Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 3.1892

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5eptember-k)eft.

Zllustr. kunstgewerbl. Zeitschrift für Innen-Dekoration.

Seite f63.

^ Ausstellung von Wohnungs-Einrichtungen
und verwandter Gewerbe im
Landes-Nusstellungsgebäude zu Berlin.

LHie auf Betreiben der Tischleriunung und der freien Vereinigung der Holz-
industriellen ins Leben gerufene Ausstellung ist zwar keine große, aber —
vielleicht gerade deßwegen — eine desto erfreulichere, wirkt sie auch nicht ganz
so überraschend wie die Berliner Gewerbeausstellung von ;879, die, man kann
sagen, die Geburtsstätte des Glaubens an ein deutsches Kunstgewerbe war, so
bietet sie doch des Interessanten — und namentlich für unsere Leser — eine ganze
Menge und erfreulicher weise auch Leistungen, die den Fortschritt über jene erste
Ausstellung deutlich offenbaren.

Während damals ein erstes Erwachen zu künstlerischem Schaffen sich in naivem
Nachahmen aller möglichen, eben erst entdeckten vorzeitschätze bethätigte, sind die
bewußten Fortbildungen zu selbständiger moderner Kunst diesmal deutlich wahr-
nehmbar, wenn auch natürlich die große Menge, wie alle Zeit, auch jetzt noch gern
die ausgetreteneren Pfade sucht. Aber diese wandelt sie auch sicherer, auch korrekter.
Die Blendlinge sind seltener geworden. Das Technische ist nirgend „billig und schlecht".

Auf die Einzelheiten näher einzugehen, muß einer späteren Besprechung vor-
behalten bleiben; jetzt — kurz vor Drucklegung dieses Heftes — „ur noch einige
allgemein orientirende Bemerkungen!

Die Mehrheit der Ausstellungsgegenstände ist, entsprechend den früheren Ver-
anstaltungen, in einzelnen Kojen derart vereinigt, daß harmonische Gesammtbilder
erzeugt werden, unzweifelhaft das vortrefflichste Mittel, dem großen Publikum das
Interesse für das Kunstgewerbe näherzurücken. Der Erfolg ist denn auch ein ganz
bedeutender. Die Ausdrücke des Entzückens, namentlich aus Damenmunde, sind
die unverfälschtesten, und man weiß ja, daß sich weibliches Entzücken für den Herrn
Gemahl sehr bald in — Rechnungen umsetzt, so daß auch an dem materiellen
Erfolg der Ausstellung nicht zu zweifeln ist.

Bei dem Streben, sich ins beste Licht zu setzen, sind natürlich auch alle Ge-
schmacksrichtungen reichlich vertreten; leider hat dabei, wie freilich erklärlich, der
gewöhnliche billige Hausrath nicht diejenige Berücksichtigung erfahren, die er ver-
dient. Seine Ausbildung hätte eigentlich als brennendste moderne Frage besonders
in den Vordergrund gestellt werden müssen. Andererseits hat dadurch natürlich
der Luxusgeschmack an Musterbeispielen gewonnen. Einige der Kojen, darunter
namentlich zwei japanische, ferner ein Bibliotheksaal in reichster, graziösester
Renaissance, einige Sxeisesäle, gothische und Rokokoräume, sind von höchstem Reiz,
trotzdem die Zeit zu ihrer Herstellung aufs Knappste bemessen war. Line allgemeine
Geschmacksrichtung hat sich, wie man sieht, auch jetzt noch nicht Bahn gebrochen;
alle Stilarten werden durchprobirt und ganz Neuartiges wird nur von wenigen
gewagt, wo es zu Tage tritt, soll es demnächst eingehende Würdigung finden.
Das Gewohntere und dabei Geschmackvolle findet sie schon von selbst, soll indessen
auch nicht todtgeschwiegen werden. Der Erfolg ist im Ganzen keinem Zweifel
mehr unterworfen — nicht zum wenigsten durch die allgemeine Anordnung, die ein
Verdienst des vortrefflichen Architekten Karl Hoffacker ist. — B. A.


„Brauchbare Skizzen für Innen-Dekoration" nennt sich ein Vorlage-
werk, welches, dem Pinsel des genialen Dekorationsmalers Emil wichmann
entstammend, soeben im Verlag der wohlbewährten Firma Kanter L Mohr,
Berlin, erschienen ist. — von dem vielen, was heutigen Tags in diesem Grade
auf den Markt gebracht wird, muß leider das Meiste erst von dem Käufer, nicht
selten zur trüben Erfahrung des Letzteren, auf die Brauchbarkeit durch lange, oft
kostspielige Proben geprüft werden und es muß daher mit besonderer Freude ein
Werk begrüßt werden, dessen Inhalt bereits durchweg die Feuerprobe der praktischen
Verwerthbarkeit bestanden hat. In der That, der gediegene Inhalt rechtfertigt
vollkommen den im ersten Augenblick etwas selbstbewußt klingenden Titel des um-
fangreichen und vielseitigen Vorlagewerkes.

