Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

Page: 164
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Jllustrator Rackham mit dem Entwurf eines allerliebsten
Kindermärchens; ferner eine humoristische Skizze von
Beicher; eine Studie zu Shannon’s „Quelle“; zwei Land-
schaften von Constable, rasch hinskizzierte Momentauf-
nahmen, in denen sich bekanntlich die Frische und Un-
mittelbarkeit des Künstlers am wirksamsten zu äußern
pfegte. Aus der reichen Sammlung von Handzeichnungen
und Radierungen Brangwyn’s, die der berühmte Maler
vor einiger Zeit, dank der Vermittlung der Miss Levetus,
der Albertina zum Geschenk gemacht hat, sind hier auch
einige seiner besten und charakteristischen Stücke zur Auf-
stellung gebracht. Es sei hier etwa ein auf den Entwurf
zum „Ecce Homo“, zur „Papiermühle“ und zur „Wein-
presse“ hingewiesen.

Wir wollen zuletzt, ehe wir unseren Rundgang
beschließen, noch bei den Leistungen österreichi-
scher Kunst verweilen, denen die Albertina, wie
selbstverständlich, seit jeher ein warmes und gesteigertes
Interesse entgegenbringt, ln vorzüglicher Weise ist eine
Auswahl aus dem oeuvre Klimts getroffen worden. Den
Blättern, in denen noch das Formempfinden eines Toroop
und Khnopf anklingt, reihen sich jene bekannten und
gesuchten Zeichnungen an, denen die nervenprickelnde,
erotozentische Rhythmik seiner Spätzeit anhaftet. Von
Schiele ist ein Damenbildnis voll herber Kraft und zeich-

KunftausfteUungeru

Beutln.

Bei Amsler und Ruthardt ist ein Zyklus von
10 Radierungen ausgestellt, die Peter Christian Rasmussen
zu dem Buche Walter Bonseis „Die Biene Maja“ geschaffen
hat, das jetzt übrigens von Romain Rolland ins Französische
übersetzt wird. Rasmussen ist Orlik-Schüler. In seinen Blättern
steckt viel Anmut und Humor. Sie zeigen auch in technischer
Hinsicht das beachtenswerte Talent des jungen Graphikers.

*

Bel Karl Ernst Henrici sah man eine Hosemann-
Ausstellung. Sie gab in ihrer Gewähltheit ein gutes Bild von
der künstlerischen Art des Berlinischen Meisters, über den kürz-
lich Lothar Brieger ein Buch veröffentlicht hat. In der Aus-
stellung bei Henrici hingen neben einer Serie typischer Hosemann-
Bilder seine oft entzückend graziösen, farbigen Blätter.

Düsseldorf.

Am 1. Januar wird in den Räumen des Kunstvereins für die
Rheinlande und Westfalen zu Düsseldorf eine Ausstellung von
Werken alter Meister aus Düsseldorfer Privat-
besitz eröffnet, die seit 1886 das erstemal den Versuch macht,
eine Auslese aus dem Besitz der heimischen Sammler zu bringen.
Seitdem hat die Auflösung der berühmten Galerie des verstorbenen
Herrn Werner Dahl dem Düsseldorfer Sammlerwesen eine noch
nicht geschlossene Wunde zugefügt, doch wird die neue Aus-
stellung lehren, daß hier neben den bewährten älteren neue
Sammler mit wichtigen Erwerbungen auf den Plan getreten sind.
Es werden die „Primitiven“ des 14. und 15. Jahrhunderts nicht
minder mit hervorragendenden Schöpfungen vertreten sein wie
die Meister der Renaissance und des Barocks in Deutschland,
Italien und den Niederlanden. Ein erst neuerdings bekannt ge-
wordenes Gemälde von F. P. Rubens, ferner Bilder von B. Bruyn,
Anton von Worms, Jan Joest, Johann Stephan von Calcar, von

