Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 3.1892

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Seite 62.

Illustr. kunstgewerbl. Zeitschrift für Linnen-Dekoration.

April-Pest.

ste japanisch^ Musstellung

inr Kurrstgewerbe-Wuserrrn zir WerLin.

(Griginal-Bericht.)

-as am 28. Oktober sZfls über Japan hereingebrochene Erd-
beben, das am schrecklichsten die Provinzen Ulino, Mwari
M-, und Echizen Hennsuchte, hat auch die westliche Kulturwelt
mit Theilnahme erfüllt. Die Größe des Unglücks kann durch die
traurige Thatsache ermessen werden, daß j00 000 päuser zerstört und
daß 300000 Menschen obdachlos geworden sind und den größten Theil
ihrer pabe verloren haben. Angesichts dieses großen Unglücks zögerte
auch die deutsche Mildthätigkeit nicht, werkthätig und unterstützend bei-
zustehen. Als ein Ausfluß dieser Bestrebungen, bei denen die inter-
nationalen Beziehungen der Gesellschaft vom rothen Kreuz Mitwirken,
ist die Ausstellung im Kunstgewerbe-Museum zu betrachten. Die Aus-
stellung hat in den weitesten Kreisen Anklang gefunden, und namentlich
ist es der Kaiser und zahlreiche Mitglieder des kaiserlichen pauses,
welche durch Ueberlassung der prächtigsten Objekte aus den königlichen
Schlössern in Ber-
lin, Potsdam,

Eharlottenburg,

Bellevue, Mont-
bijou, sowie aus
den Privatsamm-
lungen die Aus-
stellung auf einen
hohen Grad künst-
lerischer Qualität
hoben. Mit rich-
tigem Blick traf
Lessing für die
Anordnung der
Ausstellung den
malerischen Ge-
sichtspunkt, als
den weitaus gün-
stigsten für ein,
aus den verschie-
densten Elementen
gemischtes Be-
suchspublikum,
das in seinem In-
teresse für die
schöne Ausstellung
nicht kargt. In-
nerhalb dieses Ge-
sichtspunktes fand
dann eine Grup-
pirung nach Ma-

terialien statt, so weit es die äußeren Größenverhältnisse der Stücke
zuließen. Am hervorragendsten und glänzendsten vertreten ist die Kunst
des Metalles. „La. vrMe §1oire, Test 1e rrretM!" sagt der Franzose
von den Arbeiten der Japaner, und wie recht er hat, mögen die so
überaus reizvollen und mit aufmerksamer Liebe behandelten Arbeiten
in Silber und Gold erweisen, welche die Ausstellung besitzt. Anend-
lichen, immer sich erneuernden Reiz gewähren die Verbindungen der
Edelmetalle mit den unedlen, die Silber- und Gold-Flach- und Relief-
tauschirung aus Eisen und Bronze. Die ganze Virtuosität der japa-
nischen Kunst der Metallbearbeitung springt namentlich bei den Schwert-
stichblättern in die Augen. In den Werkstätten zu Kiofo, Osaka,
Tokio und Nagrya werden die zahlreichen Arbeiten gefertigt, die das
Eisen in wirkungsvoller Verbindung mit Metalllegirungen zeigen. Der
Schmuck der Metallarbeiten ist theils pflanzenornamentalen, theils figür-
lichen Karakters, mit hervorragend malerischem Geschick in der Kom-
position, wie denn die Malerei den Mittelpunkt des japanischen Kunst-
lebens bildet, denn der Erzgießer wie der Eisenbildner, der Sticker wie
der Lackarbeiter sind vor allem Maler. Besondere Aufmerksamkeit
verdienen auch die frischen Bronzegüsse Z. forrrre xerckrie, welche der
Japaner mit einer überraschenden Naturunmittelbarkeit herstellt. Sehr

