Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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Grundelementen arbeitet gleichfalls die Bewegung; sie
bleibt überall gelassen; es fehlen überraschende Kurven,
starke Bewegungsmotive, Überschneidungen, die den
Blick nachdrücklich auf sich lenken, ihn in die Tiefe
ziehen und festhalten würden. Die Fläche ist durchweg
streng gewahrt; auch in den großen Breitbildern, die
räumlich am reichsten ausgebildet sind, ist doch für
sichere flächige Begrenzung Sorge getragen. Die Anord-
nung der Farbe beruht, wie bereits Thiis bemerkt hat,
auf der motivischen Verteilung kalter und warmer Töne,
die sich vorzugsweise in einer ziemlich kurzen Skala von
blau bis gelb bewegen. Wenn es Munch durch sein
Verfahren geglückt ist, seine Gemälde in die räumlichen
Bedingungen des Festsaales so einzufügen, daß Malerei
und Raum zu einem organischen Kunstkörper zusammen-
wachsen, so bleibt darin doch ein konstruktiver Rationalis-
mus fühlbar, der erkältend wirkt. Überall trifft das Auge
die Formen und die Farben, die es nach der Logik der
künstlerischen Rechnung erwarten darf, allein es bekommt
auch die Rechnung und ihre Faktoren überall zu fühlen;
es vermißt ihre Auflösung zur Freiheit, es vermißt das

überlegene Spiel des Geistes, die sinnliche Wärme und
Fülle. Zu seinem vollen Leben erwacht Munchs Werk
erst in der Wechselwirkung der Farbe und des Lichtes.

In der Freiheit der Natur, im Glanze des großen Lichtes
empfangen und geboren würden seine Gestalten in dem
romantischen Dämmer einer Kapelle ersticken. Aber hier,
wo das Oberlicht breit, gleichmäßig und stark den Saal
durchflutet, finden sie die Atmosphäre, um zu atmen und
zu wandeln. Es ist, als ob dies Licht sich irgendwie
prismatisch breche und so das bunte Farbenspiel an den
Wänden schüfe. Dann lösen sich die leicht und frei
hingeschriebenen Formen und Gestalten, bewegen sich
im lichtdurchfluteten Raume und erfüllen ihn mit einer
herben, kühlen und frischen Schönheit, in der man Hoch-
gebirgsluft zu spüren vermeint. Sie sprechen nicht von
Wissenschaft und Forschung, von Gelehrten und Denkern,
sondern von der Macht und Heiligkeit der Natur und
dem Glücke des Lebens in ihrer Umarmung. So führt
auch die Betrachtung von der formalen Seite her auf
Naturverehrung und Lichtanbetung als den innersten
Kern in Munchs Schöpfung.

Adriaen van Ostade
Bauernschänke

Lav. Federzeichnung

Galerie Ernst Arnold
Dresden

Htoet dnoiiene
Rembüandt^Beicbnungeru

In der holländischen Sammlung van der Willigen befanden
sich, wie Hofstede de Groot nach Vosmaer (S. 605) in seinem
grundlegenden Aufsatze über die Entlehnungen Rembrandts im
Jahrbuch der Kgl. Preuß Kunstsammlungen 1894 S. 178 erwähnt,
zwei Zeichnungen, die die eigenhändigen Bezeichnungen tragen
„Na een ostindies poppetje geschets (= nach einem ostindischen
Püppchen skizziert)“ und „Na Oostind. poppetje“. In meinem Auf-
sätze über Rembrandts Zeichnungen nach indisch - islamischen
Miniaturen (Jahrbuch 1904 S. 155) wies ich auf die Blätter mit
der Bemerkung hin, „nur vor ihnen selbst könnte entschieden
werden, ob es sich in diesem Falle um Skizzen nach einer ost-
asiatischen oder indischen Figur, oder aber auch hier um die
Kopien nach indischen Miniaturen handelte“.

Seit Jahren habe ich mich nun vergeblich bemüht, der beiden
Blätter habhaft zu werden. Herr Hofstede de Groot hat sie, wie
er mir mitzuteilen die Güte hatte, im Jahre 1898 im Schloß zu
Weimar gesehen, wo der verstorbene Großherzog Carl Alexander
sie ihm persönlich zeigte und dabei erwähnte, daß er sie als Ge-

schenk für seine Gemahlin in Holland erworben hätte. Aber weder
im Weimarer Schloß und in den sonstigen dortigen Sammlungen
noch auch bei den Erben des großherzoglichen Paares sind die
Zeichnungen vorhanden, soweit ich vor und nach den politischen
Umwälzungen durch verschiedene gütige Vermittelung fest-
stellen konnte.

Vieleicht tragen diese Zeilen und ihre Veröffentlichung im
Kunstwanderer dazu bei, den beiden in mehr als einer Hinsicht
interessanten Zeichnungen auf die Spur zu kommen.

F. S a r r e

Altt)olländi(cbe Kund in Dresden.

Wenn man jetzt die oberen, an sich so gediegen ausge-
statteten Räume der Galerie Ernst Arnold in Dresden
betritt, kann man meinen, man komme in das Kunstkabinett eines
vornehmen Kunstfreundes, dessen Liebhaberei sich auf die
holländische und flämische Landschafts- und Genremalerei des
17 Jahrhunderts gerichtet hat. 45 Gemälde und 44 Handzeichnungen
sind hier in der geschmackvollen Weise aufgehängt, die wir in
der Arnoldschen Galerie gewohnt sind; die meisten sind be-

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