Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

Page: 447
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Genannter Freund schrieb mir und sagte mir, dass
er das Bild mit nächster sicheren Gelegenheit ab-
schicken werde und dass ich dem Herrn Büry die
100 Scudi bezahlen könne, welches gleich geschehen —
wie Sie aus beiliegender Quittung sehen werden. Bitte
mich Ihro Durchlaucht der allergnädigsten Fürstin
demüthig zu Füssen zu legen.

Über Ihre Beschäftigung in der Kunst freue ich
mich sehr, besonders weil Ihre Nachforschungen dem
Künstler sehr nützlich sein können. Die Harmonie
und Wahrheit der Farbe ist eine der schweren Sachen,
alle Künstler werden dem, der eine sichere Methode
vorschreiben kann, Vieles zu danken haben. Ich
wünschte sehr, dass Sie in Rom wären, damit ich
eine Probe sehen könnte. Denn gewiß Sie haben in
Ihren Werken ihre gemachten Studien über das Colorit,
oder neue Methode die Farben zu brauchen schon
glücklich angebracht. Mir ist, Sie werden Rom doch
noch ein Mahl besuchen. Indessen bin ich versichert,
dass Sie in Weimar in Gesellschaft so guter Freunde

recht glücklich leben. Grüssen Sie höflichst alle die
ich das Glück habe zu kennen und die von mir hören
mögen.

Der Herr Geheime Rath Goethe theilt nun seine
Zeit zwischen Mars und den Musen, die sich sonsten
nicht wohl zusammenschicken. Ich bitte diesen werthen
Freund recht vielmahl von mir zu grüssen — er hat
sehr lange nicht an mich geschrieben, und ich nicht
an Ihn. Nichts desto minder erinnere ich mich seiner
mit höchster Achtung, und ich flatiere mir dass auch
er seine römischen Freunde nicht ganz aus dem Herzen
schliesst. Hier lebt man Gott lob anjezzo sehr ruhig.
Ich bin Gott sei Dank ganz wohl, und immer be-
schäftiget. Mein Mann empfehlet sich in Ihr Andenken,
und ich bin mit wahrer Achtung

Ladung Dat?mstaedtet’

Der 75. Geburtstag Prof. Dr. Ludwig Darmstaedters,
zu dessen Ehrung Dr. Julius Schuster, der Mitarbeiter des
Begründers der Dokumenten-Sammlung Darmstaedter der
Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, den vorstehenden
Künstlerbrief veröffentlicht, fällt auf den 9. August.
Dieser Tag ist auch für den „Kunstwanderer“ ein Ehren-
tag: Wir verdanken Prof. Darmstaedter die wertvollsten
Publikationen aus den Beständen seiner unvergleichlich
reichen Handschriftensammlung.

Die Enstehung und Entwicklung seiner Sammlung hat
Darmstaedter selbst vor Jahresfrist im „Kunstwanderer“
geschildert und über ihre besondere Bedeutung für die
gesamte Wissenschaft sprach erst kürzlich General-
direktor Dr. Milkau von der Preußischen Staatsbibliothek, als
die Dokumenten-Sammlung Darmstaedter im großen
Ausstellungssaal der Staatsbibliothek die Ausstellung ihrer
Kostbarkeiten aus dem Gebiet der Naturwissenschaften
veranstaltete. Wir möchten heute nur noch bemerken,
daß Prof. Darmstaedter seit dem 31. Dezember 1907, da
er seine Autographen und Dokumente durch Stiftungsakt
als Gabe zur Eröffnung des neuen Gebäudes der Staats-
bibliothek darbrachte, mit bewunderungswürdiger Intensität
an dem Ausbau der Sammlung arbeitet, die heute nach
zehntausenden von Handschriften zählt. Tag für Tag
sitzt der Gelehrte an seinem Arbeitstisch in der Staats-
bibliothek. Und die Wissenschaft weiß seine rastlose
Tätigkeit und seine Verdienste zu würdigen.

Prof. Darmstaedter pflegt aber nicht bloß seit Jahr-
zehnten das Gebiet des Handschriftensammelns, er ist
auch einer der hervorragendsten Kenner des Porzellarts.
Seine Porzellansammlung, die heute ein Studiensammlung
ist, in der sich Kunstforscher und Kunstfreunde aus aller
Welt ein Stelldichein geben, ist wohl die berühmteste
unter den deutschen Sammlungen dieser Art. Prof. Darm-
staedter war überhaupt einer der Ersten, die sich der
Erforschung des europäischen Porzellans hingegeben
haben. Er hat mit ungewöhnlichem Verständnis gesammelt.
In seiner Sammlung sind alle deutschen Manufakturen
durch erste Qualitäten vertreten, und neben den berühmten
Gruppen, Figuren und Geschirren von Meißen, Wien usw.
sieht man auch die erlesensten Stücke der Manufakturen
des Auslandes wie Chelsea, Wedgwood, Capo di Monte,
Buen Retiro und Kopenhagen. An der Spitze aber steht
S£vres. Wir glauben nicht, daß sich sonst in deutschem
Privatbesitz eine so hervorragende Kollektion an Sevres-
Porzellan befindet, wie in der allen Kunstforschern
zugänglichen Sammlung Darmstaedter. Man empfindet,
daß diese Kunstwerke von einem Kenner erworben sind
der die angeborene Gabe der Qualitätseinschätzung besitzt.

Der „Kunstwanderer“ wünscht seinem ewig-jungen
Mitarbeiter Ludwig Darmstaedter, der auch Mitglied der
Kunstkommission des Berliner Kunstgewerbemuseums
ist, daß er noch viele, viele Jahre wirken möge zum
Wohle der Kunst und der Wissenschaft!

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