geübt wird die Kunst des Emaillirens, besonders des aus Ehina ein-
geführten Zellenschmelzes, der in vier Platten aus den Sammlungen
des Prinzen peinrich und namentlich in zwei hohen Prachtvasen aus
dem Besitze des Kaisers vortrefflich vertreten ist. Einige Stücke zeigen
auch das japanische Maleremail, jedoch herrscht der Zellenschmelz vor.
— Von höchstem Interesse ist die keramische Abtheilung, zu deren Be-
ständen besonders die oben genannten königlichen Schlösser beisteuerten.
Die schönsten und werthvollsten Stücke kamen schon zu Zeiten des großen
Kurfürsten in brandenburgischen Besitz und bilden heute werthvolle
Stücke der königlichen Schlösser. Außer der Pauptgruppe aus kaiser-
lichen: Besitze und den genannten Schlössern haben die Sammlungen
A. Thiem, p. Reichardt, von Siebold und A. Soltmann zu dieser Ab-
theilung werthvolle Gegenstände abgegeben. Von den wenigen Stücken,
die von Alt-Satsuma überhaupt noch auf uns überkommen sind, zeigt
die Ausstellung eine kleine Anzahl. — Unter den Kunststickereien glänzt
die schon so oft genannte und noch mehr bewunderte Scklleppe der
Kaiserin Friedrich, ein Geschenk des japanischen Herrscherhauses. Recht
kommt die Kunststickerei der Japaner in hervorragenderem Grade auf

-den Klappschir-
men zun: Aus-
druck. Pier ent-
wickelt sie sich in
Zeichnung, Kom-
position und Far-
bengebung zu Ge-
mälden,derenVor-
würfe mit feinster
Beobachtung der
Natur abgelauscht
sind. Unter den
Stickereien glänzen
vor allem Stücke
aus den Samm-
lungen Böckmann,
Dirksen, Lieber-
mann, des Mu-
seums für Kunst
und Gewerbe in
pamburg, Ioest
ufw. — Besonde-
ren Anspruch auf
Beachtung erhe-
ben auch die „Giki-
monos", die „Ge-
genstände zumpin-
stellen". Pier sind
es namentlich vor-
trefflich geschnitzte
Elfenbein - Grup-
pen, kleine Lackarbeiten, theils beinalt und vergoldet, theils geschnitten.
Reich vertreten sind die Lackarbeiten, von den großen Altären und
Schränken bis zu den kleinen Medizindosen. Die Sammlung Nevenisti,
Dirksen, Ioest, Dönitz, Liebermann und Wagner haben prächtige Stücke
dieser Art geliehen. — Es würde nun eine Lücke der Ausstellung be
deuten, wenn der Kunstsinn der Japaner, der sich in so ausgesprochenem
Maße der Natur zuwendet, nicht auch in der Anwendung der Blume
als Schmuckgegenstand für das paus gezeigt würde. Lessing hat es
mit dankenswerther Begeisterung für die Eigenart der natürlichen Blume
unternommen, zu zeigen, wie weit der Japaner vor uns in der An-
wendung der natürlichen Blume zum Schmuck des pauses oder der
Person voraus ist, vor uns, die wir die Blume bisher nur mit zahl-
reichen ihrer Genossinnen zu Sträußen zusammengepreßt kannten. Die
von Lessing gegebenen Anregungen werden zweifellos, wenn man aus
dem Anklang, den die Bestrebungen bei den Besuchern gefunden haben,
schließen darf, einen wohlthätigen Einfluß auf den Blumenschmuck im
Pause ausüben. So hat die japanische Ausstellung auch nach dieser
Richtung, wie auch in technischer Beziehung Anregungen gegeben, welche
unserem Kunstleben zum Vortheil gereichen und auf dasselbe einen Ein-
fluß zu weiterer Fortgestaltung ausüben werden. H.

Abbildung Nr. Z26. Wand eines Speise-Zimmers mit Freske-Malerei.
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