Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 3.1892

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Leite 208.

Illustr. kunstgewerbl. Zeitschrift für Innen-Dekoration.

farbigem Seidenplüsch um die eine Seite des Rahmens anzurathen. Hat das
Zimmer einen mehr offiziellen Karakter, ist also mehr Empfangsraum, und zeigt
größere Proportionen, so kann an Stelle der Fotografie ein werthvolles Gelbild
treten; dieses muß jedoch ohne jedwedes beeinträchtigendes Beiwerk gehalten werden.

Ueberhaupt muß man sich streng vor dem „zu viel" hüten, und gerade nach
dieser Richtung hin wird im Kuustgewerbe noch manchmal gefehlt; es macht sich
die Ueberladung breit, und zwar nicht die Ueberladung welche in der Anhäufung
von Gegenständen auf einen verhältnismäßig zu kleinen Raum besteht, sondern die
Ueberladung des einzelnen Gegenstandes in Form und Farbe. Doch davon in einem
späteren Aufsatze! —

Hier an dieser Stelle handelt es sich nur um die Ueberladungs-Sünde, welche so
gern der Laie begeht, indem er, ohne Enthaltsamkeit zu üben, sich im „verschönern"
seines Zimmers nicht genug thun kann, und damit weiter nichts erzielt, als daß
ein Gegenstand den andern beeinträchtigt, wenn nicht gar schändet. Ls wäre jeden-
falls ein Vorteil, wenn der Laie bei Erwerb von Kunst-Erzeugnissen uud kunstge-
werblichen Gegenständen den Rat des erfahrenen Verkäufers oder eines maßgebenden
Kunstverständigen einholte und beherzigte; aber leider klagt das große Publikum
oft schon bei der leisesten Direetive über Bevormundung und Beeinträchtigung des
persönlichen „Geschmackes," der manchmal alles andere, aber nur eben kein Ge-
schmack ist! — Im Leben sind es nun, wie die Erfahrung lehrt, auch immer gewisse
„Ecken,,, mögen sie heißen wie sie wollen, welche manche Hoffnung, manch' Unter-
nehmen scheitern lassen; wie könnte man es da also der armen, viel vernachlässigten
Zimmer-Ecke verübeln wollen, wenn auch sie!
ab und zu das künstlerische Verständniß des Laien
zum Stranden bringt! Das liegt eben einmal in
der Natur der „Ecken!" — Das Line aber möge
ein Jeder als „erstes und fürnehmstes Gebot"
beherzigen: Line Ecke ist nur derart auszufüllen
und zu dekorieren, daß sie einen harmonischen
Abschluß zur ganzen übrigen Zimmereinrichtung
bildet, niemals aber darf sie prunkend und auf-
dringlich in's Auge fallen!— L. Dornig.

NovemberHest.

können und eine dieser Holzdecken liegt unserer heutigen Nummer in Lichtdruck
bei; die Beilage zeigt, wie in Verbindung mit Grnament, farbigen Hölzern, glatten
uud verzierten Leisten bei lebhafter Zeichnung ein ungemein frischer Effekt erzielt ist.
(Leider erscheint die Beilage in Folge Versehens statt in brauner Naturholzfarbe in
dem wenig schönen „Grün". Die Schriftl.) — Ein Theil dieser Decken-Aquarelle ist
bereits vervielfältigt — andere werden folgen — um so allen Freunden einer vor-
nehmen Ausschmückung der Wohnräume mit guten Vorbildern dienen zu können. —lc.

rriefkasteru

Harratz'Iche Decken -Dekorationen.

Mit ernster, eingehender Betrachtung stu-
dirten Fachleute, Baumeister usw. in der Berliner
„Ausstellung für Wohnungs-Einrichtungen" einen
imposanten Wandaufbau mit Deckenparthie und
erkundigten sich in eingehendster Weise über das
„Wie" und „Woher" dieser Gegenstände.

