Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

Page: 358
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anders schmeken nicht so troken wie bei uns. Ver-
zeihe wenn ich nicht früher schrieb, aber der Entschluß
zu reisen war nur von Abens bis Morgen, so daß ich
nur schnell zu paken hatte u. fort. Als ich nach
München kam war wohl die Sprache daß Ferdinand
Piloty der Bruder des Professor nach Rom auf 2 Monat
mit einschluß 8 Tage Neapel gehen würde, u. einen
reiselustigen Begleiter suche, den Er nun für bestirnt
Ostersamstag an mir fand. Profesor rith auch ich
sollts riskiren u. streckte mir das nöthige Geld vor, bis
das nächste Bild verkauft sei. Ostersontag früh gings
fort nach Rom, wo wir nun nach einer sehr schönen
Reise durch Verrona Mailand Genua, Genua zu Schiff
nach Livorno bis Civita Vechia u. Röm glücklich an-
kameq. Schon in Verona kam uns der schöne Frühling
entgegen, in Genua dieser Prächtigen Stadt begrüßten
uns die Pinien u. Zipressenheine, der schönste Hafen
mit lOOderten von Schiffen, dem Blauen Meer, in der
Ferne die Insel Elba mit den Erinnerungen an
Napoleon I Korsica u. Sardinien u. Capraja mit Gari-
baldi, dem Armen soll es sehr schlecht gehen mit
seinem Fuß. Von den Aufständen und Verschwörungen
wovon alle deutsche Zeitungen voll sind, ist kein Wort
wahr u. man amüsirt sich hier höchst, so oft diese
Blätter hier ankommen. Man muß als Reisender die
Pirmontesische Regirung nur loben, sie that alles die

Sicherheit u. Bequemlichkeit des Reisenden zu fördern,
sie hob die lästigen Mauten auf, die Münze ist durchs
ganze Land nun dieselbe, wo zu fahren sind bestirnte
Taxen, Auskunft erhält man in jeder Straße von
Polizeimilitäur, die Paßgeschichten haben aufgehört.
Nächsten Montag fahren wir mit der Eisenbahn nach
Neapel, besuchen den Vesuv, der leider jetzt still ist,
u. die ausgegrabne Römerstadt Pompeji. Von dort
über Gaäta nach Rom Rom zurück, von wo wir Ende
Mai in den Frühling von München zurückkehren Ich
male hier in Rom noch eine Studie von der Kapelle
St. Paulina die ich für meine Papstwahl gut brauchen
kan. 0 es giebt hier so viel zu sehen die Kolossalen
Römerruinen die alles an Größe überbieten, kurz man
wird garnicht fertig. Lebe recht wohl es ist höchste
Zeit den Brief auf die Post zu geben sonst komt er
erst in 2 Tag fort. Die herzlichsten Grüße und Küsse
Dir theure Mutter dem Onkel und allen Bekannten.
In der Hoffnung daß Du so gesund wie ich Dein Dich
innigliebender Sohn

Hans.

Via Felice N. 79 premier Etasch bei Familie Modesti
in Rom. bis 24. April von Neapel zurück, ein Brief
braucht 4—5—6 Tage.

Hans Makart,
Handzeiclinung

Aus dem Nachlasse
des Meisters

Übet? Buch- und Bucbetnbandfälßbungen
und cDeefäUebungen

oon

0. A. 6. Bog eng

ui.

Je einfacher die Arbeit eines Fälschers von Griffel-
kunstblättern war, desto schwieriger ist es, sie zu
enthüllen. So ist dann ein Sammelgebiet mit teuersten
Preisen ein Fälschereldorado geworden, das der Zeich-
nungen zu den französischen Kupferstichwerken des
achtzehnten Jahrhunderts. Erwägt man, daß die Vorlagen
der Radierungen oder Stiche oft verloren gingen, daß
auch die erhaltenen, wenn sie nicht schon in ihrer Ent-

stehungszeit einem Bande einverleibt wurden, weder frisch
noch zusammenblieben, erwägt man weiterhin, daß sie
fast immer in einer flüchtigen, leichten Technik ausgeführt
sind und ohnehin bei einer mehr gewerblichen Übertragung
auf die Platte hier auf die Gegenseite kamen, so wird
man gern zugeben, daß einem Fälscher die Rück-
verwandlung eines Buchkupfers in seine Originalzeichnung
keine besondere Mühe verursacht. Er braucht nur ein

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