Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 3.1892

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Juni-Heft.

Illustr. kun st ge wer bl. Zeitschrift für Innen-Dekoration.

Seite s07.

Di

Ergebnis; unseres ^rris-Musschreibens.

!ie Sichtung der auf unser Preis-Ausschreiben vom f. Januar s892:

„WtL können unsere Frauen ;ur Ausschutückuitfl tlttlerer
Wohnräump beitragen?"

eingelaufenen Arbeiten ist nunmehr vollendet und hatte das Urtheil
der Prüsungs-Rommission folgendes Ergebniß:

Der ausgefetzte erste und zweite Preis von Mk. 80 bezw. Mk. 60
konnte leider überhaupt nicht zur Vertheilung gelangen, da von keiner
der eingelaufenen 35 Ronkurrenz-Arbeiten das Thema im Sinne der
5chriftleitung erschöpfend behandelt wurde.

Zur Prämiirung mit dem dritten Preis von Mk. 40 wurde
einstimmig die Arbeit, Motto: „Der schönste Schmuck eines Heims
ist das in demselben schaffende Weib" vorgeschlagen^und erfolgte
dieselbe dementsprechend, obwohl eine erschöpfende Behandlung des
Themas auch hier bei Weitem nicht stattgefunden hatte, dagegen dem
von uns verlangten am meisten entsprochen war.

Den sonach noch disponiblen Betrag von Nk. s^O, sowie eine
weitere entspre-
chende Summe
verwandte die
Schriftleitung
bezw. Verlags-
handlung zum
Ankauf folgen-
der von der Be-
urtheilungs-
Rommission
ausdrücklich zur
Verwendung
empfohlener u.
für gleichwer-
thig erachteter
Manuskripte,
welche sich in

der Behandlung des Stoffes gegenseitig ergänzen und in ihrer Gesammt-
heit die Preisfrage in entsprechender Weife zur Lösung bringen:

f. Motto: Tin Versuch.

2. „ Weibliche Anmuth, die Grazien führen den

Reigen und die Runst winkt allen Frauen
zum Tanz.

Der Raum, in dem du lebst, spiegelt deinen
Rarakter wieder!

Was hilft der eine oder andere Zierrath im
Zimmer, wenn die ganze Anlage an Ge-
schmacklosigkeit leidet!

„Wohin."

'MixlicRer voixReit reRie.

Mehr Licht!-'

„Rling, o Wort, in taufend Tönen hell in je-
des Haus hinein, eine Priefterin des
Schönen strebe jedes Weib zu sein!"

^ei Eröffnung der Begleit-Briefe ergaben sich folgende Namen:

Für den dritten Preis, Motto: „Der schönste Schmuck eines Heims
usw.": Herr Architekt Otto Srhuhif, Köln.

ferner:

„Ein Versuch": Fräulein I. CH. Wagrs, München-
Neuhausen.

„Weibliche Anmuth usw.": Fräulein Maria ZMN,
Wiesbaden.

3. Motto: „Der Raum, in dem du lebst usw.": Frau A. Her-
iuarth von Bittenfrld, geb. Freu» von Sinner.

-s. „ „Was Hilst der eine oder andere Zierrath usw.": Herr

P. Philippi, Runst-Akademiker, Trier.

5. „ „wohin": Herr Arch. Ant. V. d. Sankt, Mannheim.

6. „ „'Wixlicbre rebcke": Frl. L. Hagen, Berlin.

7. „ „Mehr Licht": Madame Iba Bärbels Wien.

8. „ „Rling, o Wort usw.": F. Hornig, Dresden.

Die weder zur Prämiirung noch sonstigen Verwendung vorgeschla-
genen Arbeiten gingen heute an ihre resp. Autoren zurück und sprechen
wir auch an dieser Stelle für die verhältnißmäßig rege Betheiligung
unfern verbindlichsten Dank aus.

Darmstadt, sO. Mai s892.

Verlag und Schriftleitung der „F.-D."

Abbildung Nr. I7H. Pianino-Decke mit Stickerei in Wollp und Seidp, Näheres Beschreibung

s. Motto:

laudrrei obre rinr einfache Wohnungs-Einrichtung.

von Karl Heinrich Gtto. (Schluß von Seite sr.)

Durch das große dreitheilige Fenster mit seinen frischen, sauberen, crem-
farbigen Vor-
hängen u. Gar-
dinen - Schleiern
sprüht die Sonne
goldige Lichter
über den farb-
milden Bettbe-
lag und die ge-
beizten und ge-
wachsten matt-
glänzenden
Möbel. — Die
eben beschrie-
benen Zimmer
liegen im ersten
Stock, und um
die Rüche zu

sehen, müssen wir schon 6 Stufen tiefer steigen. Neben vielen Un-
bequemlichkeiten hat aber auch solcher Zustand manches gute, denn die
eigentlichen Wohnräume werden niemals durch Rüchendunst und Wasser-
schwaden belästigt. Die Rüchenmöbel sind aus Riefernholz und hell
lasiert. Der Herd, das Glanz- und ^uälstück meines lieben Weibes,
ist mit blauweißen Porzellansliesen bekleidet, seine Armatur ist ver-
nickeltes Eisen. Alle die vielen kleinen Geräthe und Geschirre aus
Metall, Holz, Email und Zwiebelmuster-Porzellan erwecken eine eßlustige
Stimmung und das mit Recht, denn auch ich habe mir die Meinung
zu eigen gemacht, daß alle Ideale im Magen wurzeln. — Ein
Mansardenstübchen, welches im Dachgeschoß belegen, ist in ganz ein-
facher, aber immerhin in freundlicher Form ausgestattet und bietet alle
Bequemlichkeiten, einem müden Besuch Gastfreundschaft und Herberge
zu gewähren.

Weit über das, was ich eben beschrieben, sind meine Wünsche
kaum hinausgegangen: so ähnlich hatte ich mir mein zukünftiges heim
immer ausgemalt-und doch sind meine Erwartungen fast über-

troffen. Die Harmonie des Ganzen, das Trauliche, Anheimelnde und
Einladende vermochte selbst meine kühne Fantasie vorher nicht zu

fassen-das bringt erst die Wirklichkeit mit sich. Diejenigen, die

in solchen Räumen glücklich sein (wollen, müssen ihnen ihre Indivi-
dualität aufprägen, müssen ihr „ich" hineinlegen, dann wird alles Starre
und Fremde schwinden. Erarbeitet, erschafft und errichtet, hegt und
pflegt euer heim selbst — ihr habt dann die Häuslichkeit in eurem
heim! — Ihr fragt nach dem Rostenpunkt? wie mein heim steht und
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