Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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Denn in dem flachen Plakatstil, den er routiniert malt,
malt heute und überall ein großer Teil der „schnell
fertigen" Kunstjugend. Ganz nebenbei möchte ich mir
die Bemerkung erlauben, daß „die errechnete Mechanik“
der Renaissancemalerei trotz allen Systemen der jüngsten
„Richtungen“ ebensowenig umzubringen ist, wie der
moderne Impressionismus. Aber das nur nebenbei. Und
was Kirchners Graphik anlangt, so bewegt sie sich,
meiner Ansicht nach, in den gleichen Bahnen, wie sie
heute unzählige begabte und unbegabte Graphiker gehen.
Ein Novum bedeutet, trotz aller „Prophetie“, auch seine
Graphik nicht. Vorläufig. Daß die moderne Abteilung des

Kupferstichkabinetts bisher schon so viele Blätter von
ihm erworben hat, mag dem Künstler zur Ehre gereichen.
Ich aber kenne eine stattliche Reihe von Schaffenden,
die, rein künstlerisch genommen, in den letzten drei bis
vier Jahrzehnten weitaus mehr geleistet haben, als der
vierzigjährige Ernst Ludwig Kirchner und die — noch in
keiner öffentlichen Galerie hängen. Und noch eins: es
ist ein charakteristisches Zeichen verständnisloser Kunst-
bewertung, daß kürzlich dem Berliner Kunsthandel ein
Bild von E. L. Kirchner für — 120000 Mark angeboten
wurde! Für sage und schreibe Einhundertzwanzigtausend
Mark!

Edward Dayes,
Soiron sc.

Promenade im
St. James Park

Auktion bei

Hollstein und Puppel,
Berlin

Alte Weiftet aus Düffeldorfec Petoatbeßb

oon

6tHeb Rein

Für diesen Monat und voraussichtlich noch einige
Wochen darüber hinaus hat sich in den Räumen
des Kunstvereins zu Düsseldorf eine Ausstellung von
Werken Alter Meister aus Düsseldorfer Privatbesitz ge-
öffnet, die man den Städtischen Kunstsammlungen in
Verbindung mit dem Immermannbund und dem Kunst-
verein für die Rheinlande und Westfalen verdankt. Um
der mancherlei Werte willen, die in dieser Schau alter
Kunst, von den rein ästhetischen abgesehen, angehäuft
sind, verlohnt es sich schon, ihre Ergebnisse und ihren
Gehalt aufzuzeigen. Zunächst hat diese Ausstellung eine
bemerkenswerte lokale Bedeutung: seit dem Jahre 1886
werden hier zum ersten Male wieder alte Gemälde aus
einheimischem Privatbesitz zu einer umfangreichen Dar-
bietung vereinigt, die einige den Düsseldorfer Sammlern
nicht ungünstige Beobachtungen zuläßt. Man hat hier

sichtlich stets weniger auf große Namen der Kunst-
geschichte als auf Qualität des einzelnen Stückes und
zwar seine rein malerische gesehen. Das erscheint nicht
weiter verwunderlich in der Stadt einer Maler-Akademie,
in der naturgemäß die Erkenntnis technischer Malprobleme
weiter und tiefer als anderswo verbreitet ist. Und die
Maler waren und sind hier die hauptsächlichsten Sammler
alter Kunst. So zeigt diese Schau, daß die Vorliebe,
bisher wenigstens, auf die allen Erscheinungen der Natur
mit getreulichem Pinsel nachgehende holländische Male-
rei des 17. Jahrhunderts gerichtet gewesen ist. Daneben
auf die gleichzeitige flandrische Kunst, auf Italiener und
Deutsche des 16, Jahrhunderts. In neuerer Zeit sind da-
zu, und auch davon berichtet die Ausstellung sehr reiz-
voll, deutsche, italienische und niederländische Primitive
des 14. und 15. Jahihunderts gekommen, um deren Er-

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