Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

Page: 472
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstwanderer1920_1921/0480
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Es sei übrigens nicht verschwiegen, daß der
hohe, ungefähr 5x/2 Millionen Fr. betragende Erlös
der Sammlung des französischen „Patrioten“
Engel-Gros damit in Zusammenhang gebracht wird,
daß in diesem Falle das französische Ausfuhrverbot
für Kunstschätze nicht in Anwendung kam, und

somit alle Erwerbungen von den Käufern ohne
irgendwelche Abgaben ins Ausland gebracht werden
können. Als Grund für diese Ausnahmebestimmung
wird der Umstand angeführt, daß das Schloß
Ripaille ganz nahe der Schweizer Grenze am Genfer See
gelegen ist.

jvtöbel im Altertum

oon

p. piavtell

Ist das urkundliche Material, welches uns über die Möbel
* des Altertums Aufschluß gibt, auch nicht überreichlich
vorhanden, so ist es doch ausreichend, uns ein Bild von
den Möbeln des Altertums zu geben. Daß wir es bei
diesen Möbeln, soweit die künstlerische Architektonik in
Frage kommt, mit fast durchweg primitiven Formen zu
tun haben, kann bei dem Kulturstand jener Jahrtausende
zurückliegenden Zeiten nicht weiter überraschen. Ander-
seits haben wir in manchem Möbel des Altertums nichts
weiter als einen geschichtlichen Vorläufer für viele
Gegenwartsformen der Möbelkunst zu betrachten. Von
den alten Ägyptern, mit ihrem reichen Kulturleben, sind
wir hinsichtlich der Möbelkunst nur dürftig unterrichtet.
Unter den kunstlosen Resten der der alten Ägypterzeit
entstammenden Sammlungen unserer Museen entdecken
wir schmucklose Tische und Sitzmöbel, namentlich
Gestelle für Vasen und Gefäße. Das einfachste ägyptische
Sitzmöbel war ein auf Stützen gestelltes oder gelegtes
Brett. Gewährte man ursprünglich bei diesen Möbeln
der Zweckform ausschließliche Herrschaft, so rang sich
doch später hier die Kunstform durch. Von diesem ein-
fachen Sitzmöbel schritt man zum Lehnstuhl, worauf man
bald weiterging und der Lehne neue künstlerische Formen
gab. Im Altertum hatte die Tischlerei in der gleichzeitigen
Bronzeindustrie eine wesentliche Förderin ihrer künstle-
rischen Bestrebungen, da durch letztere das symbolische
Motiv der Kunst in die Möbelkunst hineingetragen wurde.
Die Totenbetten oder Totensitze der alten Ägypter, auf
welchen der Verstorbene ruhte, wurden nach religiösem
Brauch von Hunden links und rechts bewacht. Von
dieser Religionssitte entlehnte die Möbelindustrie die
künstlerische Ausgestaltung der Beine für die Sitzmöbel,
in dem seit jener Zeit Tiergestalten als Beine für Tische
und Stühle als künstlerischer Dekor zur Anwendung
kamen. Von derselben Gewohnheit der alten Ägypter
glaubt man auch die Verwendung des Tierkopfes bei
Stuhllehnen ableiten zu müssen. Im Altertum waren
diese Tierstützen außerordentlich beliebt und unverkennbar
läßt sich manche Ähnlichkeit dieser alten Möbelstücke
mit dem künstlerischen Zug unsrer Moderne feststellen.
Allerdings hatte die Möbelkunst in der Anwendung des
Tiermotivs viel der alten Bronzekunst zu verdanken,
welche sich bei ihren Arbeiten schon wesentlich früher
der Tierelemente in künstlerischer Beziehung bedient

hatte. Ein wesentlicher Unterschied der Möbel des Alter-
tums und der heutigen gegenüber lag darin, daß dem
Alten die Polsterung unbekannt war. Wenigstens in der
technischen Auffassung, die uns heute geläufig ist. Man
bediente sich im Altertum zum Zwecke der Polsterung
ausschließlich loser Kissen oder sonstiger Unterlagen
von Stoffen, auch kamen hier oft Felle in Betracht. Daß
von Polsterungen dieser Art das Altertum zweifellos sehr
viel Gebrauch machte, ergibt sich aus den zahlreichen,
auf uns gekommenen Abbildungen alter Denkmäler.
Dieselben Dokumente lassen es auch als sicher erscheinen,
daß die alten Ägypter auch eine einfache Intarsienarbeit
kannten. Besonders wurde Elfenbein neben anderen
Materialien zur Verzierung von Stuhlbeinen und Lehnen
als Einlagematerial verwendet. Der Thron des Pharao
läßt erkennen, wie weit bereits Technik und Kunst in
den Möbeln der alten Ägypter vorgeschritten war.

Das zweite bedeutende Kulturvolk der Assyrer kannte
merkwürdigerweise nur Sitzmöbel. Auch hier bilden die
assyrischen Herrscherthrone das charakteristischste Bei-
spiel für die technische Entwicklung der assyrischen
Sitzmöbelkunst. Auf den Alabasterreliefs der freigelegten
mesopotamischen Ruinenstädte können wir diese Ent-
wicklung klar verfolgen. Die assyrischen Thronstühle
weisen eine reiche Ausstattung auf. Armstützen und
Lehnen, besteckt mit kostbaren Stoffen, sind typisch
hierfür. Als ein weiteres Charakteristikum der meisten
dieser assyrischen Thronstühle ist hervorzuheben, daß
die einzelnen Stege von Männern übereinander getragen
werden, worin symbolisch die Dienstbarkeit der Nationen
zum Ausdruck gebracht werden sollte. Ein Vorgang, der
bei den ägyptischen Königsstühlen in ähnlicher Weise
durch Gefangene an den Stuhlbeinen illustriert wurde.
Vor den assyrischen Thronstühlen pflegte ein zierlicher
Schemel zu stehen. Beachtenswert an den assyrischen
Möbeln ist weiter, daß sie mit Metallblech überzogen
waren, das wieder selbst noch die mannigfachsten Ver-
zierungen zeigte.

Eine wesentlich reichere Ausgestaltung erfuhr die
Möbelkunst bei den alten Griechen und Römern. Das
Mobilar der Antike war im großen und ganzen mit Sitz-
möbeln, Tischen, Betten und Truhen erschöpft. Besonders
die Füße der Möbel erfuhren unter dem Einfluß der
hochentwickelten griechischen Kunst die mannigfachste

472
loading ...