Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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1. Mörzfieft

Das berliner Scbloßmufeum

oon

0~ o. Falke

|ie Überführung und Einordnung der Sammlungen
des Kunstgewerbemuseums in die Repräsentations-
räume des Schlosses am Lustgarten ist allmählich so weit
fortgeschritten, daß man einen kurzen Vorbericht geben
kann, ohne fürchten zu müssen, daß die Endergebnisse
von diesen Mitteilungen erheblich abweichen. Der Plan
eines Schloßmuseums war dem Wunsch entsprungen, das
glänzendste Denkmal unserer Raumkunst durch pflegliche
Behandlung zu erhalten und öffentlich zugänglich zu
machen Die ganz irrtümliche Ansicht, daß diese weiten
und festlichen Prunkräume sich auch zu profanen Nütz-
lichkeitszwecken eignen würden, hatte unter dem Druck
der zunehmenden Behördeninflation und Raumnot den
Anspruch geweckt, das Schloß für Büros und dergleichen
preiszugeben. Den besten Schutz gegen solchen Miß-
brauch eines dauernder Pflege bedürftigen Kunstdenkmals,
der in kurzer Zeit dessen Ruin herbeiführen mußte, bot
die Umwandlung in ein Museum. Das Berliner Schloß
ist aber, was die alte Einrichtung betrifft, nicht in der
glücklichen Lage der Münchener Residenz, die vom
18. Jahrhundert herwärts ein sehr vollzähliges Mobiliar
und auch noch aus dem 16. und 17. Jahrhundert hervor-
ragende Möbel besitzt. Es fehlt zwar auch hier im
Schloß nicht an kostbaren Wandteppichen, Barocksilber,
schönem Porzellan, Bildern, einigen bedeutenden Skulp-
turen und mancherlei anderen Kunstwerken, aber von
den alten Möbeln hat sich nur sehr wenig erhalten. Um
den langen Reihen von zumeist reich dekorierten Sälen
und Galerien auch außer dem architektonischen Schmuck
der Wände und Plafonds wieder einen künstlerischen
Inhalt zu geben, waren am vorteilhaftesten die Samm-
lungen des Kunstgewerbemuseums heranzuziehen. Sie

enthalten in ihren alten Beständen vieles, was früher zur
kurfürstlichen und königlichen Kunstkammer gehört und
im Schloß seinen Platz gefunden hatte.

Diejenigen Teile des Schlosses, die nach der künst-
lerischen Bedeutung ihrer Innendekoration für das Schloß-
museum in Betracht kommen, sind umfangreich genug,
um so ziemlich die ganzen Bestände des Kunstgewerbe-
museums aufzunehmen. Diese Räume umfassen, be-
ginnend vom großen Eosanderportal an der Schloßfreiheit,
wo sich künftig der Eingang zum Schloßmuseum befinden
soll, die nördliche Hälfte der Westfront und die ganze
Nordfront am Lustgarten durch alle drei Stockwerke. Im
dritten Geschoß gehen die Museumsräume weiter nach
Osten an der Spree entlang und im Süden umfassen sie
noch etwa zwei Drittel der Schloßplatzfront bis zum
Joachimsaal über dem Portal II, Um diesen mächtigen
Komplex, der den kunstgeschichtlich wichtigsten Teil
des Schlosses :— von der Kapelle abgesehen — um-
schließt, museal voll verwerten zu können, wurde be-
schlossen, alle Sammlungen des Kunstmuseums in das
Schloß zu übertragen.

Eine so gründliche Umstellung eines unserer größten
Museen durfte nicht vorübergehen, ohne daß der Versuch
gemacht wurde, in der Entwicklung der Museen einen
guten Schritt voranzukommen.

Das Problem der Zerlegung umfangreicher Museen
in Schausammlungen für die große Masse der Besucher
und in Studiensammlungen für die Fachleute harrt seit
langem auf eine praktische Lösung. Entstanden aus dem
natürlichen Widerstreit der strengen Wissenschaftlichkeit
und der Popularisierungsbestrebungen, ist es schon oft
literarisch behandelt, aber noch nirgends praktisch er-

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