Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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als Sechsundfünfzigjähriger darin zum Ausdruck gebracht
hat. Wer das Bautzener Bild recht würdigen will, der
lasse sich nicht durch den symbolreichen Rahmen ab-
lenken, sondern lasse das edle ruhige Antlitz in stiller
Zwiesprache auf sich einwirken. Für einen stillen, ab-
geschlossenen Raum hat sich Thoma das Bild gedacht.

Interessant ist in diesem Zusammenhänge ein Brief, den
Thoma am 29. Mai 1896 von Frankfurt aus an seinen
Freund Schümm richtete und in dem er schrieb: „Meine
Christusangelegenheit, und daß nun neun Christuse in
Berlin ausgestellt sind, hat mich etwas verstimmt: so war
es nicht gemeint — ich bin doch so gelinde hereinge-
fallen — während ich malte, dachte ich an eine stille
Kapelle pp. — Aber da hilft alles nichts, ich habe mein
Recht an das Bild verkauft — und schließlich schadet

es weder den Berlinern noch dem Bilde etwas, wenn sie
Zusammenkommen.“ (Hans Thoma-Buch, herausgeg. von
K.J. Friedrich, Verlag E.A. Seemann, Leipzig 1919, S. 127-128.)

Dieses wertvolle Thomabild befindet sich seit 1902
im Besitze der Stadt Bautzen. Damals schenkte es ein
Kunstfreund, der inzwischen verstorbene Kommerzienrat

Otto Weigang, seiner Vaterstadt mit mehr als 200 ande-
ren Bildern moderner Meister, die den Grundstock der
Gemäldesammlung unseres Stadtmuseums bilden, einer
Sammlung, um die uns nicht nur manche Provinzstadt,
sondern auch manche Großstadt beneiden kann. Unter
den Gemälden der Weigang-Stiftung befindet sich noch
ein zweites großes Thomabild, eine Herbstlandschaft aus
dem Jahre 1895, von dem Thodes Thomawerk Seite 387
eine Abbildung enthält.

Det? Btldbauet? Alexander Teippel
und feine Arbeiten in Arolfen und lüetmar

oon

ftians

Jedem aufmerksamen Besucher der ehrwürdigen Landes-
bibliothek zu Weimar wird die Marmorbüste Goethes
und auch die Herders, Arbeiten des schweizerischen Bild-
hauers Trippei, (geb. am 23. September 1744 in Schaff-
hausen) in guter Erinnerung geblieben sein. Sie gelten,
und das nicht mit Unrecht, als Haupterinnerungsstücke
an die große Zeit Weimars.

Wer das schöne und prächtige, im Stile des fran-
zösischen Barocks aufgebaute Residenzschloß in Arolsen,
der stillen, abgelegenen Hauptstadt Waldecks, betritt, dem
werden hier im Treppenhause zwei Büsten in Marmor

des gleichen Bildhauers begegnen. Es sind das Goethe
wiederum und Friedrich der Große. Wie sind diese
beiden Bildwerke hierhergekommen und welche Beziehung
besteht zwischen dem Goethe in Arolsen und dem in
Weimar? Ist es möglich hierüber Auskunft zu geben?

Zu der Zeit als der Dichter in Italien weilte, befand
sich dort auch Prinz Christian von Waldeck, ein Bruder
des regierenden Fürsten Friedrich, ein tapferer Kriegs-
mann im Dienste des Hauses Österreich, aber auch ein
großer Freund und Gönner der Künste und Wissenschaften.
In seiner italienischen Reise berichtet Goethe unter dem

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