Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

Page: 142
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sich in selten vorzüglicher Erhaltung präsentiert. Die Arbeit
stammt aus dem Jahre 1630 oder 1631 und zeigt in
jeder Einzelheit die charakteristische Handschrift des
großen Meisters. Das braune Unterkleid — in langen,
breiten Pinselstrichen hingeworfen — wird von einem
dunklen, pelzverbrämten Mantel überdeckt, zwei Gold-
ketten mit einem Medaillon zieren die Brust und ein
Barett in rötlich-brauner Färbung bedeckt den Kopf.
Das ungewöhnlich lebenswahre, stolze Gesicht ist eine
der besten Arbeiten ähnlicher Art aus dieser Zeit. Die
hell beleuchtetete, linke Seite ist von eminenter Frische
und in pastoser Arbeit durchgeführt, während die
Schattenseite teils fast lasiert, teils auch mit ziemlich

farbleerem Pinsel in der nur Rembrandt eigenen Art —
wenn ich so sagen darf — hingekratzt ist, sodaß man
aus dem Ganzen bereits deutlich das Herauswachsen
seiner späteren Technik ersieht.

Das Werk wurde von mir Herrn Geheimrat Dr. Wil-
helm von Bode, Generaldirektor der Berliner Museen,
Herrn Professor Dr. Gustav Pauli, Direktor der Kunst-
halle zu Hamburg, Herrn Dr. C Hofstede de Groot, Haag,
und Herrn Dr. Gustav Glück, Direktor der Gemäldegalerie
zu Wien, vorgelegt, die meine Feststellungen bezüglich
der Echtheit bestätigten und wertvolle Einzelheiten er-
gänzten. Das Gemälde wurde von mir vorläufig der
Hamburger Kunsthalle als Leihgabe überwiesen.

Kunftwevke, die noch su befttmmen Und

Gin Jiotmgefäß in (ilbevvevQoldetev Raffung.

ü^ür diese Rubrik wird uns aus Privatbesitz eine Photo-
-*■ graphie vorgelegt, die wir hier reproduzieren. Es
handelt sich um ein zylindrisches Horngefäß in silber-
vergoldeter Fassung. Der Deckel ist durchbrochen, am
Lippenrand und unten sind Ringe angebracht zum
Durchziehen einer Kette oder Schnur. Es ist offenbar
ein Riechgefäß, in welches ein in Duftwasser getauchter
Schwamm gesteckt wurde. Der Besitzer wirft die Frage
auf, ob das Stück nicht ein Jamnitzer sein könnte. Wir
fühlen uns nicht kompetent die Frage zu beantworten
und legen sie unserem Leserkreis vor. An Hand des
eben erschienenen Rosenbergschen Jamnitzerwerkes scheint
die Zuschreibung an diesen Meister nicht aufrecht er-
halten zu werden können. Das Cartouchenwerk ließe
sich vielleicht noch in den Jamnitzerkreis einzwängen,
nicht aber die Menschenmasken und vollends nicht der
Löwenkopf, der einen ganz anderen Charakter trägt, als
in irgend einem Jamnitzerwerk.

Die Redakion.

*) Siehe 1./2. Juliheft des „Kunstwanderers“, ferner;
2. Augustheft des „Kunstwanderers“: „Eine rätselhafte
Fayence-Figur“ von Gustav E. Pazaurek.

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