Wohnungsausstattung auswendig gelernt haben, niemals ersetzen
sie uns den direkten Verkehr mit unfern Handwerkern. Erst die prak-
tische Verwerthung einer Sache zeigt uns, ob sie gesund und gut ist.
Wir können gar nicht unpraktischer werden, als daß wir uns selbst mit
Dilettanten-Uünsten befassen und darüber die Handwerker vergessen.
Gewiß, es gibt eine ziemliche Anzahl von Handwerker- — Aunsthand-
werker-Mäcenen will ich lieber sagen — die durch ihren Verstand, Herz
und Geldbeutel die Bestrebungen der Museen und Schulen ins ^praktische
übersetzt haben; aber ihrer könnten viel mehr sein, wenn die Bequem-
lichkeit und Theilnahmlosigkeit in dem Ureise der Besteller geringeren
Umfangs wäre. — Was versteht man unter „nationales Aunsthand-
werk" ? Doch nicht etwa die Leistungsfähigkeit von einer gewissen Aaste,
sondern das Ergebniß des Verkehres zwischen Auftraggebenden und
Ausführenden. Fast fünfzehn Jahre dauert das Fangspiel mit den
Stil-Epochen und ihr Wechsel mit den Frühjahr- und Herbstmoden.
Ja, wir können heute Alles so sehr bequem haben, brauchen uns nicht
erst lange mit Handwerkern herum zu streiten, nicht lange zu warten

-— und sind wir einer Sache überdrüssig: wir haben im nächsten

Dekorationsgeschäft schnell etwas Neues. An Wissen und Wollen fehlt
es vielfach wahrlich nicht; wir könnten Manches von unserm ureigenen
Ich unserm Heim aufprägen, wenn wir die Lust und Liebe besäßen,
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