Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 3.1892

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Illustr. kunstgewerbl. Zeitschrift für Innen-Dekoration.

Juni-Heft.

Nicht überall üblich ist es, auch dem Boden Aufmerksamkeit zu-
zuwenden. Dieselbe besteht in der Regel darin, daß man Blumen und
Blätter aus demselben ausstreut, obwohl es auf mich stets einen eigen-
thümlichen Eindruck macht, jene Blumen, deren Schwestern Haar und
Busen der Damen schmücken, mit den Füßen zertreten zu sehen und es
dürfte sich diese Eitle am Besten
darauf beschränken, um keinen
Anstoß zu erregen, zu diesem
Zweck nur Laub und grünes
Reis zu verwenden.

Ein wesentlicher Punkt
bei der Dekoration eines Innen-
raums ist der, daß die ange-
wandten Mittel gut aufgetra-
Sen, richtig sitzen und ja keinen
ängstlichen, unsicheren Eindruck
Hervorrufen, sondern sich voll
und üppig ausgebildet, ohne
plump zu sein, präsentiren.

Die Farbe muß am rich-
tigen Grt angebracht sein;
auch soll eine einzelne nicht be-
sonders hervortreten, damit die
andern in ihrer Wirkung nicht
zurückgedrängt werden. Nur
in einzelnen Fällen ist es ge-
stattet, durch eine oder zwei
hervortretende Farben den Ka-
rakter einer Feier auszudrücken,

Z. B. bei einer Silberhochzeit,

Trauerfeier ufw. Die Farben:
weiß, hellblau, lila, rosa, pense
und gelb sollen nur sparsam
angewandt werden, bezw. nur dann, wenn es nöthig erscheint, irgend
ein Dekorationsobjekt stärker hervortreten zu lassen oder mehr zu beleben.

Als Dekorationsmaterialicn kommen hauptsächlich in Betracht:

Seite 93-

Musstellung der irr 'Maris.

-^n der französischen Hauptstadt herrscht bekanntlich der lobens- und
nachahmenswerthe Gebrauch, während der schönen Jahreszeit Aus-
stellungen oft von ziemlich bedeutendem Umfange zu veranstalten, die die

Fortschritte einer oder mehrerer
speziellerIndustrienveranschau-
lichen und wiederum durch Vor-
führen früherer Modelle An-
regung und Belehrung bieten.
Auch in diesem Sommer wer-
den verschiedene derartige Son-
der - Ausstellungen stattfinden,
unter denen die interessanteste
diejenige zu sein verspricht,
welche ein Bild der Künste, die
von den Frauen geübt wurden
und noch werden, geben will.
Bis jetzt hat man erst in Bezug
auf einen Theil dieses weitum-
fassenden Programms feste An-
ordnungen getroffen und zwar
mit auf den wichtigsten, denn
dieser soll eine Geschichte der
französischen Mode zur An-
schauung bringen; nicht nur
der Mode der Trachten, son-
dern auch der Einrichtungen
undDekorationen. In s 7 Szenen
wird uns dieses vorgeführt
werden. Die erste umfaßt die
Epoche von Karl VIII. bis
Ludwig XII. Hq.80—s5sO)
und wird die Frau eines Großen des Reiches mit ihrem Gefolge zeigen;
die zweite eine musikalische Belustigung unter Franz I. veranschaulichen.
Das dritte Bild bietet eine Szene aus dem Leben auf einem Schlosse, wie

sie sich zu der Zeit von Heinrich II. bis
Karl IX. abspielte. chBild: EineDavans
von zwei Damen getanzt unter Heinrich III.

5. Bild: Ein Frühstück unter
Heinrich IV. (gegen 1600). 6.Bild: Käu-
ferinnen und Händlerin in der großen
Galerie des Palais unter Ludwig XIII.
7. Bild: Eine junge Frau, die eineDsiät-
xoiut-Stickerei ausführt. Zeit Ludwig
XIV. 8. Bild: Ein Besuch um das Jahr
16fi5. 9- Bild: Eine Abfahrt zur Jagd
(1720). sO. Bild: Rückkehr von einem
Ball in 1735. 11.Bild: Eine alte Dame
mit einer Zupfarbeit beschäftigt, s 2. Bild:
Schauspielerin, die sich in ihrem Zimmer
ankleidet (1775). 13.Bild: Eine Klavier-
stunde (s789). Ich Bild: Promenade in
einem öffentlichen Garten unter der Re-
volution I795). 15. Bild (Zeit Napo-
leon I.): Dame an einem Fenster den
siegreichen Truppen zujubelnd, s 6. Bild:
Toilette der Braut, l 7. Bild (Napoleon
III.): Abfahrt zum Rennen (gegen s860).
Diese 17 Bilder werden durch Wachs-
figuren belebt sein, die die prächtigsten
Kostüme, welche die größten französischen
Schneider nach alten Modellen anfertigen,
tragen follen. Das Interessanteste ver-
spricht aber die Umgebung, in welcher
sich diese Figuren befinden werden, zu sein, die Boudoirs, Salons,
Schlafzimmer rc. genau im Stile der verschiedenen Epochen. Die Ver-
einigung der Möbelhändler in Paris leiht die Gegenstände zur Ausstattung
der Gemächer und übernimmt die Arrangements. (wrig.-norr-sx. r>. „I.-D«)

farbige Stoffe, Fahnen/Standarten, Bän-
der; Heftschnüre erhalten, wo es nöthig,
noch eine Verzierung dadurch, daß man
sie entweder mit Farbe oder Bronce be-
streicht und verschieden profilirte perlen
einzeln oder gruppirt an dieselben an-
reiht. — Zu freien oder emblemeartigen
Stillleben, Gehängen und Füllungsdeko-
rationen werden verwendet: Kroninsignien,

Rüstungen, Schilde, Waffen aller Art,

Felle, Iagdtrophäen, Schiffer- u. Fischerei-
Zegenstände, Sportsartikel, Musikinstru-
wente, Zeichnen- und Malrequisiteu,

Handwerkszeuge der verschiedenen Ge-
werkschaften, Vasen, Krüge, Schalen,

Platten, Fächer usw., Vogelfedern, Mel-
daum-, Lorbeer- und Eichenzweige resp.

Rränze, Thyrsusstäbe, Masken, Blumen
und Früchte aller Art. — Für Guir-
landen, Gewinde, Umrahmungen, Kränze
und grüne Flächen verwendet man Zweige
*wn Eiche, Tanne, Stechpalme, Bux,
f^elbaum, Lorbeer (Kirschlorbeer) und
häufig auch Moos. Zur Belebung der-
selben werden, wie schon oben angeführt,
wit Vortheil benutzt: farbige Bänder,
schnüre, Blumen und allerlei Früchte,
wdeß aruß bei Verwendung der ange-
führten Dekorationsmaterialien mit Sorg-
falt darüber gewacht werden, daß nicht ein „Zuviel" eintritt; es läßt
ffch hierfür allerdings schwer eine Norm angeben, doch wird auch hierin
gute Geschmack unserer deutschen Hausfrauen, für welche vor-
Üchender Artikel besonders berechnet ist, das Richtige zu treffen wissen.

*Al>b. 35-u Feflschmuck einer Wand mit Felder-Eintlieilung.

(1560).

* Abbildung Nr. Z5Z. Schmuck für eine lange, nnunlerbrochenp Wand.
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