Es war die Ausstellung der Firma B. Harraß
in Böhlen (Thür.) und Berlin, die hier ihre
Fabrikate zur Darstellung brachte. Das Ganze
war ein Stück gelungene, vornehme Innen-
Dekoration. Groß im Gesammt-Entwurf,
elegant in der Wirkung durch die reich verzierten
Profile und Füllungen, zeigte dieser ganze Aufbau
welch' neue und schöne Wirkung mit Hülfe
dieser Dekorationsweife erzielt werden kann. —

Was ist diese Dekorationsweise ? Die Firma Harras
fertigt mittelst kolossaler hydraulischer Maschinen
durch Aufeinanderpressen mehrerer Furnier-
lagen Füllungen und ornamentirte Leisten jeder
Art und Größe, in jeder beliebigen echten Holz-
art und gibt mit diesen gut gezeichneten und
sauber modellirten Verzierungsformen uns so ein
sehr schönes Dekorations-Motiv in die Hände, das
in seiner echten und vornehmen Wirkung
alles Aehnliche weit übertrifft. Wir haben eben den echten, satten Naturton des
Holzes vor uns, dessen farbige befriedigende Wirkung kein Anstrich auf Stuck oder
Pappmasse ersetzt, mag er noch so „naturgetreu" sein. Die Sachen sind ferner un-
veränderlich und unverwüstlich; es kann also nie Vorkommen, daß — wie z. B. bei
abgestoßenen Stuck-Kanten und -Ecken — mitten im Grnament die rohe Gipsmasse
herauslenchtet. — Aus vergangenen Tagen sind uns Holz-Vertäfelungen und Holz-
Decken erhalten, mustergültige Vorbilder für die heute schaffende Generation und
Beweise bewundernswürdigen Handwerksfieißes und vollendeter Handwerkskunst,
die uns stets als das Ideal einer molligen, heimischen Gemüthlichkeit unserer
Wohnungen gelten werden. Und in den hervorragendsten Gebäuden, wie im
Bürgerhause bringt der schaffende „Junen-Künstler" mit der größten Vorliebe seine
pannele, seine Holzdecken, prachtthüren usw. au. Wer kann aber unter
den heutigen Arbeitsverhältuissen geschnitzte Profile und Füllungen an der Decke
oder Pannel bezahlen? Und doch besteht das Gefühl, daß eine solche ganz ein-
förmig glatte Fläche etwas monoton aussieht. Wie der glänzende Brillant die
kleine Damenhand verziert und verschönt — ähnlich sollen auch unsere Kunstarbeiten,
sei es Kunsthandwerk oder hohe Kunst, ohne Ueberladung „Brillanten" tragen,
glänzende Theile, deren lebhaftes Licht- und Schattenspiel die Einförmigkeit unter-
bricht und belebt! Das ist der Punkt, wo gerade bei größern dekorativen Holz-
arbeiten die hier in Rede stehenden holzgepreßten Grnamente mit Fug und
Recht in Verwendung genommen und mit feinfühliger Mäßigung angebracht werden
sollten! Der versuch wird in den meisten Fällen die gehegten Erwartungen über-
treffen. In einer Reihe von flotten Entwürfen und frisch behandelten Aquarellen,
theilweise auch Fotografien, hat Harraß neben den ausgestellten Arbeiten gezeigt,
in welcher Weise seine Fabrikate sachgemäß und mit verständniß verwendet werden

Abbildung Nr. -zs-z. Kannn-Parthih aus Schloß Schönberg.

llsumeistsr b. io 8t. Wir haben über „Riechplättchen aus Steingut" kürzlich
in einer auswärtigen Zeitschrift etwas gelesen. Wenn wir uns recht erinnern,
werden dieselben von einer Pariser Firma L. Legrand (?) in den Handel gebracht,
doch sind diese Plättchen, wie wir aus besagter Notiz entnehmen mußten, lediglich
für Damen an Stelle der üblichen „Riechkissen", nicht aber für irgend welchen
praktischen Gebrauch in häuslichen Anlagen bestimmt.

