Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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Emaillierter persischer Glasbecher; XIII.—XIV. Jahrh.

Auktion Engel-Gros Nr. 127: 105000 Fr.

durchseelten Männerporträt, dessen Fleischtöne aus schwerem
dunklen Hintergrund gespenstisch hervorleuchten. Ein Uhde’sches
Mädchenbildnis erfreut in seiner frisch erfaßten Lebendigkeit als
typisches Werk des Meisters, zwei Trübner’sche Jugendwerke
dagegen, Profilköpfe eines Mädchens und eines Jünglings, zeigen
eine Reife der Auffassung, die selbst den Kenner Trübner’scher
früher Malerei frappieren mag. Hier ist in der Gestaltung ein
Punkt erreicht, wo jedes Interesse am technischen Können zurück-
tritt vor dem Eindruck der geradezu seherischen Psychologie der
Darstellung. Thoma’s 1878 gemalte allegorische Darstellung —
aus tiefblauem Meer aufsteigende Gestalten, die eine Brunnen-
schale hochheben — gehört in ihrer herben Monumentalität wohl
zum Glücklichsten, was der Meister in diesem Gebiete geschaffen
hat. Vor allem aber zeugt auch bei Thoma wieder ein Frühwerk
von dem treffsichern Urteil des Sammlers, eine mit 28 Jahren mit
ganz unerhörter Frische gemalte Frühlingslandschaft, die den
Meister auf einer so erstaunlichen malerischen Höhe zeigt, daß
viele ihre Meinung über den „Ideenmaler“ Thoma hier revidieren
können. Eine mit Geschmack gegenübergehängte, im Zauber des
Kolorits an den besten Diaz gemahnende Spitzweglandschaft
bietet eine willkommene Vergleichsmöglichkeit, überhaupt werden
hier die verschiedenen Zusammenhänge und Einflüsse gerade der
Landschaftsmalerei an besonders charakteristischen Werken
deutlich (wenn auch natürlich nur Qualitätsgesichtspunkte und
keine historischen für den Sammler maßgebend waren); einmal
wird die stimmungsvolle Landschaftskunst der Barbizonmeister
durch eine sehr glückliche Auswahl von Werken Corots, Rousseaus,
Duprös, Diaz und Daubignys zur Anschauung gebracht, ebenso
ist die Landschaft des französischen Impressionismus durch die
besten Namen (Monet, Sisley, Pissarro) vertreten. Auch Bilder
der Tiermaler Troyon und Zügel sowie ein paar überraschend
reife kleine Dreßlers sind hier zu erwähnen. Eine Delacroix’sche
Farbenstudie zum „Massacre“ von Rubens’scher Dramatik zeigt
wieder einmal, wie nicht „fertiggemalte“ Werke oft den Wert der
ausgeführten Arbeit übertreffen können, bei der, wie auch bei
Rubens mitunter, die ursprüngliche Impulsivität hinter mühsamer
Einzelausführung verschwinden kann. Hier schließt sich ein
besonders interessanter Monticelli an; eins jener stark pastös
gemalten, schimmernd bunten Figurenbilder, in denen der Dela-
croix’sche bewegte Kolorismus zur berauschenden Farbenglut
gesteigert ist; in interessanter Weise zeigt ferner ein männlicher v

Porträtkopf wie auch Monticelli zeitweise ganz im Banne des
Rubens stand. Vielleicht den glücklichsten Griff hat Karl Sachs
im letzten Jahr mit der Anschaffung der beiden Renoirs getan;
ein Blumenstilleben, in dem sich ein Spiel von rosa und oliv-
grünen Flächen des Hintergrundes mit den gleichfarbigen Anemonen-
blüten zu einer traumhaften Harmonie verbindet, ist so ganz ohne
jede Süßlichkeit gegeben, daß man hier von einem Sichselbst-
übertreffen des Meisters sprechen kann. Das Porträt der Gräfin
Pourtales gemahnt in der delikaten Behandlung der Fleischtöne
und der Noblesse der Haltung an flämische Meister des 17. Jahr-
hunderts. Von deutschen Meistern seien noch Interieurs, Land-
schaften und Bildnisse von Habermann, Langhammer, Corinth,
Slevogt, Samberger und Weißgerber hervorgehoben, das Damen-
bildnis des letzteren von überraschender Harmonie. Proben von
Teniers, Poelenburg, Jac. Ruisdael wirken als sinnvoller Hinter-
grund in dieser modernen Sammlung. Von der erlesenen Graphik
des Sachs’schen Besitzes seien hier nur Namen wie Munch,
Whistler, Toulouse-Lautrec, Rodin und Millet erwähnt, die zum
Teil in großer Reichhaltigkeit und in seltenen Zuständen und
Frühdrucken vertreten sind.

