Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

Page: 353
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Die Auktionen bet C Q. Boemet? in Leipzig»

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Geheimrat Dr. Max J. Friedländer, der Direktor der
Gemäldegalerie und des Kupferstichkabinetts in Berlin,
hatte die große Freundlichkeit, für den .Kunstwanderer“
auch das Referat über die dritte Auktion Davidsohn
und die anderen Versteigerungen zu übernehmen, die
soeben bei Boerner stattgefunden haben. Der Berliner
Kenner, dessen Berichte über den ersten und zweiten
Teil der Sammlung Davidsohn im 1. Maiheft und 1. De-
zemberheft 1920 erschienen sind, schreibt uns:

[jie ausgedehnte Frühjahrsauktion, die C. G. Boerner
veranstaltete, begann am 25. April mit einer Samm-
lung von Zeichnungen alter und neuerer Meister. Als
kräftiges Mittelstück folgte die Davidsohn-Sammlung mit
ihrem dritten und letzten Teil, und den Beschluß machte
ein Dürer-Werk und Kupferstiche der Brüder Beham.
Eine volle Woche wurde unter meister- und musterhafter
Regie versteigert.

Die Zeichnungen, die zum Teil ein im Leipziger
Privatbesitz erhaltener Restbestand der berühmten
Sammlung Heinrich Wilhelm Campes waren, boten ein
buntes Beieinander von Arbeiten des 17., 18. und 19. Jahr-
hunderts, waren mit hervorragender Sachkenntnis katalo-
gisiert und wurden zu angemessenen Preisen verkauft.
Von drei hübschen farbigen Zeichnungen Avercamps
brachte die reichste (Nr. 6) 10 900 Mk. Eine bedeutende
Rötelzeichnung, die Anbetung der Könige (Nr. 15), die
unter dem Namen Fra Bartolommeo angeboten,
von einem mailändischen Meister aus der Zeit um 1500
zu sein schien, brachte 9 400 Mk. Eine reizvolle Land-
schaftsstudie von B o e c k 1 i n , der als Zeichner so
wenig bekannt ist, wurde mit 5 600Mk. bezahlt (Nr. 23).
Die Porträtminiatur in Silberstift von Chodowiecki,
angeblich die Dichterin Karchin, wurde mit 9 400 Mk.

bewertet (Nr. 34). Eine anmutige Kleinigkeit des Wieners
Peter Fendi, schlafendes Kind (Nr. 49), fand zu
1 600 Mk. einen Liebhaber. Gut bezahlt, wie stets in
den letzten Jahren, trotz dem häufigen Vorkommen,
wurden van G o i j e n s Blätter, die wohl nachträglich
farbig übergegangene Flußlandschaft (Nr. 55) mit 5 200
und die hervorragende, 1652 datierte Strandansicht mit
9 800 Mk. Die Blätter von Fragonard und G r e u z e
(Nr. 50, 1090 Mk., Nr. 58, 2500 Mk.) erschienen ein
wenig zweifelhaft, während die elegante, mit höchster
Feinheit durchgebildete Gouache von Nicolas Lav-
r e i n c e , Unterbrochene Lektüre (Nr. 78), echt signiert
(was der Katalog nicht angab) den erwarteten hohen
Preis (95 000 Mk.) brachte. Allzu hoch getrieben wurde
die Stecherzeichnung von Peeter Huys (Nr. 65),
Christus am Kreuz, nach einem altniederländischen Ge-
mälde (2 500 Mk.) Ferner waren folgende Stücke be-
merkenswert:

No. Mark

87 Hans v. Marees, Baron Ripp, Porträtstudie

von 1885 . 6 800

101 Adr. v. Ostade, Wirtshausinterieur. 7 000

128 A. L. R i c h t e r, Landschaftsaquarell aus früherer

Zeit.21500

129 — — Schäferpaar.11000

130 — — Eine Gruppe von vier Kindern . 2 200

132 J. E. Ridinger, Wildenten.1600

135 R. Roghmann, Landschaftsstudie. 8200

152 Schnorr v. Carolsfeld, Schlacht Rudolfs von

Habsburg gegen Ottokar. 4 000

158 Schwind, Junges Mädchen, einem Vogel Futter

gebend. 2 400

162 S t e i n 1 e , Adam und Eva. 6 800

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