Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 3.1892

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Illustr. kunstgewerbl. Zeitschrift für I nnen-D ekoratio n.

Februar-Hest.

Anmuth vereint, als müßte es so sein. — Wenn wir diese Art als
die ältere betrachten, so gilt das nur für die Entstehung, denn sie bleibt
und findet sich ebenso auf den uni fast hundert Jahre späteren Wand-
verzierungen Pompeji's und Herculanums wie in den älteren Villen
Roms. Neben ihr und aus ihr hervorgehend aber entfaltet sich jene
phantastische und unmögliche
Architektur, welche schon im
Alterthum Anstoß erregte, doch
mit Anrecht, denn sie sollte ja
eben nur ein Spiel der Phan-
tasie sein und in keiner Weise
eine wirkliche Architektur vor-
stellen noch deren Nachahmung
sein. Ueberlange, fingerdicke
Säulen tragen ein reiches und
schweres Gebälks, Kolonnaden
schieben sich hinter Kolonnaden,
grade wie in Kurven angelegt;
man sieht in einen Wald
schlanker Stäbe hinein, in das
Innere luftiger ftallen, reicher
Paläste, welche der Traum ge-
schaffen zu haben scheint, aber
ein Traum, der unter der Herr-
schaft des Geschmackes steht.

Anmuthige Figuren, lauschende
Frauen, Kinder und Genien
beleben diese Räume. Die ganze
Art ist ächt antik, aber die
antike Phantasie, befreit von
den Zügeln, welche ihr der klas-
sische Geist überall auferlegt.

— Wollten wir dieses Extrem
der antiken Wanddekoration
nachahmen und in unsere mo-
derne Wohnung einführen, so würden wir mit uns und unserer Art
und Sitte wohl mehrfach in Widerspruch kommen. Zuerst würden uns
die Künstler fehlen, die Dekorationsmaler, die dasselbe mit gleichem
Reichthum der Phantasie erfinden und mit der gleichen Grazie, mit

derselben leichten Hand darzustsllen vermöchten. Wir würden auch in
diesem Wald von Säulen und Säulchen, in diesen Perspektiven, in
welchen sich ein offener Raum hinter den anderen schiebt, wir würden
in ihnen vielleicht Anruhe empfinden und uns unbehaglich fühlen, zumal
dann, wenn solche Architektur auf der Wand des Wohnzimmers, des

Speisezimmers dargestellt wäre
und nicht etwa in einem seltner
oder nur zeitweise gebrauchten
Tanzsaale. — Vor Allem aber
würde die moderne Einrichtung
der Wohnzimmer und die mo-
derne Sitte, die Wand mit Bil-
dern und anderen Kunstgegen-
ständen zu verzieren, Einspruch
erheben., Jene antike Dekora-
tion setzt vor Allem die unge-
brochene Wand voraus, und
wo diese nicht vorhanden, ist
auch jene nicht gut anwendbar.
Im modernen Wohngemach
ist die Wand theilweise mit
Sitzmöbeln, Schränken, Kasten,
Etageren verstellt und gewinnt
erst in gewisser Höhe ihre Frei-
heit, und für diese nun freien
Flächen haben wir unsere Gel-
gemälde, Kupferstiche, Photo-
graphien, kurzum allerlei ein-
gerahmte Bilder, wie sie weder
das Alterthum, noch das Mit-
telalter kannte, jedenfalls nicht
als Sitte, sondern nur in höchst
vereinzelten Fällen. Es ist eine
Sitte, welche erst die außer-
ordentliche Erhebung der Ma-
lerei im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert, die Ausbildung der
selbständigen Staffeleimalerei neben der Wandmalerei, und gleichzeitig
die Erfindung des Holzschnittes und des Kupferstiches geschaffen haben.
Verzichten wir auf dieselbe, so würden wir von gewisser Höhe ab noch

^ Abbildung Nr. ZOO. Schmiedeeiserner Vogen für einen Garten-Lingang.

ie dev Molmrämiie

in ästhetischer und gesundheitlicher Beziehung.

vcni Lorenz Bodenschatz.

