Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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durchdringt aber diese Ingredierzien und bindet sie mit
humoristischem Blick und scharfem Zeitgefühl. Seine
knappen, vollen, klaren, munteren Werke, in denen ein
echt helvetischer tragischer Realismus niemals fehlt, legen
jede Aufmerksamkeit in Bann. Pellegrini ist mehr
freskal gerichtet und folgt zugleich dem Stil des
Cinquecentowandbilds und dem Hodler der Bilder
männlicher Entscheidung. Er hat mehr Milde und
Dehnsamkeit in der Ausbreitung und Farbbehandlung
als beide und macht im Grunde einen halb quatro-
centistischen, halb modernfranzöHschen Eindruck.
Äußerst fesselnd sind seine Landschaft und sein Bild-
hauerbildnis Hodlers ist mit einer nicht eben ideal
ausgewählten oder angeordneten Bilderzahl gedacht
worden. Dennoch behauptet er, der Geschiedene, mit
Sicherheit den Rang eines der vornehmsten Väter und
Überlebers dieser Moderne. Die Figur einer Wandelnden

(Art der „Empfindung“) und eine Landschaft letzter Zeit
bürgen dafür, wenn andres skizzenhaft ist.

* *

*

Die übrigen Länder seien hier beschwiegen. Der Wert
der Ausstellung echot dort mehr in Massen als in
Persönlichkeiten. So manche sind erschüttert oder neu.
Man muß sie in Gnaden aufnehmen. Am nächsten
kommen dem Zentrum Polen, Holland, Japan und, trotz
krasser Leninismen, mit manchen Namen Rußland. Das
Reich der Abstraktionisten von allenthalben wollen wir
nicht betreten. Die bedürfen noch geraumer Zeit, bis
sie mit Natur, Seele, Volk Kontakt gefunden haben.
Beschließen wir daher die Betrachtung mit einem Dank an
ihre Unternehmer, und mit der Hoffnung, ihr Geheim-
plan möge in Erfüllung gehen.

Das Wahlgebäude in Genf mit der Internationalen Ausstellung Moderner Kunst. (Januar 1921)

In der Mitte französische und schweizerische Plastik, rechts schweizer, am rechten Rande französische Malerei,

oben „Sectlon d’or de Paris“

Italien und dev Genius Dantes

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LJlötzlich und riesenhaft wächst vor der taumelnden
* Menschheit, eine Mahnung und Drohung zugleich,
der Schatten Dantes empor. Es sind genau sechs Jahr-
hunderte her, seit der große Florentiner ins Grab sank.
Die gelehrte und schöngeistige Welt Deutschlands ruft
allenthalben zur würdigen Dantefeier auf. Erinnern wir
uns der Zeiten, in denen der italienische Dantist Eugenio

Camerini dem deutschen Danteforscher Karl Witte eine
Ausgabe der Göttlichen Komödie widmete mit der fein-
sinnigen und ehrenvollen Huldigung, Witte habe durch
seine Forschungen Dante zum Bürger Deutschlands, sich
selbst zum Bürger Italiens gemacht. In der Tat sind es
neben den Italienern die Deutschen gewesen, die bis
zum äußersten um das Verständnis Dantes, des geheim-

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