Die Farbengebung ist auf jedem einzelnen Blatt eine mit denkbarster Sorgfalt
und Schönheitsgefühl ausgewählte. Wir sehen hier keine lediglich auf Effekt-
hascherei begründeten Pinseleien, das Auge ruht mit Wohlgefallen auf der herrlichen,
ruhigen und dabei doch in jeder Beziehung lebendig wirkenden Harmonie. Der
Farbenwahl schließt sich die Formengebung und dieser wieder die seltene Fülle von
Motiven, die von einer wirklich genialen Schaffenskraft des Künstlers beredtes
Zeugniß geben, in anmuthigster weise an. Für alle die zahlreichen Fälle, welche
bei der Innen-Dekoration der Häuser Seitens des Malers in Frage kommen, finden
sich die verschiedenartigsten Beispiele. Wandfüllungen, Plafonds für alle möglichen
Arten von Zimmern, Thürfüllungen für Damen-Zimmer, Thür- und Fenster-
Umrahmungen, Trexpenhausschmuck, Allegorische Darstellungen usw. wechseln in
bunter Reihe mit ornamentalen und figürlichen Wandfriesen, großen Wandgemälden

für Restaurationen rc., Fassaden-Entwürfen usw. Dabei ist selbstverständlich einfachen
und verwöhnten Ansprüchen mannigfaltigst Rechnung getragen und auch in Bezug
auf Stilarten wird Jeder genügend Abwechselung finden.

Die Detailzeichnungen zu den Skizzen in natürlicher Größe sind sämmtlich
von der Verlagsbuchhandlung erhältlich.

Ziehen wir das Gesagte nochmals kurz zusammen, so müssen wir konstatiren,
daß das Werk von Anfang bis zu Ende nur Gutes bietet und jeden Käufer sicher
voll und ganz befriedigen wird, zumal auch der Preis von Nk. SO im Hinblick
auf die vorzügliche Ausstattung ein durchaus mäßiger zu nennen ist.


^orhangständeh


'LH ie Mangelhaftigkeit der bisher gebräuchlichen Vorhang-, Rouleaux- und Rosetten-
Halter, sowie deren Befestigungsweise bildet bekanntlich einen in jedem
besseren Haushalte täglich empfundenen Mißstand, dessen gründliche Beseitigung
bis jetzt trotz zahlreicher Versuche keineswegs gelungen war.

In den letzten Tagen wurde uns nun ein Apparat vorgelegt, von dessen sinn-
reicher, sehr einfacher, ungemein praktischer, dabei zierlicher, aber solider Konstruktion
wirinhohemGrade
überrascht sind.

Derpatentirte
Gardinen- u. Rou-
leaux-Halter „Ba-
varia" wird in ge-
fälliger Eisenkon-
struktion, goldbron-
zirt von der Firma
Schüler L Eie. in
München in den
Handel gebracht
und ist derart prak-
tisch beschaffen, daß
sich an denselben
alle erdenk-
lichen Arten von
Vorhängen, Rou-
leaux, Stores, Gal-
lerien oder Rund-
stangcn mit Dra-
perien zugleich
anbringen lassen,
ohne daß dabei ir-
gend welche Träger
in der wand be-
festigt werden.

Selbst die Rosetten-
halter werden nicht
in die Wand ein-
geschlagen, sondern
sie sind an dem Ge-
stell verschiebbar
angebracht.

Der Vorhang-
ständer ist für je-
den denkbaren Fall
einer Aendernng

eingerichtet, seine Verstellbarkeit in Höhe und Breite nach jeder Fenster-
größe ermöglicht seine Wiederverwendung bei Wohnungswechsel und es sind die
einmaligen Anschaffungskosten dieses Apparates relativ so gering, daß er in kürzester
Zeit allen anderen Befestigungsmitteln der Fenster-Dekorationen vorgezogen und
allgemein verwendet werden wird.

Die vorstehende Abbildung stellt ein Fenster, das mit dem xatentirten Gardinen-
und Rouleauxständer „Bavaria" versehen ist, vom Zimmer aus gesehen, dar. —
Die Säule cl links zeigt die Einrichtung für die Fälle, bei denen ausschließlich mit
festen Höhenmaßen zu rechnen ist, während die Säule rechts erkennen läßt, wie die
Lisenstangen in der 80 Etm. langen Röhre s. um ca. ?5 Ltm. in der Höhe ver-
schiebbar sind. Das wagrechte oder (Juer-Gestänge, ebenfalls zum verschieben an-
geordnet, besteht aus den beiden seitlichen je 25 Ltm langen Rohrstücken cz und
der Eisenstange i, die in diesen Röhren um je 20 Ltm. verschoben werden kann.
B sind die Fußplatten, mittelst deren der Apparat auf dein Fußboden festgeschraubt
wird; w. ist ein Rohraufsatz mit Schraube zum Festklemmen der in der Röhre n
verschiebbaren Stange ck und mit einem Stift zum Einhängen von Jugschnüren



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