Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

Page: 319
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reicherer Werke, z. B. des „Weißkunig“, erst lange nach
ihrer Fertigstellung zum Druck gelangt, oder aber auch
einzelne Griffelkunstblätter, z. B. die beiden berühmtesten
Goethe’schen Radierungen, ursprünglich nur in wenigen
Abzügen ausgegeben und erst erheblich später in größerer
Auflage veröffentlicht worden. Das Unterscheidungs-
zeichen wird dann also neben dem Abzugsalter die Ab-
zugsart sein, wobei die alten und neueren Abzüge sich
durchaus nicht in ihren ästhetisch-technischen Qualitäten
zu unterscheiden brauchen und der neue Abzug in
diesen, den graphischen Werten, sogar dem älteren über-
legen sein kann. Dafür sind dem alten Abzug Gefühls-
werte verbunden, welche dem neuen versagt sind und
die ein Sammler schätzt. Wenn deshalb derartige neue
[nicht alt gemachte] Abzüge auch nicht Abweichungen
in dem Sinne der Fälschungen und Verfälschungen vom
Original zeigen, so kann hier immerhin die Behauptung,
die durch allerlei Kniffe verstärkte Vortäuschung des
alten Abzuges einen Raritätenbetrug veranlassen. Ähn-
liches gilt von alten, aufgearbeiteten (aufgeätzten, auf-

gestochenen) Platten und aufgefrischten Stöcken. Auch
bei ihnen handelt es sich noch um, meist technisch
minderwertige, Abzüge von den Originaldruckformen, die
an und für sich keine Fälschungen sind, aber bei Be-
trugsversuchen leicht als solche benutzt werden können.
Da indessen der Graphikkenner die Abzugskennzeichen,
bei den Hauptblättern wenigstens, bestimmen kann, sind
gegen ihn gerichtete Täuschungsversuche nicht besonders
aussichtsreich, es sei denn, daß ein äußerlich bleibender
Druck - Variantensport geradezu solche herausfordert.
Daß in betrügerischer Absicht unternommene Nachschnitte
und Nachstiche, die ebenso in der Dürerzeit wie in der
Ropszeit in den Handel kamen, hin und wieder recht
schwer zu erkennen sind, ist eine Sache für sich. Immer-
hin wird ein Graphikkenner nicht allein in den Hand-
büchern seines Sammelgebietes Bescheid wissen müssen,
sondern auch in den Druckverfahren, damit er seine
Augen für Untersuchungen ausreichend geschult hat, die
von der Druckart bei einer Echtheitsprobe ausgehen
müssen.

(Fortsetzung folgt.)

Kunffauktto neru

Aachen.

Am 10. und 11. Mai 1921 gelangt durch das Kunstauktionshaus
Ant. Creutzer vorm. M. Lempertz G. m. b. H. eine be-
deutende Sammlung von Gemälden alter Meister, sowie
eine Reihe erstklassiger Antiquitäten, Perlen der Kleinkunst, aus
dem Besitz eines rheinischen Sammlers unter den Hammer. Der
mit 12 Lichtdrucktafeln ausgestattete Katalog weist 450 Nummern
auf, wovon 90 auf Stiche und Handzeichnungen entfallen. Es
folgen 45 Nummern Gemälde allerersten Ranges, von denen wir
nur No. 98, „singender Bauer“, von Adriaen Breuwer und No. 422
„das Männerporträt“ von Ludger tom Ring, aus der ehemaligen
Sammlung G u m p r e c h t - Berlin, die beiden Porträts eines
Brügger Meisters um 1490 (101 u. 102), eine Krönung Mariäs von
Meister von Kappenberg (103), No. 105 Porträt von Lucas Cranach,
No. 120 Interieur von Ostade, No. 130 Bauernbelustigung vom
van Steen, No. 131 Landschaft von David Teniers dem Jüngern
und No. 134 Flußlandschaft von Jan Wynants mit Staffage von
Adriaen van den Velde aus der ehemaligen Sammlung von
H o 11 i t s c h e r - Berlin hervorheben möchten. Die restlichen
300 Nummern der Sammlung bestehen aus Antiquitäten, darunter
Taschenuhren, Dosen und Tabatieren in Gold, Email und Silber
des 18. Jahrhunderts. Arbeiten in getriebenem Silber (Pokale
aus Nürnberg), Bronzen, Porzellane der Manufakturen Berlin,
Frankenthal, Frankreich, Fulda, Fürstenberg, Gotha, Höchst,
Meißen usw. sind zu finden. Eine kleine Anzahl erstklassiger
Holzschnitzereien und Kleinmöbel, darunter eine Vitrine von
David Roettgen beschließen den Katalog, dem ein Vorwort des
Museumsdirektors Dr. Schweitzer vorausgeht.