(Fortsetzung von Seite 27.)

iesem Uebelstand wird abgeholfen durch Ausspähnen der Risse,
was jedoch immerhin von zweifelhaftem Erfolg ist, da oft-
mals wieder neue Risse entstehen, die Ausbesserung außer-
dem auch meistens ein äußerst zweifelhaftes Ansehen hat.

Ein vorzügliches Material, um warme und staubfreie Fuß-
böden zu erlangen, ist das jetzt immer mehr in Aufnahme kommende
Linoleum, welches sich vermöge seiner verschiedenen guten Eigenschaften
gerade zum Belegen schadhafter Dielungen eignet.

Warm, staubfrei, vollkommen wasserdicht bildet es einen
gesunden Fußbodenbelag, welcher deßhalb für stark benutzte Räume,
für Geschäftslokalitäten, Schlafzimmer, Badezimmer, Restaurants,
Krankenzimmer usw. sehr zu empfehlen ist. Nur muß darauf geachtet
werden, daß das Linoleum gut aufgelegt wird, wozu nothwendig, daß
der Fußboden gut geebnet ist, Erhöhungen und Vertiefungen möglichst
ausgeglichen sind. Da das Linoleum nur in großen breiten Stücken
in den Handel kommt, entstehen wenig Fugen und diese legen sich scharf
aneinander, sodaß es unmöglich ist, daß der unter den Dielen sitzende
Staub aufsteigen kann. Das Linoleum kann in naturbraunen ruri
Farben benutzt werden, bietet aber auch, teppichartig bedruckt, die man-
nigfaltigsten Muster und gediegene Abwechselung.

Selbstverständlich wird und soll das Linoleum den Teppich
nicht verdrängen. Für elegante, kostbare Einrichtungen für feinere
Zimmer wird der Teppich stets seine berechtigte Verwendung finden

und in künstlerischer Beziehung wird er wohl niemals durch irgend ei»
anderes Fabrikat zu ersetzen sein.

Einige Andeutungen über die Zimmer-Dekvration.

Haben wir in vorstehender Abhandlung die Nothwendigkeit einer
guten und zeitgemäßen Wanddekoration in gesundheitlicher und
aesthetischer Beziehung im Allgemeinen dargelegt, so wollen wir
nicht verfehlen, auch einige Anleitung für die Zimmer-Dekoration
zu geben. — Es kann dies allerdings hier nicht in umfassender detail-
lirten Weise, sondern nur in allgemeinen Amrissen geschehen, allein die
Beachtung der gegebenen Winke dürfte immerhin schon genügen, um
in Bezug auf ein gemüthliches, gefällig und schön eingerichtetes Heim,
bessere Resultate zu erzielen, als inan in vielen Wohnungen jetzt immer
noch findet, trotzdem so viel zur Hebung des Kunstsinnes gethan wird.

In erster Linie ist darauf zu achten, daß die Wand- und Plafond-
Dekoration dem jeweiligen Gebrauche des Zimmers entspricht, da doch
naturgemäß ein Schlafzimmer anders als wie ein Salon oder ein
Speise- und Kinderzimmer behandelt werden muß.

Der Salon ist dem heiteren Verkehr gewidmet, hier werden Ge-
sellschaften abgehalten und Besuche empfangen, aus welchen Gründen
diesem Gemach eine besondere Aufmerksamkeit gezollt und an ihn: der
meiste Luxus entfaltet wird. — Als Tapete wähle inan etwa bessere
Goldtapeten in nicht zü dunklen Farben, besonders eignen sich Seide-
Imitations-Tapeten, welche zu den meist mit Seiden- oder Plüschstoffen
überzogenen Möbeln sehr gut passen. Eine reiche Borde, sowie ein
gut gemalter oder mit den jetzt modernen Plafond-Dekorationen tape-
zirter Plafond tragen zur prächtigeren Wirkung erheblich bei.

Im Gegensatz zu dem Salon ist das Wohnzimmer dem intimen
Verkehr der Familie gewidmet und hier sind etwas dunklere Tapeten,
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