6ebr. 8. in L. Den alten Gel- und Lack-Anstrich entfernen Sie am Besten
durch Aufträgen einer Mischung von 2 Theilen ;o»/oigem Ammoniak (Salmiakgeist)
und t Theil Terpentinöl, welche Heiden Stoffe bis zur vollständigen Emulsion ge-
schüttelt werden. Auch soll reiner Salmiakgeist recht gute Dienste thun. Ferner
wird von L. Testen in Rostock eine sogenannte „Zerstörungssalbe" für besagte
Zwecke fabrizirt, welche die bereits erwähnten alkalischen Bestandtheile nebst einem

verdickungsmittel enthält, welch letzteres be-
wirkt, daß besagte Mischung auf geneigten
Flächen besser haftet. Dieses Aufträgen ge-
schieht durch einen gewöhnlichen Borstenpinsel.
Nach Erweichung der Belsarbe wird die ganze
Geschichte durch Wasser entfernt. Bei Holzgegen-
ständen empfiehlt sich eine Nachbehandlung mit
verdünnter Essigsäure, um das eingesaugte Alkali
unschädlich zu machen.

ttrobitokt t. V. in 8. Der „Innen-Titel( unserer
Zeitschrift wird bereits von Herrn Professor Döpler
der Jüngere neu gezeichnet, auch wird die weibliche
Figur auf dem Umschlagtitel geändert werden.

ltrckitekt ll. D. in 8. Ihrem Wunsche gemäß
finden Sie bereits im vorliegenden Heft zwei
Bibliothek-Zimmer, davon eins aus dem Schloß
Meiningen. Im Januar-Heft werden wir noch
weitere Interieurs aus diesem Fürstensitz bringen.

Xunstsclilosser V. in l>. Um Gegenstände
aus Eisen gegen Rost zu schützen, legen Sie die-
selben am Besten nach gründlicher Reinigung
einige Minuten in eine Auflösung von Blaustein,
darauf wird abgespült und das Gbjekt in eine
Auflösung von unterschwefiigsaurem Natron ge-
tüncht, welche mit Salzsäure schwach angesäuert
ist. — Die Sachen erhalten hierbei eine blau-
schwarze Farbe.

Dekorationsmaler >t. in D, Anfangs nächsten
Jahres wird auch ein „Spezialheft für Dekora-
tionsmalerei" erscheinen, es liegt bereits eine statt-
liche Fülle der herrlichsten Motive vor.

brau Clara 8. in 6. In der im Verlag von
Alexander Roch, Darmstadt, erschienenen Broschüre
„Wie können unsere Frauen zur Ausschmückung
der Wohnräume beitragen?" (8 preisgekrönte
Arbeiten) werden Sie die von uns gewünschten
Winke in „Hülle und Fülle" finden. Preis des hübsch ausgestatteteu Merkchens
Nk. ;.S0 bei portofreier Zusendung.

Krätm llortba X. in W. Die „vier Jahreszeiten" nach Prof. Wold. Friedrich sind
wieder vorräthig und kosten Mk. 4.80 inkl. Porto gegen Einsendung des Betrages
oder Nachnahme.

A. X., kunstgewerbiiclies lUolier in 8. Die Behauptung Ihres Kollegen ist
allerdings richtig! Ls ist neuerdings dem Erfinder des Aluminiumlotes Georg
Wegner in Berlin nach langwierigen versuchen auch gelungen, das Aluminium zu
galvanisireu, d. h. ihm durch vernickeln, verkupfern, versilbern, vergolden jede
gewünschte Färbung zu geben, wodurch das Metall zu den verschiedenartigsten
Zier- und Gebrauchsgegenständen Verwendung finden kann, zu welchem ihm sonst
der Weg wegen seines monotonen weißgrauen Aussehens verschlossen geblieben wäre.

Kunst-Beilagen im November-Heft: Im ersten Logen: „Sockel-Laterne
in Bronze" von Prof. Brochier in Nürnberg. — Im zweiten Logen: „Hausthür
im Barockstil" von Architekt Richard Dorschfeldt. — Im dritten Logen: „Wand-
Dekoration in Stukko" von Eugen Jäck und „Harras'sche Decken-Dekorationen".

Zur gest. Notiz: Die Fortsetzung des Artikels: „Fälschungen von Kunst-
gegeuständen und Erzeugnissen des Kunstgewerbes" erfolgt im Dezember-Heft.

Hinweis.

Das vorliegende Heft enthält Extra-Beilagen der Firmen Anton
Schroll L Co., Wien, sowie Thiel L Schkerl in Wien, auf welche wir unsere
geehrten Leser ganz besonders aufmerksam machen.
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