Frankfurt a. ]M.

In der Auktion der Gemäldesammlung Christine Auffen-
b e r g - Frankfurt sind bei Rudolf B a n g e 1 G. m b. H. folgende
beachtenswerte Preise erzielt worden: Courbet „Winterlandschaft“
(1869) 43C00 Mk., Anton Romako (Wien): Bildnisse des Bildhauers
Begas und seiner Frau 20 000 Mk., Wilhelm Trübner: Porträt der
Frau Knecht '(1890) 21 000 Mk., Alfred Sisley „Vue de Seine“
4000 Mk., Adolf Schreyer „Am Brunnen“ 5100 Mk, Chr. Schreiber
(Paris) zwei kleine „Geistliche Herren“ 10 000 Mk., Carl Theodor

Reiffenstein (Frankfurt) „Abtei Wimpfen“ (1891) llOOOMk., David
de Noter (Gent) „Die Morgentoilette“ 9000 Mk., Laurid Haarland
(Stockholm) „Bewegte See“ (1902) 6500 Mk. Zwei Bilder des
Frankfurters Peter Becker (1883/84) brachten 12 000 und 12 500 Mk.,
zwei Anton Burger von 1896 zusammen 11 500 Mk. und eine
Hochwaldlandschaft des Frankfurters Peter Burnitz erreichte
4100 Mk. Für einen großen weiblichen Halbakt von Lovis Corinth
(aus der Pariser Zeit des Künstlers, 1886) zahlte man 24 500 Mk.

*

Rudolf Bangel G. m. b. H. versteigert vom 19. bis
23. April Gemälde alter und moderner Meister, Möbel,
Keramik, Metallarbeiten und Graphiken aus den Beständen der
Städtischen Sammlungen — Freiburg i. Br., aus dem Nachlaß der
Freifrau Alexandra von und zu Bodmann, geb. von Offensandt
von Berckholtz in Freiburg i. Br. und eine Sammlung von Aqua-
rellen und Handzeichnungen, aus der die Namen Baisch, Decamps,
Hermann Kauffmann, Klinger, Rottmann, Schirmer, Schönleber,
Schwind und F. Voltz hervorgehoben sein mögen, aus dem Nach-
laß von Alexandra von Berckholtz-München. (Katalog 1015 mit
28 Abbildungstafeln). Hauptinteresse verdienen die Gemälde neu-
zeitlicher Künstler. Wir nennen die Namen: Andreas und Oswald
Achenbach, H. Bartels, Defregger, Deiker, E. v. Gebhardt, Grützner,
Harburger, Heffner, Herkomer, Kallmorgen, A. Kampf, F. Keller,
Reutlingen, Kröner, Lenbach, G. von Max, Schmutzler, Schönleber,
Slevogt, Spitzweg,von Stuck, Thoma, Ernst Zimmermann,Zügel. Von
alten Meistern sei auf die Arbeiten von J. v. Goyen und W. v. d.
Velde, auf einen flotten Synders, eine entzückende Anbetung des
Martinez, eine prachtvoll durchgeführte Salome vor Herodes von
Perez, endlich auf ein zierliches Porträt Justus Junker hingewiesen.
Die im Katalog verzeichneten Sitz- und Kastenmöbel entstammen
den Stilperioden der Renaissance bis zu den schönsten Empire-
formen. Nymphenburger, Frankenthaler, Meißner, Höchster, Ber-
liner Porzellan schließt sich schöne Fayence süddeutscher Manu-
faktur an Unter den Bronzen ragt eine Empire-Garnitur hervor,
Apollos Sonnenwagen darstellend, unter den Silberarbeiten einige
wertvolle Pokale und Becher. Eine umfangreiche Graphik-Samm-
lung vom 16.—19. Jahrhundert beschließt den Katalog 1015. Im
Anschluß an diese Versteigerung kommen Kunstwerke aus der
Nationalstiftung der Stadt Mainz, Katalog 1016
durch die gleiche Firma zur Versteigerung: Gemälde moderner
Meister, kunstgewerbliche Arbeiten.

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