Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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Rätselhaft bleibt zunächst noch die Doppelbezeichnung
des Glases im hamburgischen Museum. Was bedeutet
das fec. 1812 bei Viertel’s Namen neben dem px. bei
dem Namen Siegmund’s? Vergleichbare Doppelbezeich-
nung findet sich auch sonst. So befindet sich in der
großartigen Gläsersammlung Mühsam in Berlin ein erst
neuerdings erworbener Becher mit der Ansicht der
Dresdener Elbbrücke, Frauen- und Hofkirche, dessen
Bildfeld links die bisher nicht gedeutete Signatur F. G. p.,
rechts die Bezeichnung G. Mohn 1811 F. trägt, ferner
steht — nach freundlicher Mitteilung von Herrn G. W. Schulz
— auch auf einem Glasbecher im Leipziger Kunst-
gewerbe-Museum mit der Ansicht der Elbbrücke

und der Hofkirche in Dresden (Abb. 3) unter dem
Bildfeld rechts der Namen Mohn, links das Signum
C. v. S. 1815, das sich auf jenen C. v. Scheidt bezieht,
den Robert Schmidt in seiner Veröffentlichung der
Gläser der Sammlung Mühsam (Berlin 1914) bekannt
gemacht hat.

Wie Siegmund und Viertel hat, nach der Doppel-
bezeichnung des Leipziger Glases, also auch der Berliner
C. v. Scheidt, was nach dem ganzen Charakter der bisher
von ihm bekannt gewordenen Arbeiten schon wahr-
scheinlich war, wenigstens eine Zeit lang zum engsten
Schul- und Werkstattkreis der Glasmaler Samuel und
Gottlob Samuel Mohn gehört.

Abb. 3

Ansicht der Hofkirche
und des Schlosses in Dresden

Bez. links: C. v. S. 1815, rechts: Mohn
Höhe 10,6 cm

Leipzig, Kunstgewerbemuseum

Die neuen Püospet’o^Dt’ucke

Mit beiläufigen Bemerkungen
oon

fedot> cc

Das muß man sagen: Leben herrscht im deutschen
Buchgewerbe! Wer Gelegenheit hat, ständig oder
auch nur zuweilen das Buchhändler-Börsenblatt durch-
zusehen, wird geradezu erstaunt sein über die Riesenfülle
an neuen Buchwerken, die auf den unheimlich ange-
häuften Inseratenseiten teils kühl geschäftsmäßig, teils mit
schönen Worten angekündigt und angeboten werden.
Am erfreulichsten ist dabei, daß auch die wissenschaft-
liche Literatur wieder langsam zu ihrem Rechte kommt;
vergriffene Werke werden neu aufgelegt, man scheut sogar

Bo

nicht vor einem gewissen Risiko zurück und versucht
unbekanntere Autoren einzuführen, oft mit vielem Glück,
trotz der erheblich gestiegenen Preise und der dem Laien
ganz willkürlich erscheinenden Teuerungs- und Sorti-
menter- und sonstiger Zuschläge. Aber das Publikum
ist entschieden kauflustig, es bezahlt die hohen Preise —
man hat sogar, und das ist in der Tat merkwürdig, die
Erfahrung gemacht, daß teurere Bücher besser „gehen“
als die billigen. Das ist auch bei der Belletristik der
Fall. Verschiedene Verleger haben ihre alten wohlfeilen

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