Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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Auguft Stoebt’i*

Direktor August Sfoehr vom Fränkischen Luitpold-
Museum zu Würzburg, der am 3. Juni d. J. einem
schweren Leiden erlegen ist, hat ein Werk „Deutsche
Fayencen und Deutsches Steingut“ hinterlassen, das in
einigen Wochen im Verlage Richard Carl Schmidt & Co.
in Berlin als Band 20 der „Bibliothek für Kunst- und
Antiquitätensammler“ erscheinen wird. Der genannte
Verlag hat uns aus den Korrekturbogen des Buches das
nachstehende interessante Kapitel zum Vorabdruck über-
lassen.

Jeder Freund von Fayencen, jeder Sammler und jedes
Museum wird mit besonderem Stolz darauf sehen,
nur tadellose Stücke sein Eigen zu nennen. Nun war
es in früheren Zeiten ja nicht besonders schwierig, diesen
Anforderungen gerecht zu werden, und Altmeister Brinck-
mann konnte mit jenem zufriedenen Lächeln des glück-
lichen Besitzenden auf die einzigartige Sammlung von
Fayencen und Porzellanen des M. K. Q. Hamburg blicken,
die kein beschädigtes Stück enthält. Das waren die
glücklichen Zeiten, in denen man für einen Teller der
Ansbacher grünen Familie nur 20 Mark zu zahlen brauchte.
Aber schon damals verstanden es Händler, zerbrochenen
Fayencen durch äußerst geschickte Restaurationen und
Ergänzungen das Aussehen tadelloser Stücke geben zu
lassen. Es drehte sich aber gewöhnlich um italienische
Majoliken und dgl. hoch im Preise stehende Arbeiten;
deutsche Fayencen wurden erst später einer Ausbesserung
für wert erachtet, als sich die Sammlerwelt ihnen zu-
wendete und die Preise anzogen. Heute wird sehr oft
wähl- und planlos alles von Fayencen gekauft, was An-
spruch auf altes Aussehen machen kann, ohne Rücksicht
auf Ausbesserungen und Ergänzungen. Man mache es
sich zur Regel, nur bei bekannten Antiquitätenhändlern
zu kaufen, die stets auf Ausbesserungen und Ergänzungen
hinweisen und bilde sich nicht ein, bei Trödlern noch
„Entdeckungen“ machen und um billigen Preis einheimsen
zu können.

Immerhin hat es sich nicht immer vermeiden lassen,
daß man ein beschädigtes Stück erworben hat, sei es
der Eigenart der Bemalung, der Seltenheit der Marke
oder anderer Gründe wegen. Handelt es sich nur um
sogenannte Schönheitsfehler, wie schlechte Kittung, be-
stoßene Ränder, so ist die Sache meist nicht schlimm.
Eine vorsichtige Reinigung, die man jedem erworbenen
Stück angedeihen lassen muß, mit weicher Bürste, Seife
und warmem Wasser, wird hier mit größerer Energie
und unter Zuhilfenahme von Salmiakgeist anzuwenden
sein, um allen Schmutz von den beschädigten Teilen zu
entfernen. Schlecht mit den gewöhnlichen Klebemitteln
gekittete Fayencen pflegen in warmem Wasser leicht in
ihre Bruchteile aufgelöst zu werden. Eine recht sorg-
fältige Reinigung aller Bruchstellen von etwa anhaftendem
Kitt ist notwendig, bevor nach gründlichem Trocknen
an das neue Zusammenfügen gegangen werden kann,
wobei ich in unserem Museum mit einer kräftigen Lösung
von Betikol extra T sehr gute Erfahrungen gemacht habe.
Waren die Bruchstellen an und für sich nicht beschädigt,

so sieht man bei einer sachgemäßen Kittung meistens
nur geringe Spuren der Sprünge. Man hüte sich aber,
mehr als zwei Scherben zusammenzufügen und warte
mit dem weiteren Anfügen, bis die erste Kittung trocken
ist. Zeit darf keine Rolle spielen.

Schlimm ist eine Kittung mit Schellack. Da sind
die Bruchränder meist verbrannt, das Auseinandernehmen
macht große Schwierigkeiten, muß unter Anwendung von
absolutem Alkokohol oder der Spiritusflamme geschehen,
so daß es sich bei solchen Stücken empfiehlt, einen er-
fahrenen Fachmann zu Rate zu ziehen.

Bei Ausbesserung von abgesprungenen Glasurteilen
und sonstigen kleineren Ergänzungen benützen wir im
F. M. Würzburg seit Jahren die Masse „Köchin-Marke“,
ein weißliches Pulver, das in kleinen Mengen nach Be-
darf mit tropfenweise zugegebenem Wasser zu einer
knetbaren Masse verarbeitet wird und das man an den
auszubessernden Stellen mittels eines Modellierholzes,
Messers oder eines sonstigen geeigneten Werkzeugs an-
trägt Geduld und Zeit, sowie eine gewisse Erfahrung,
die man sich aneignen muß, bringen auch hier erfreuliche
Erfolge. Ist die Masse ganz trocken, dann muß mit
Raspeln, Feilen, Glaspapier bis zu den feinsten Nummern
das Zuviel hinweggetan werden. Ein Übergehen mit
weißer Schellacklösung, danach mit einem der Glasur im
Ton angepaßten Emaillack, wobei man sich hüte, mehr
als die Ergänzungsstellen zu überziehen, werden zur
Vollendung beitragen. Erfahrung und Übung sind zwei
Hauptpunkte, die man bei derartigen Arbeiten nicht außer
acht lassen darf, wenn man nicht Mißerfolge erzielen
will. Wer in der Lage ist, einem wirklich sorgsamen
Restaurator seine beschädigten Schätze anvertrauen zu
können, einem Restaurator, dem es selbst darum zu tun
ist, nur die wirklichen Schäden auszubessern und dessen
Ehrgeiz nicht dahin geht, aus einem zerbrochenen ein
für das Auge ganz erscheinendes Stück machen zu
wollen, der überlasse sie ruhig diesem Manne und scheue
auch nicht davor zurück, einen guten Preis für derartige,
meistens ungemein zeitraubende Ausbesserungsarbeiten
zu bezahlen.

Ganz raffinierte Restauratoren besitzt Holland. Es
würde zu weit führen, ihr Verfahren hier zu schildern.
Unter Verwendung eines ausgezeichneten Emaillackes —
wir haben mit dem in Friedenszeiten überall in kleinen
Döschen erhältlichen englischen weißen Emaillack, dem
wir je nach Bedarf Spuren von Ölfarbe zusetzen, um
bestimmte Töne zu erreichen, ausgezeichnete Erfahrungen
gemacht, da er im Licht nicht gibt, — werden ganze
Teile neu übermalt, und das so behandelte Stück be-
kommt zuletzt noch beiderseits einen durchsichtigen
Lacküberzug, so daß schon ein sehr gutes Auge, ein für
Lackierungen besonders gutes Gefühl in den den Finger-
spitzen und eine sehr feine Nase dazu gehört, um den
Schwindel zu merken. Oft erst nach Jahren, wenn un-

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