Die Sammlung hat als eine der bedeutendsten Deutschlands
zu gelten, wer sie gesehen hat, wird nicht mehr gering von
Breslaus Kunstbesitz denken. Dr. M. Rieß.

Die Kund in dev Tumtoiflenßbafh

Aus Anlaß des 4. Sächsischen Kreisturnfestes
in D r e s d e n (16.—18. Juli) war zugleich eine A u s s t e 11 u n g
über Turnwesen veranstaltet worden, die allgemeines Interesse
erregte. Der Gedanke, Turnfeste mit Ausstellungen zu verbinden,
ist nicht neu; so fanden z. B. ähnliche Veranstaltungen auf den
Deutschen Turnfesten in Frankfurt 1908 und in Leipzig 1913 statt.

Die Dresdner Turner-Ausstellung wurde in der Hauptsache
von Turnvereinen und Firmen, aber auch von privater Seite be-
schickt. Oberstudienrat Dr. Gasch hatte eine turnwissen-
schaftlicheSammlung zusammengestellt. Von besonderem
Interesse war der literarische Teil, der alte Turnschriften, Werke,
Turnzeitungen und Flugschriften aufwies, insbesondere Bilder,
darunter historisch und künstlerisch wertvolle Jahn-Kari-
katuren aus dem Jahre 1848, und zwar in einer Anzahl, wie sie
vollständiger nicht im Besitz des Jahn-Museums zu Freiburg a. d. U.
sich befindet Von diesen Karikaturen seien die Blätter „Hunds-
Komödie“, „Nero der Zweite“, „Der Reichsinquisitor“, „Der
Demokratenvertilger“, „Der Demokratenfresser“ hervorgehoben,
ferner bemerkte man in der Ausstellung Runenblätter mit eigen-
händigen Widmungen Jahns. Diverse Bilder bekannter Förderer
des Turnwesens, wie Heubner, Guts-Muths, Martens, der Be-
gründer der Deutschen Turnzeitung, usw. ergänzten die reiche
Bildersammlung des Turnvaters.

Das Hygiene-Museum hatte sich ebenfalls beteiligt,
besonders mit Modellen, Präparaten und Bildern zur Ver-
anschaulichung hygienischer und physiologischer Verhältnisse im
Turnwesen. Auch die Kunst war mannigfach vertreten, so z. B.
die Meisterstätten für Kriegerehrungskunst Heerdegen & Trache
in Dresden-Loschwitz, die Kunstanstalt für plastische Bildwerke
Max Klemm in Dresden, die Dresdner Medaillen-Münze Glaser
& Sohn usw. Zahlreiche Sportfirmen hatten ebenfalls ausgestellt,
vor allem Spiel- und Sportgeräte. Mit Fahnenschmuck und Kunst-
stickereien war die Firma Robert Träger in Pirna vertreten,
darunter wertvolle, künstlerische Handstickereien nach modernen
Entwürfen. Auch die photographische Kunst fehlte nicht, indem
auf einem umfangreichen Stand Ica-Aktiengesellschaft in Dresden
ihre verschiedenen Apparate, darunter einen ganz neueu Amateur-
Aufnahmeapparat für kinematographische Aufnahmen, von dem
hier das erste Modell zu sehen war, ausstellte.

Es sei noch bemerkt, daß der große Festzug, der am 17. Juli
durch die Stadt nach dem Festplatze zog, mehrere recht gelungene
T r a c h t e n gruppen aufwies, wie Vogtländer, Erzgebirger usw.,
teils mit Festwagen, die jeweils die Eigenarten der verschiedenen
Gegenden in naturgetreuer Wiedergabe zeigten.

Paul Sorgenfrei.

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