nerischer Wucht zu sehen; von Hofer, dem im Kriege
gefallenen hervorragenden Radierer, der Entwurf zu einem
seiner charakeristischen Werke, dem Gemeinderat von
Malaczka, bemerkenswert. Ein unverfälschter Kokoschka
tritt uns in der kleinen und lebenswarmen Bildnisstudie
des russischen Tänzers Niginski entgegen. Starke Talent-
proben bieten: der Linzer Brosch, ein Schüler Schmutzer’s,
mit einer nachdenklichen Phantasie über den Tod und
der Salzburger Reichel, der in einem farbensatten
Mädchenakt, von den besten Traditionen altdeutscher
Malkunst beeinflußt scheint. Die Originalität und Leistungs-
fähigkeit unserer einheimischen Buchkünstler vermögen
die Skizzen eines Teschner, Liebenwein und Sossmann
(Jllustrationen zu Keller’s: Drei gerechten Kammachern)
nur beiläufig anzudeuten. Verweisen wir noch auf eine
Wiener Lokalstudie von Engelhard, auf ein japanisches
Straßenbild von Orlik und auf die bravourösen Selbst-
bildnisse eines Larsen, Hammer und Michalek, so ist die
Liste des Beachtenswerten noch lange nicht als ab-
geschlossen zu betrachten. Wir schließen jedoch mit
den wenigen Stichproben und wollen uns die mahnenden
Worte eines Hans von Marees ins Gedächtnis zurück-
rufen: „Zeichnungen sind nur für den Künstler selbst
da und allenfalls für diejenigen, die er an seinem inneren
Prozeß teilnehmen lassen will“.

Tinforefto, dazu eine sorgfältige Auswahl von Stilleben der großen
holländischen Meister A. van Beyeren, W. Kalff, W. CI. Heda u. a.
gereichen der Ausstellung zu besonderem Schmuck. Sie ist ver-
anstaltet von den städtischen Kunstsammlungen in Verbindung
mit dem Immermannbunde und dem Kunstverein und auf die
Dauer von vier Wochen berechnet. Ein Katalog mit 8 Bildtafeln
wird die Erinnerung an diese Veranstaltung festhalten. Der Katalog
ist von Dr. Walter Cohen, dem Kustos der städtischen Samm-
lungen in Düsseldorf bearbeitet.

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Man schreibt uns aus Frankfurt a. M.: in der Kunsthand-
lung H. Trittler ist bis 1. Januar 1921 das gesamte Verlags-
werk von Friedrich Dehne, Leipzig ausgestellt. Die Ausstellung
bietet eine umfassende Übersicht über das gesamte graphische
Schaffen unserer Zeit, junge und ältere Künstler sind mit hervor-
ragenden Arbeiten vertreten. Außerdem ist eine kleine, gewählte
Kollektion von Bruno Goldschmitt, München, ausgestellt.
Der Künstler hat sich hauptsächlich als Buchillustrator einen
geachteten Namen erworben, Sammler von Ruf wissen diese
Arbeiten längst zu schätzen. Ausgestellt ist die soeben erschienene
Folge „Aus den Bergen“ bestehend aus 6 Originallithographien,
sowie die erste Lieferung eines umfangreichen Werkes: „30 Holz-
schnitte zur Bibel“.

Köln.

Der Kunstsalon Hermann Abels gibt eine Reihe sehr
hübscher Kataloge über seine neuesten Erwerbungen und seine
alten Bestände heraus. Jede von diesen kleinen, handlichen
Schriften trägt auf dem Umschlag eine Reproduktion nach den
Werken jenes Meisters, dem die Schrift gewidmet ist. Katalog 9
zeigt Dürer an, (zahlreiche rare Stücke) Katalog 10 vermerkt
nur Porträts alter Graphik, darunter französische, holländische,
englische und deutsche Seltenheiten, Katalog 11 bringt im all-
gemeinen alte Kupferstiche des XV.—XVIII. Jahrhunderts, darunter
Blätter von Lucas van Leyden, Aldegrever, Ostade, Wenzel-Hollar.

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