Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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nicht nur Chinesisches, sondern auch Islamisches zum
Vorbild nahm. Und sie zeigt, daß auf diesem Wege
eine durchaus selbständig anmutende Verarbeitung und
Verschmelzung der Vorbilder möglich war. Auf dem
Gebiete der Fayencedekoration war die Kluft zwischen
Europäischem und Islamischem längst nicht so tief wie
die, die das fundamental andereChinesische von ihm schied.

Die Platte ist aber auch von Wichtigkeit für das
Verständnis der Hamburger Fayencen. Es war bisher1)
nicht gelungen, sie ihrer Isolierung zu entreißen. Hier

') S. A. Stoehr, Deutsche Fayencen usw., S. 53ff.

haben wir nunmehr ein Stück, das nicht hamburgisch
ist, den dortigen Erzeugnissen aber nicht nur technisch
sehr nahe steht, sondern an der geistigen Bewältigung
der fremden Vorbilder die man an ihnen mit Recht ge-
rühmt hat,2) sie vielleicht noch übertrifft.

Ob es sich um den gleichgerichteten Ausdruck einer
Zeittendenz oder aber um ein Abhängigkeitsverhältnis
(bei dem die Führerrolle aller Wahrscheinlichkeit nach
dem älteren Fayencelande zuzusprechen wäre) handelt,
das muß vorläufig dahingestellt bleiben.

2) A. Oottschewski im Cicerone IV, 1912, S. 395.

Vlämische Fayenceplatte,
frühes 17. Jahrhundert


Bayerisches National-
Museum, München

Bt?cs(auec Kunstbctef*

Die Bildet? det? Sammlung Sachs.

Man schreibt uns aus Breslau: In einer Stadt, die wie

Breslau nicht in der Lage ist, das Museum durch häufigen Ankauf
von kostbaren Werken zu bereichern, spielt -im Kunstleben natur-
gemäß der Privatsammler eine bedeutende Rolle, denn in seinem
Besitz konzentrieren sich oft die künstlerischen Werte, die in
Städten mit reicheren Geldmitteln beglückendes Gemeingut der
Bevölkerung sind. Der Name des Privatsammlers Karl Sachs ist
ja auch dem größeren Publikum unserer Stadt wohlvertraut, da
Herr Sachs durch Leihgaben und Geschenke schon öfter in bereit-
williger Weise Breslauer Ausstellungen sowie das Museum unter-
stützt hat.

Es soll hier ein kurz orientierender Überblick über die Karl
Sachs’sche Gemäldesammlung folgen, die mit einem sehr persön-
lichen Geschmack und einem unbeirrbaren Blick für künstlerische
Qualität während vieler Jahre zusammengetragen ist. Der Haupt-
akzent der Sammlung liegt auf der Kunst des französischen und
deutschen Impressionismus, der Zusammenhang mit der Generation
der Fontainebleauer Meister wird hier klar. In Querschnitten

erscheint die Entwicklung von Courbet an bis auf unsere Tage
(unter konsequentem Ausschluß der jüngsten expressionistischen
Richtung) eine Geschichte vollendeter Sehkultur. Es gelangt
einmal die Linie Courbet, Leibi, Trübner, Thoma zu wertvoller
Anschauung. Courbets großartiger Ernst, seine gigantische Wucht
des Pinselstrichs kann kaum in seinen Galeriewerken überzeugender
sprechen als hier in einem Äpfelstilleben, in dem in diese paar
runden Formen Schwellendes, Drängendes, Überreifes mit meister-
hafter Konzentration gebannt ist und in einer malerisch fast auf
gleicher Höhe stehenden kleinen Felslandschaft, deren unvergeß-
liches Blau des Himmels eine weiche lyrische Stimmung wachruft.
Sehr eindrucksvoll ist der Vergleich, den man hier zwischen der
Porträtkunst Leibis, Trübners, Uhdes und Maries ziehen kann.
Das Bildnis des Geheimrats Segers von Leibi stammt aus des
Künstlers später kraftvollster Zeit, mit breiten Pinselstrichen
scheint es wie ln einem raschen Impuls hingeschrieben und
bildet in seiner gegenwartsfrohen Realistik einen eigenartigen
Kontrast zu Marees fast rembrandtisch anmutenden vollkommen

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