Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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Falle dem Künstler Beifall und Anerkennung nicht ver-
sagen können. Ja, es möchte fast scheinen, als ob er
auch selbst besonders stolz auf diese seine Leistung ge-
wesen sei, da sich auf der glatten Rückseite des Sockels
eine aus den groß und breit eingegrabenen Buchstaben
CRC gebildete Bezeichnung befindet, in der man kaum
etwas anderes als seine Signatur erkennen kann.

Und in der Tat besaß die Fabrik einen Modelleur,
auf dessen Namen jene Buchstaben vortrefflich passen.
Es war ein Sohn ihres Gründers, Christof Rudolf Chely,
der, obwohl erfahren in fast allen Zweigen der Keramik,
doch hauptsächlich und, wie es scheint, als der einzige
des gesamten Personals die Kunst des Bossierens dort
ausübte. So schuf er auch die Mehrzahl aller Figuren-
modelle, untei denen besonders genannt werden Gärtner,
und Gärtnerin, Bettler und Bettlerin, Wiegen, Pagoden,

Fruchtkörbe, Messerschalen, Melonen, Spargelbunde,
Husaren, Perser, Weintrauben, Brustbilder, Butterdosen
Tauben auf dem Nest u. s. w. Mag es auch dahin ge-
stellt bleiben, ob unter den hier erwähnten Brustbildern
Reliefbildnisse in Medaillonform, woran man vielleicht
zunächst denken möchte, oder Büsten wie die vor-
liegende zu verstehen seien, so kann es doch keinem
Zweifel unterliegen, daß Christof Rudolf Chely der
Modelleur unseres Büstchens gewesen ist. Bis auf
weiteres wird dieses also als das einzige gesicherte Werk
dieses Modelleurs, der später (1757) nach der Auflösung
seiner väterlichen Fabrik in der gleichen Eigenschaft
zu der von Hornschen Fabrik übertrat, zu gelten haben;
ebenso wie jene oben erwähnten naturalistischen Fayencen
mit höchster Wahrscheinlichkeit auf seine Hand zurück-
geführt werden dürfen.

Abb. 3.

Deckel eines Gefäßes,
mit Früchten belegt

Chelysche Fabrik
zu

Braunschweig

Aus dev jYlufeumss und SammlevwelL

Für den Besuch des K a i s e r - F r i e d r i c h -
Museums in Berlin sind als eintrittsfreie Werktage von jetzt
ab Mittwoch und Sonnabend (statt bisher Mittwoch und
Freitag) vorgesehen.

Das Schloß am Lustgarten wird neuerdings in immer
steigendem Maße von Personen aufgesucht, die der irrigen
Meinung sind, daß das daselbst im Entstehen begriffene Schloß-
museum (Kunstgewerbemuseum) sei bereits zu besichtigen.
Demgegenüber wird darauf hingewiesen, daß dieses Museum noch
nicht eröffnet ist, und die Eröffnung auch vor dem Monat Juli d. Js.
nicht zu erwarten steht. Diese wird seinerzeit rechtzeitig bekannt-
gegeben werden.

Berlin, den 4. Juni 1921
Der Generaldirektor der Staatlichen Museen.
*

Der Berliner Kunstschriftsteller Dr. Julius Elias wird am
12. Juli sechzig Jahre alt. Er steht in der ersten Reihe der Förderer
der modernen deutschen Malerei und ist in Berlin einer der ersten
gewesen, die sich für die Wege des Impressionismus in Deutschland
in sachlich enthusiastischer Weise eingesetzt haben. Schon An-

fang der neunziger Jahre trat er bewundernd für das Werk von
Lesser Ury ein und er hat dann über die Malerei Max Lieber-
manns, Wilhelm Trübners u. a. vielbeachtete Studien geschrieben.
Von den Werken des Dr. Elias möchten wir seine „Zeichenkunst
des französischen Impressionismus“, seine „Max Liebermann,
72 Familienzeichnungen“ besonders hervorheben. Dr. Julius Elias,
der längere Zeit in Paris gelebt hat und zu den besten Kennern
des französischen Impressionismus zählt, ist auch als feinfühliger
Kunstsammler bekannt und geschätzt.

*

In Mü nchen wurde eine „Gesellschaft für zeich-
nende Künste“ gegründet. Der Vorstand ist aus folgenden
Herren zusammengesetzt: Generaldirektor der bayrischen Staats-
gemäldesammlungen Dr. Dörnhöffer, Direktor der Graphischen
Sammlung in München Dr. Weigmann, Professor Dr. Hans Tietze
in Wien, Direktor der Karlsruher Kunsthalle Dr. Storck. Die
geschäftliche Leitung der Gründung liegt bei dem Münchner
Verlag 0. C. Recht (Leopoldstraße 3). Als erste Veröffentlichung
wird eine Mappe mit Facsimilia von Zeichnungen Grünewalds
vorbereitet.

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